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Ist der Mensch barmherziger als Gott?

 

Viele unserer Gebete, in denen wir Gottes Erbarmen erflehen (Z.B. im Schuld­bekenntnis im Gottesdienst, im „Herr, erbarme dich“, bei Beerdigungen, …) erscheinen problematisch. Es handelt sich um jene Gebete, in denen wir vor Gott füreinander eintreten und die Heiligen anrufen, um Gottes Erbarmen zu erbitten. Das klingt so, als wären wir Menschen füreinander solidarischer, verständnisvoller und mitfühlender als Gott für uns.

Im Schuldbekenntnis der Kirche, flehen wir die „selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen“ und unsere „Schwestern und Brüder“ an, bei Gott zu bitten, dass er uns unsere Sünden erlasse. Müssen wir alle möglichen „guten Beziehungen“ spielen lassen, um Gott zu bestürmen, um sein Herz zu erweichen?

 

Auf das Gleichnis Jesu vom „Barmherzigen Vater“ übertragen, würde das heißen, dass der „verlorene Sohn“ heimkommt, der Vater sich aber nicht blicken lässt. Die Mutter läuft ihm über den Weg und dann auch noch sein Bruder und Knechte und Mägde. Und alle bittet er, zum Vater hineinzugehen und für ihn ein gutes Wort einzulegen, damit dieser sich seiner erbarme. So lautet das Gleichnis aber nicht!

 

Jesus macht in diesem Gleichnis deutlich: Das „Problem“ ist nicht Gott, sondern sind die Menschen untereinander. Denn Gott im Bild des „Barmherzigen Vaters“ wartet geduldig auf den „verlorenen Sohn“, er hält Ausschau nach ihm und eilt ihm mit offenen Armen entgegen, sobald er ihn kommen sieht.

Aber dann hat er noch ein Problem: Wie kann er seinen älteren Sohn bewegen, seinen Bruder wieder zu akzeptieren, ihm wieder die Hand zu reichen? Dieser nämlich hat eine tiefe Verachtung und eine innere Verweigerung seinem jüngeren Bruder gegenüber entwickelt. Jesus macht damit deutlich: Das Problem liegt zwischen den Menschen, sie schaffen es oft nicht, einander zu verzeihen, einander barmherzig und verständnisvoll zu begegnen. Zwischen den Menschen gibt es die seelischen Verhärtungen, die Verbitterungen, die Verschlossenheit des Herzens. Es ist Gottes Anliegen, die Menschen untereinander zur Versöhnung zu bewegen. Er ist nicht der ausgrenzende, nicht der strafende Gott, sondern er ist die Quelle des Erbarmens und des Friedens.

 

Aber durch die Art unseres Betens stellen wir Menschen uns als die Barmherzigeren dar, barmherziger als Gott.

Auch bei Beerdigungen ist zu bedenken, ob es angemessen ist, Gottes Erbarmen für den Verstorbenen zu erflehen. Sollten wir nicht vielmehr Gottes Hilfe erbitten, dass es uns gelingt, den Verstorbenen in rechter Weise zu verabschieden und ihm zu verzeihen und dass wir vom Verstorbenen Verzeihung erlangen, dass eine Versöhnung zwischen Lebenden und Verstorbenen über die Schwelle des Todes hinweg möglich wird?

Wenn wir aber das Problem auf Gott verschieben, dann besteht die Gefahr, die tatsächlichen seelischen Probleme zwischen den Menschen zu übersehen und zu verdrängen, statt sie zu lösen.

Auf diese Weise lenken wir Christen von den wirklichen Problemen ab: von den zwischenmenschlichen Konflikten; statt dessen mühen wir uns um ein Problem, das gar nicht existiert: Das Erbarmen Gottes zu erlangen. Denn die Quelle der Barmherzigkeit, muss man nicht ständig um Erbarmen anflehen. Deshalb klingt der zweite Teil des offiziellen Schuldbekenntnisses für mich wie eine Gotteslästerung: Gott muss erst zur Barmherzigkeit bewegt werden!??

Vielmehr gilt es, die oft sehr komplexen zwischenmenschlichen Konflikte zu analy­sieren und – mit Gottes Hilfe – die Wege der Versöhnung und des Friedens zu suchen und zu gehen.

 

Eine entsprechende Reform unserer Gebete – vor allem in der Hl. Messe – ist dringend notwendig!

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)
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>>> Die Gründe, warum die Kirche Gott oft um Erbarmen anfleht

>>> Unheilige Gebete in der Hl. Messe?

>>> „Wandlung“ von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu?

>>> Verzeichnis „Eucharistie“

>>> „Subsidiarität“ von Gott her bedenken für eine Neugestaltung unserer christl. Gebete

>>> Alternative Vergebungsgebete für liturgische und persönliche Zwecke

>>> Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit

>>> Verzeichnis „Schuld, Versöhnung und Beichte“

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