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50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil
Thema: Umgang mit der Bibel:
Positive und negative Auswirkungen – Vorschläge für Wege aus der Krise

 

Die Bibel bekommt durch das Konzil einen neuen Stellenwert in der Kirche

>>> Bedeutung der Bibel als Grundlage des christlichen Glaubens wird betont

>>> Starke Anregungen für das Lesen und Studieren der Bibel durch die Gläubigen

>>> Erlaubnis für die wissenschaftliche Theologie zur modernen historisch-kritischen Erforschung der Bibel

>>> Der gottesdienstliche „Tisch des Wortes“ wurde reich gedeckt:
    
Ein weitaus größeren Teil der Bibel-Texte wird in den Gottesdiensten vorgelesen als früher.

>>> Entstehung vieler Bibelgesprächskreise und Bibelkurs-Angebote

>>> Die wissenschaftliche Bibelforschung macht große Fortschritte

 

>>> Die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Entstehung der Bibel-Texte verursachten
aber eine große Verunsicherung bei manchen Gläubigen, da zu wenig der tiefere Sinngehalt der Texte verkündet wird bzw. von den Gläubigen nicht aufgenommen wird, weil vielen das symbolische Denken noch nicht vertraut ist.
>> Schulung für symbolisches Denken von Kindheit an wichtig – als eine Grundlage religiösen Denkens!

 

>>> Treue Gläubige hielten früher einfach alles „im Glaubensgehorsam“ für wahr, auch wenn sie es nicht verstanden oder sogar als Widerspruch zu ihrem Denken empfanden und deshalb manchmal Glaubenszweifel hatten, - aber aus Überzeugung, dass die Kirche Besitzerin und Verkünderin der Wahrheit Gottes sei, haben sie es geglaubt - .
Nun aber sind sie zutiefst verunsichert und manche auch ärgerlich gegen die Kirche,
- die einen, weil sie sich von der Kirche kindlich-naiv behandelt fühlen
(Zitat: „für dumm verkauft wurden“),
- die anderen, weil sie der bisherigen Sicherheit im Glauben beraubt wurden.

Zitat:„Jetzt wird plötzlich auch in der Katholischen Kirche alles infrage gestellt – woran soll man sich dann noch halten können?“

>> Gefahr der Abwanderung von verunsicherten Gläubigen zu fundamentalistischen Gruppen

 

Trotz der grundsätzlichen Anerkennung der historisch-kritischen Bibelwissenschaft verliert Uta Ranke-Heinemann ihren Professoren-Lehrstuhl, weil sie die jungfräuliche Geburt Jesu nicht biologisch, sondern symbolisch interpretiert.
Begründung der Kirchenleitung (Kard. Ratzinger): Er müsse den Glauben der einfachen Leute schützen.

Auch die Symbolfigur der tiefenpsychologischen Bibeldeutung, Eugen Drewermann, verliert seinen Lehrstuhl und wird vom Priesteramt suspendiert.

 

>>> Viele Gläubige beginnen selbständig in der Bibel zu lesen und sind enttäuscht und verunsichert,
weil „das Wort des lebendigen Gottes“ – wie es in jedem Gottesdienst heißt – ihnen z.T. völlig veraltete Gottesbilder und Moralvorstellungen präsentiert.

>>> Andere erkennen in den zeitlos gültigen Aussagen der Bibel viele drastische Widersprüche zwischen den dortigen „Wahrheiten“ und der Ordnung und Praxis der Kirche in der Vergangenheit, z.T. aber auch noch in der Gegenwart. Die Kirchen-kritische Haltung wird deshalb bei vielen noch ausgeprägter.

