Den „falschen Partner“ geheiratet??

 

Wenn in einer Partnerschaft die Gespräche, die Zärtlichkeiten, die Sexualität, die gemeinsamen Unternehmungen immer weniger werden, kann der Eindruck entstehen, den falschen Partner geheiratet zu haben.

Trennung erscheint für viele dann die einzig ehrliche und richtige Entscheidung zu sein.

Aber es gibt auch Ursachen für solche Partnerprobleme, die man durch Eheberatung und Ehetherapie erkennen und bearbeiten kann, um den Weg für eine glückliche Paarbeziehung wieder zu öffnen.

Im Folgenden sind dafür einige Beispiele und Bearbeitungsmöglichkeiten (seelische Hausaufgaben) aufgeführt.

 

 

 Den „falschen Partner“ geheiratet??


Seelische Hausaufgaben

1.


Wenn die Sehnsucht nach dem Vater auf den Partner übertragen wird:

„Der Liebenswerteste ist ein Abwesender“

 

Eine Frau hatte in der Kindheit ihren Vater verloren.

Die Vatersehnsucht prägte ihre ganze Kindheit und Jugendzeit.
Als sie sich als junge Frau verliebte und heiratete, waren ihre Lie­bes­gefühle anfangs extrem stark; denn in ihrer Partnerliebe war unbewusst auch ihre Vatersehnsucht mitschwingend, die sie auf den Partner projizierte und die nun scheinbar ihre Erfüllung gefun­den hatte.
Da ihr Unbewusstes aber nach einiger Zeit signalisierte, dass dieser Partner nicht der richtige Vater ist, war sie plötzlich immer auf der Ausschau nach einem anderen – unbewusst wieder neu auf der Suche nach dem „richtigen“ Vater – in Gestalt eines anderen Part­ners.

Der aktuelle Partner schien der „falsche“ zu sein! Ihre Liebe zu ihm schien erloschen.

 


>> Die in der Kindheit nicht mögliche Verabschiedung des Vaters nachholen – evtl. durch einen Abschiedsbrief und einen Abschiedsritus. >>>

>> Den Vater um seinen Segen für den eigenen Lebens­weg bitten (auch um den Vater seelisch als gegenwärtig und nur äußerlich als abwesend wahrzunehmen).

>> Den Partner bitten, das eigene Gedenken an den Vater zu begleiten und zu unterstützen (auch um den Unter­schied zwischen Vater und Partner rechtzeitig in positiver Weise sich bewusst zu machen).

 

 2.


Eine weitere Möglichkeit, wenn die Sehnsucht nach dem Vater auf den Partner übertragen wird:
„Mit dem `Vater´ schläft man nicht!“

 

Eine andere Frau hatte dasselbe Schicksal; auch sie hatte in der Kindheit ihren Vater verloren und war ebenfalls in der Ehe­schlie­ßung anfänglich sehr glücklich, weil sie den Eindruck hatte, mit dem Partner auch den bisher vermissten Vater gefunden zu haben. Der Partner verhielt sich auch ihr gegenüber sehr liebevoll - wie ein „guter Vater“.

Aber weil nach einiger Zeit das Unbewusste der Frau ihr signali­sier­te, dass man mit dem Vater nicht schlafen darf (Inzest-Tabu), wa­ren alle erotischen Gefühle bei ihr verschwunden.

Obwohl sie sehr an ihrem Mann hing und gar nicht daran dachte, sich von ihm zu trennen, wollte sie keine sexuelle Beziehung mehr mit ihm.

Er war dadurch verwirrt und verunsichert und begann seine Frau, die sich offensichtlich ihm entzog, zu verachten und abzuwerten. Er schien, die falsche Frau geheiratet zu haben.

 

 

Wie im 1. Beispiel:

 

>> Die in der Kindheit nicht mögliche Verabschie­dung des Vaters nachholen – evtl. durch einen Abschiedsbrief und einen Abschiedsritus. >>>

 

>> Den Vater um seinen Segen für den eigenen Lebensweg bitten (auch um den Vater seelisch als gegenwärtig und nur äußerlich als abwesend wahrzunehmen).

 

>> Den Partner bitten, das eigene Gedenken an den Vater zu begleiten und zu unterstützen (auch um den Unterschied zwischen Vater und Partner rechtzeitig in positiver Weise sich be­wusst zu machen).

 

3.


