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Schöpfungsspiritualität und Naturmystik

(Aus „Laudato si“, Kap 233-234)

 

Das Universum entfaltet sich in Gott, der es ganz und gar erfüllt.

So liegt also Mystik in einem Blütenblatt, in einem Weg, im morgendlichen Tau, im Gesicht des Armen.

Das Ideal ist nicht nur, vom Äußeren zum Inneren überzugehen, um das Handeln Gottes in der Seele zu entdecken, sondern auch, dahin zu gelangen, ihm in allen Dingen zu begegnen, wie der heilige Bonaventura lehrte:

 

„Die Kontemplation ist umso vollkommener, je mehr der Mensch die Wirkung der göttlichen Gnade in sich verspürt, oder auch je besser er versteht,
Gott in den äußeren Geschöpfen zu begegnen.

 

Der heilige Johannes vom Kreuz lehrte, dass alles Gute, das es in den Dingen und Erfahrungen der Welt gibt, „auf unendlich vorzügliche Weise in Gott ist, oder, besser gesagt, jedes dieser großen Dinge, die genannt werden, ist Gott“.
Nicht, weil die begrenzten Dinge der Welt wirklich göttlich wären, sondern weil der Mystiker die innige Verbindung erfährt, die zwischen Gott und allen Wesen besteht, und so empfindet:

Alle Dinge – das ist Gott.

 

Wenn er die Größe eines Berges bestaunt, kann er ihn nicht von Gott trennen und nimmt wahr, dass dieses innere Staunen, das er erlebt, auf den Herrn bezogen werden muss.

„Die Gebirge haben Höhenzüge,

sind reichhaltig, weit, schön, reizvoll, blumenübersät und dufterfüllt.

Diese Gebirge das ist mein Geliebter für mich.

Die abgelegenen Täler sind ruhig, lieblich, kühl, schattig, voll süßer Gewässer;

mit der Vielfalt ihres Baumbewuchses und dem zarten Gesang der Vögel

verschaffen sie dem Reich der Sinne tiefe Erholung und Wonne

und bieten in ihrer Einsamkeit und Stille Erfrischung und Ruhe.

Diese Täler das ist mein Geliebter für mich.

 

>>> Laudato si