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Depressionen und Burn-out

Mögliche Ursachen und mögliche Hilfen

 

1.    Wenn du im Beruf oder in der Familie „funktionieren“ sollst:
Wenn deine eigene Wahrnehmung und dein eigenes Denken, deine Ideen und deine Kreativität ständig verleugnet und zurückgestellt werden müssen, um den Erwartungen der anderen, z.B. der Vorgesetzten, der Eltern, des Partners usw. zu entsprechen.
Du kannst nicht „du selbst“ sein:
Dein geistiges und seelisches Leben, dein eigenes Denken und Fühlen kann nicht „zur Welt kommen“, kann nicht deine Lebensgestaltung prägen.
Sehr autoritäre Vorgesetzte, Eltern, die sich ständig in das Leben ihrer erwachsenen Kinder einmischen, ein sehr dominanter Lebenspartner können dann die Ursache von Depressionen werden, wenn man sich aufgrund der eigenen psychischen Struktur nicht genügend abgrenzen und schützen kann, wenn man durch Helfer-Rollen, in die man in der Kindheit geraten ist, nicht genügend gelernt hat, sich selbst wahrzunehmen und die eigenen Interessen zu vertreten.


Die Botschaft der Depression:
Die eigene Originalität entdecken und „zur Welt kommen“ lassen!

- Sich von alten Helfer-Rollen, in die man als Kind geraten war, zu verabschieden (dazu evtl. einen eigenen Lebenslauf mit Schwerpunkt „Kindheit und Jugend“ schreiben und auch Lebensläufe der Eltern und Großeltern aufschreiben, um deren Schicksal zu achten - ohne meinen, sie erlösen zu müssen)

- Die Selbstwahrnehmung verbessern (z.B. durch autogenes Training, Selbsthilfegruppen usw.) und eigene Interessen klarer formulieren.

- Sich gegenüber den Eltern besser abgrenzen.

- Sich gegen unangemessene Forderungen und Erwartungshaltungen der Vorgesetzten u.a. Personen wehren.

- Dazu konstruktives Streit- und Kritikverhalten lernen.

- Sich um Solidaritätspartner umschauen (Gewerkschaft, Interessensverbände, usw.)

- Evtl. eine berufliche Veränderung anstreben.

 

2.    Wenn du Minderwertigkeitsgefühle kompensieren willst: Burnout:
Wer die Minderwertigkeitsgefühle eines Elternteils als dessen Lieblingskind zu kompensieren versucht, ist in Gefahr, sich selbst extrem zu überfordern. Ob im Beruf oder im Verein, im persönlichen Hobby oder im sozialen oder politischen Einsatz: Sein Engagement ist grenzenlos und oft auch selbstlos; er kann sich gegenüber den Erwartungshaltungen der anderen schlecht abgrenzen, kann nicht NEIN sagen und versucht, es allen Recht zu machen.

Er verausgabt sich bis zur totalen Erschöpfung. Durch seine Helfer-Rolle in der Kindheit hat er gelernt, andere Menschen mit ihren Problemen wahrzunehmen, aber nicht sich selbst zu spüren. Anderen zu helfen, hat er große Fähigkeiten, aber sich selbst zu helfen, macht ihm Schwierigkeiten.

Die Erfahrung der Erschöpfung (Burnout) vermittelt ein Gefühl des Versagens und der Selbstzweifel und kann den Erschöpfungszustand in ein seelisches Tief von Vergeblichkeit, von Unfähigkeit und Sinnlosigkeit umschlagen lassen.

 

Die Botschaft der Depression:

-   Sich von den Helfer-Rollen aus der Kindheit verabschieden.

-   Das eigene Leben von beiden Elternteilen in gleicher Weise annehmen.

-   Selbstwahrnehmung, Selbstliebe und Eigenverantwortung entwickeln.

-   NEIN-Sagen lernen und das Lebensprogramm und das Engagement für andere auf ein gesundes Maß reduzieren.

 

3.    Der gesellschaftliche Fortschritt vergrößerte den „seelischen Raum“ und steigerte die Diskrepanz zwischen seelischer Sensibilität und äußerer Realität:

Durch die moderne demokratische Kultur, durch Gewerkschaften und Berufsverbände und durch die sozialen Netzwerke einer gesellschaftspolitischen Sozialordnung sind die Ängste vor Autoritäten (in der Familie, in der Schule, in der Arbeitswelt, in der Religionsgemeinschaft usw.) und die finanziellen Existenzängste für die meisten Menschen stark gesunken.
Diese Abnahme fundamentaler Ängste und die Zunahme der Freizeit ließ den geistig-seelischen Raum für die eigenen Gedanken und Gefühle bei vielen Menschen von Kindheit an stark ansteigen.
Wenn die eigenen Gedanken und Gefühle die Selbst-Wahrnehmung und das Bewusstsein immer stärker prägen, wird die Diskrepanz zwischen den Impulsen, die von innen kommen und den äußeren einengenden und entmündigenden Verhältnissen immer belastender und kann zu seelischen Lähmungen führen, die sich als Depressionen äußern.