 

>>> Ein anderes Problem stellen die Kinderbibeln dar, die in vielen Einkaufscentern angebotenen werden. Billig und reich bebildert finden sie großen Absatz. Aber die biblischen Schöpfungsberichte, die mythologischen Erzählungen von der Sintflut-Erzählung bis zum „Turmbau von Babel“ und die vielen Wunderberichte im Alten wie im Neuen Testament vermitteln den Kindern ein völlig falsches Bild vom Wirken Gottes. Viele dieser Kinder werden als Heranwachsende, wenn das kritische Denken einsetzt, diese Erzählungen und damit die ganze Bibel und damit auch den christlichen Glauben als Kinder­märchen ablehnen. So haben diese Kinderbibeln bei vielen langfristig eine glaubenszerstörende Wirkung. Ähnlich ist es mit vielen Bibel-Filmen, die häufig von freikirchlich-fundamentalistischen Gruppen produziert, bzw. in Auftrag gegeben worden sind und ähnlich veraltete Gottesbilder und Glaubens­vorstellungen vermitteln wie die meisten Kinderbibeln.

>> Die Verantwortlichen der Kirche müssten öffentlich kritisch gegen diese Art von Bibelfilmen Stellung nehmen und an einzelnen Beispielen eine Richtigstellung von veralten Glaubensvorstellungen, die in diesen Filmen präsentiert werden, formulieren.

>> Die Eltern warnen vor Kinderbibeln, die nicht die Richtigstellung von missverständlichen und problematischen Texten der Bibel enthalten.

>> Die Kirchenleitungen müssten die Produktion von Medien anregen, in denen biblische Geschichten sowohl kritisch-wissenschaftlich wie auch von ihrem zeitübergreifenden Glaubensinhalt dargestellt werden.

>> Kinderbibeln sollten von Bibelwissenschaftlern zusammen mit Religionspädagogen erstellt werden, in denen besonders bei alttestamentlichen Texten die geschichtlichen Hintergründe und die Entstehungs­geschichte der Texte in kindgemäßer Weise mit aufgezeigt werden. (Siehe ein Versuch: Der Turmbau von Babel“)

 

>>> Andere gläubige Bibelleser finden nun aus der Bibel die Kriterien, die Wegweisung und die Kraft, sich im Alltag ihres Lebens, in der Gesellschaft und in der Kirche für eine Verbesserung aller Ordnungen und Lebensumstände einzusetzen.
(Basisgemeinden und Theologie der Befreiung, Feministische Theologie, Aktionskreise der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, Bibel-Teilen-Gruppen in Südafrika, …)

Die Bibel wird so zum Sprengstoff gegen ungerechte Verhältnisse aller Art in der Welt und öffnet die Wege für eine bessere Welt.

 

>>> Die Reform der Kirche für ein zeitgemäßes Christentum wurde nicht durchgezogen, sondern auf halbem Weg gebremst und zum Teil versucht, sie wieder rückgängig zu machen – mit verheerenden Folgen für das Ansehen der Kirche und für die gesamte Stimmung innerhalb der Kirche.

 

>>> Vorschläge, um die Kirchenreform in Bezug auf die Bibelarbeit langfristig zu verwirklichen:

     >> Ein gläubiges und doch säkular-kritisch-wissenschaftliches Bibelverständnis vermitteln:

>> Vorsicht mit dem liturgischen „Wort des lebendigen Gottes“ (über den Lesungstext klärend predigen oder die missverständlichen Sätze weglassen oder den abschließenden Satz verändern)
Ein engagierter katholischer Vater: „Ich kann mir diese sonntägliche Gotteslästerung nicht mehr anhören. Was da Gott alles unterstellt wird, was er angeblich gesagt, getan oder gewollt hat, ist unerträglich.“

>> Durch die Erkenntnisse der Bibelforschung ist klar, dass auch die Formulierung am Ende der Verlesung des Evangeliums „Evangelium unseres Herrn Jesus Christus“ manchmal falsch und irreführend ist.

>> Die Gläubigen mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entstehung der Bibeltexte vertraut machen, aber die darin enthaltene Frohbotschaft für unsere Zeit lebendig herausarbeiten.

>> Die veralteten und nicht mehr gültigen Glaubensaussagen klar benennen und ihre problematische Wirkung beschreiben – nicht für eine positive Bewertung hinbiegen durch eine geistige Vergewaltigung des Textes.

>> Zum symbolischen Denken und Wahrnehmen erziehen (in Schule, Katechese, Erwachsenen­bildung, Predigt, Medien, …)

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

Siehe auch: „Gottestherapie“ von Lorenz Zellner

 

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