Wenn die Tochter vom Vater dessen Sehnsucht nach seinem Vater übernommen hat:

 

Ein Mann hatte als Kind seinen Vater verloren. Seine Kindheit und Jugendzeit war geprägt von seiner Sehnsucht nach seinem Vater.

Später, als er eine Familie gegründet hatte, übernahm seine Toch­ter – ein typisches Papa-Kind - unbewusst diese Sehnsuchts­fühle des Vaters nach seinem Vater.

Als später diese Tochter heiratete, liebte sie ihren Partner sehr, ja versuchte, ihn extrem an sich zu binden - wie ein Kind, das den endlich gefundenen Vater nie mehr loslassen möchte. Doch nach einiger Zeit war nicht mehr der anwesende Mann der liebens­wer­teste, sondern ihre Sehnsucht machte sich auf die Suche nach einem Abwesenden, denn dieses Gefühle-Muster entsprach dem langfristigen und immer noch lebendigen Gefühl, das sie in Soli­darität mit ihrem Vater von diesem übernommen hatte: Der wirk­lich Liebenswerte ist unerreichbar!

Der anwesende Partner schien der „falsche“ zu sein.

(Ein häufig auftretendes Problem-Muster!)

 

 

>> Einen Lebenslauf des Vaters schreiben, um starke Mit­gefühle mit seinen seelischen Schmerzen und mit seinen Sehnsuchtsgefühlen aufbringen zu können. >>>

 

>> Innerlich dem Vater sagen:

- „Papa, ich fühle mit dir – besonders auch mit deiner Sehnsucht“

- „Papa, ich achte dein Schicksal und deine Gefühle

 

>> Den Vater des Vaters um seinen Segen bitten für den Vater und für sich und für die eigene Partner­schaft.

4.


Auch für eine übernommene Sehnsucht kommt manchmal das Beziehungsmuster vor:

„Mit dem Vater schläft man nicht!“ bzw.

„Mit der Mutter schläft man nicht“

 

So kann auch bei einer übernommenen Vater-Sehnsucht (bzw. Mutter-Sehnsucht) die erotische Spannung verschwinden, ohne dass ein Bedürfnis nach einer anderen Beziehung entsteht. Im Ge­genteil, der Partner mit diesen übernommenen Sehnsuchts­gefüh­len erlebt sich sehr stark mit dem anderen verbunden; aber es han­delt sich emotional um eine unbewusste Tochter–Vater-Beziehung (bzw. Sohn-Mutter-Beziehung).

Hier ist es immer das „Opfer“ der Projektion, das den Eindruck ge­winnt, den falschen Partner bzw. die falsche Partnerin geheiratet zu haben. 

(Ein häufig auftretendes Problem-Muster!)

 

 

Wie im Beispiel 3:

 

>> Einen Lebenslauf des Vaters schreiben, um starke Mitgefühle mit seinen seelischen Schmerzen und mit seinen Sehnsuchtsgefühlen aufbringen zu können. >>>

 

>> Innerlich dem Vater sagen:

- „Papa, ich fühle mit dir – besonders auch mit deiner Sehnsucht“

- „Papa, ich achte dein Schicksal und deine Gefühle

 

>> Den Vater des Vaters um seinen Segen bitten für den Vater und für sich und die eigene Partner­schaft.

5.


Wenn negative Vater-Erfahrungen auf den Ehemann projiziert werden

oder wenn die negativen Partner-Erfahrungen der Mutter übernommen und später auf den eigenen Partner projiziert werden.

 

Ein Mann hat seine Frau ständig beschimpft, gedemütigt und unge­recht beschuldigt. Dann hat er sie und seine zwei gemeinsa­men Töchtern im Stich gelassen und ist zu einer jüngeren Freundin ge­zogen. Von seinen finanziellen Verpflichtungen ver­such­te er sich immer wieder zu drücken.

Als später die jüngere Tochter, die immer schon sehr solidarisch mit den Enttäuschungen der Mutter mit-gelitten hatte, heiratete, war sie anfangs sehr glücklich, da in ihrer Liebe zu ihrem Partner unbewusst auch ihre kindliche Sehnsucht nach einem liebevollen Vater ihre Erfüllung gefunden zu haben schien.

Doch nach einigen Jahren projizierte sie ihre Vater-Erfahrung auf ihren Ehemann und unterstellte ihm alles Mögliche an Bos­haftig­keit.
Sie gewann immer mehr den Eindruck, den „falschen Mann“ ge­hei­ratet zu haben. 