Ein besonderes Problem stellen die Kriegseinsätze von Soldaten aus westlichen Ländern dar: Die Diskrepanz zwischen der Wertempfindung für das Leben jeder einzelnen Person und der Grausamkeit und Entpersonalisierung der Eigendynamik der Waffensysteme.

 

Die Botschaft der Depression:

-       Die eigenen Gedanken und Gefühle wertschätzen und einen Schutzraum schaffen, wo sich ihre Dynamik entfalten kann.

-       Evtl. durch Reduktion des äußeren Wohlstandes sich entmündigenden Arbeitsverhältnissen entziehen.

-       Solidarpartner suchen für die eigene Originalität und Kreativität.

-       Solidarpartner suchen für die Gestaltung und Veränderung der gesellschaftlichen bzw. beruflichen Rahmenbedingungen. (Gemeinsame „Träume“ können eine neue Wirklichkeit schaffen!)

-       Mitarbeit an einer gerechteren, toleranteren und friedvolleren Welt.

4.    Ein wichtiges Gefühl wird verdrängt: wichtige seelische Hausaufgabe werden nicht gemacht:

Auch wenn ein einzelnes starkes Gefühl wie z. B. Zorn oder Trauer nicht ausgedrückt werden kann, sondern verdrängt wird, ist dies ein möglicher Grund für eine seelische Lähmung. Wenn jemand zum Beispiel aus Ehrgeiz – und das bedeutet meist aus unbewussten Minderwertigkeitskomplexen – keine Zeit hat, um die Trauergefühle um ein verstorbenes Elternteil oder ein verstorbenes Kind zuzulassen, kann es sein, dass sein Unbewusstes ihn blockiert. Auch andere seelische Hausaufgaben, die nicht gemacht, sondern ständig weggeschoben werden, können eine seelisch blockierende Wirkung haben.
Solche seelischen Hausaufgaben können als traumatische Erfahrungen in der Kindheit noch unbewusst sein und brauchen therapeutische Hilfe, um sie bewusst zu machen und sie zu bearbeiten.


Die Botschaft der Depression:

Seelische Hausaufgaben erkennen und lösen! Evtl. mit Hilfe eines Therapeuten.

5.    Systemische Ursachen:
Übernahme von generationsübergreifenden Belastungen:

Von seelisch belasteten Vorfahren übernommene Gefühle, die die eigenen Gefühle überlagern und innere Verwirrung, Unsicherheit und seelische Lähmungen auslösen können.
Wir können bereits im Säuglingsalter unbewusst Mitgefühl entwickeln für verdrängte seelische Schmerzen und Belastungen der Eltern, seltener auch von den Großeltern und anderer nahe stehender Verwandter. Solche in unbewusster Solidarität und Liebe übernommenen Gefühle sind oft stärker als die Gefühle, die wir durch Ereignisse in unserem eigenen Leben erfahren, ja sie überlagern die Emotionen, die mit unseren eigenen Erfahrungen zu tun haben und können sie völlig verdrängen. Da wir sie mit der Wirklichkeit unseres eigenen Lebens nicht in Verbindung bringen können, empfinden wir sie sehr verwirrend, fühlen uns ihnen hilflos ausgeliefert und wecken in uns oft schlimme Minderwertigkeitsgefühle. Sie sind wie etwas Fremdes in uns und verhindern, uns selbst zu verstehen und uns innerlich akzeptieren zu können. Sie verhindern die Erfahrung von innerem Frieden, von Geborgenheit, von Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. Sie sind sehr bedrohliche Ursachen von Depressionen und werden von Therapeuten, die nicht systemisch ausgebildet sind, also die nicht generationsübergreifend denken, nicht verstanden und nicht angemessen behandelt.

Wenn die Person, mit der man seit Kindertagen unbewusst seelisch verbunden ist, bereits gestorben ist, entsteht oft eine extreme unbewusste Tendenz, dieser Person in den Tod nachzufolgen. D.h. es gibt eine sehr starke Suizid-Gefährdung.

 

Die Botschaft der Depression:
Unbewusste systemische Gefühlsbesetzung durch Hilfe eines systemisch ausgebildeten Therapeuten aufdecken und durch bewusstes Mitgefühl und Achtung gegenüber den Vorfahren auflösen.

 

Diese Zusammenstellung von Ursachen und Hilfsmöglichkeiten bei Depressionen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allein-Gültigkeit!

 

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

 

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