 

>> Das eigene Leben bewusst von Vater und Mutter an­neh­men und beide als Mittler der „großen Mutter Natur“ (bzw. als „Mittler Gottes“ – Gott verstanden als Urquelle der lebensbejahenden Kräfte) für das eigene Dasein ach­ten. >>>

 

>> Dem Vater einen Abschiedsbrief schreiben, in dem man das evtl. erhaltene Positive von ihm annimmt und das ne­gativ Erfahrene zur Sprache bringt. >>>

(für einen solchen Abschiedsbrief und einen Abschieds­ritus ist oft auch therapeutische Hilfe notwendig!)

 

>> Auch einen Abschiedsbrief an die Mutter schreiben, in dem man das erhaltene Positive von ihr annimmt, aber sich sowohl aus der bedürftigen Kinder-Rolle wie auch aus der solidarischen Helfer-Rolle verabschiedet. >>>

 

>> Evtl. Lebensläufe der Eltern schreiben, um deren Le­bens­schicksal und deren Verhaltensweisen besser ver­stehen zu können.

6.


Wenn die Eltern den Partner der Tochter (die Partnerin des Sohnes) ablehnen.

Einem Mann wurde von seiner Mutter gesagt, dass seine Freundin (die er später heiratete) keine Frau fürs Leben sei.

Einer Frau wurde vom Vater gesagt, dass sie den falschen Mann geheiratet habe.

Einem Mann, der als Kind seinen Vater verloren hatte, wurde von seinem älteren Bruder gesagt, dass er die falsche Frau geheiratet habe.

Solche Aussagen können manchmal wie ein Fluch wirken.

Sie können später, wenn es Konflikte in der Partnerschaft gibt, sich mächtig in den Vordergrund schieben und die Sichtweise der Part­nerschaft so bestimmen, dass man überzeugt ist, dass sie stim­men, dass man also dann selbst glaubt, den „falschen“ Partner ge­heiratet zu haben und deshalb nur noch das Negative an ihm wahr­nimmt.

 

>> Durch Stammbaumarbeit und durch das Schreiben von Lebensläufen der Eltern deren Wertesysteme und Ängste besser verstehen und respektieren.

Dem gegenüber das eigene Wertesystem und die eigene Lebenssinnorientierung aufschreiben und mit dem der El­tern vergleichen und die Unterschiede wahrnehmen und achten. >>>

>> Die negativen Aussagen der Eltern evtl. als Ausdruck eines überholten Wertesystems aus ihrer Vergangenheit bzw. als Ausdruck ungelöster Probleme in ihrer Herkunfts­familie erkennen und es bei ihnen lassen.

>> Trotz der Wahrnehmung und Achtung der Unterschiede die Eltern achten als Mittler für das eigene Dasein und das Leben von ihnen annehmen! >>>

>> Mit dem Partner über das Schicksal der Eltern und über deren Wertesysteme sprechen ohne die Eltern abzuwerten und ohne an den Eltern Rache zu nehmen.

7.


Wenn die eigene Partnerwahl durch die Eltern bestimmt worden ist
und man Unzufriedenheitsgefühle eines Elternteil aus deren Ehe übernommen hat.

 

Jahrhunderte lang wurden in vielen Kulturen die erwachsenen Kin­der durch die Eltern verheiratet. Diese Ehen waren keineswegs immer unglücklich.

Schmerzhaft wurde bzw. wird es aber, wenn man die Unzufrie­den­heitsgefühle eines Elternteils in der Ehe auch noch übernommen hat. Dies blockiert langfristig die Gefühle zum eigenen Partner (vgl. Punkte 3. u. 4.).

Oft kennen die Kinder die Ursache der Unzufriedenheit ihrer Eltern nicht, sondern spüren nur deren Gefühle, auch wenn über diese vielleicht nie gesprochen wurde.

Solche übernommenen Gefühle wirken oft mächtiger als Gefühle, die man durch eigene Erfahrungen ausgelöst erlebt und deshalb auch besser versteht und leichter akzeptieren kann.

Oft finden Mann und Frau seelisch zusammen – auch wenn keine große Verliebtheit am Beginn ihrer Partnerschaft stand. Aber wenn Belastungen aus vorangegangenen Generationen unbewusst in die Gegenwart herein wirken, gibt man dem Fehlen einer Verliebtheit die Schuld an einer negativen Gefühlslage in der gegenwärtigen Partnerschaft.

 

 

>> Lebensläufe von Vater und Mutter schreiben, um starke Mitgefühle mit deren seelischen Belastungen, Sehn­süch­ten und Unzu­friedenheiten aufbringen zu können.

 

>> Innerlich der Mutter bzw.dem Vater sagen:

- „Mama (Papa), ich fühle mit dir – besonders mit …“

- „Mama (Papa), ich achte dein Schicksal und deine Gefühle. >>>

 

 

>> Besonders wichtig in solchen Ehen ist die Wachheit für seelische Wachstumsprozesse, die z.B. durch Partner­schaftskurse, Kommunikationskurse, Autogenes Training, Stamm­baumarbeit und gemeinsame kreative Tätigkeiten gefördert werden können.

 

8.


Wenn man der leidenden Mutter (unbewusst) zeigen will, wie Trennung funktioniert.

 

Ein Mädchen hatte in ihrer Kindheit und Jugendzeit schmerzhaft die Konflikte und Ungerechtigkeiten in der Ehe der Eltern erlebt. Ihre Mutter hatte viele Jahre in der Ehe gelitten und wollte ihren Mann eigentlich verlassen, hatte es aber nicht geschafft, eine Ent­scheidung zu treffen, obwohl die Tochter ihr für eine Trennung Jahre lang Rückendeckung gegeben hatte.

Später hat die Tochter diese Tendenz zur Trennung, in der sie ihre ganze Jugendzeit mit der Mutter solidarisch war, in ihrer eigenen Ehe wegen relativer unbedeutender Gründe vollzogen – vielleicht unbewusst, um der Mutter dafür ein Vorbild zu sein und ihr zu zeigen, wie Trennung funktioniert.

 

 

>> Die Entscheidung der Mutter, den Vater zu heiraten, respektieren und ebenso ihre Entscheidung, bei ihrem Mann zu bleiben und die Ehe mit ihm zu ertragen.

>> Das eigene Leben von Mutter und Vater in gleicher Weise bewusst annehmen und sich gegenüber beiden Elternteilen als empfangendes Kind betrachten. >>>

>> Durch Stammbaum-Arbeit Kindheit und Lebens­schick­sal von Vater und Mutter wahrnehmen, um ihre Verhal­tens­weisen besser zu verstehen und ihre Entscheidungen leichter achten zu können. >>>

 

 

Die obigen Beispiele von Töchtern gelten analog natürlich auch für Söhne.
Die Beispiele von Vätern und Müttern gelten analog auch für das jeweilige andere Elternteil.
Die Beispiele von Vater und Mutter gibt es analog auch für Großeltern und andere Verwandte, wenn diese in der Rolle von Bezugspersonen für diese Menschen in ihrer Kindheit waren.

 

Manche Kinder aus solchen Ehen bleiben deshalb Singles, weil sie die Unzufriedenheit eines Elternteils übernommen haben und dadurch das Eingehen einer festen Beziehung bereits im Vorfeld blockiert ist.

 

Diese Beispiele als mögliche Ursachen für lösbare Partnerprobleme erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit!
Außerdem können die hier aufgezeigten Schicksalsmuster auch andere Wirkungen haben als die hier beschriebenen; denn die unbewussten Reaktionsmuster der menschlichen Psyche sind sehr kreativ und deshalb unterschiedlich!!

 

Zusammenstellung von Manfred Hanglberger – Seelsorger und Familientherapeut
(www.hanglberger-manfred.de)

 

Weitere Analysen und Hilfestellungen für Partnerprobleme in den Büchern von Manfred Hanglberger:

 

>> „Wenn Liebe Leiden schafft“

>> „Die Geburt des ICH – Wie die Seele zur Welt kommt“

>> „Tränen, die heilen – Neue Wege der Trauerarbeit!
>> „Der sinnvolle Umgang mit Schuldgefühlen“ (Buch-Info)

 

Weitere Themen und Hilfen in dieser Homepage:

 

>> Wichtige therapeutische Übungen

>> „Die Eltern loslassen“
>> Schuldzuweisungen gegen Eltern??
(Konflikte zwischen Erwachsenen und ihren Eltern)
>> Geschwister-Streit

>> Familientherapeutische Eigenverantwortung
>> Bedeutung christlicher Spiritualität für die Partnerschaft


>> Familienpastoral  (Verzeichnis)

>>> Die Seele des Kindes

>>> Existenz-Meditation

>>> Gebet für Kinder von getrennten Eltern

 

 

 

Für Fragen und Anregungen: Mail: hanglberger.m@t-online.de

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