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50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil:

Ursachen der Stagnation

 

1.    Keine klare Verabschiedung bisheriger Angst machender und entmündigender Glaubensmodelle.
Situationsanalyse und Schuldbekenntnis dafür war nicht klar genug.
>> Anerzogene Angstmotivation für den Glauben und für Moral lässt sich nicht so leicht ändern auf Liebes- und Vertrauensmotivation.
>> Anerzogenes Gehorsamsdenken lässt sich nicht so leicht ändern in Mündigkeit und Verantwortung - und in die dafür notwendige Sensibilität, Kreativität und Auseinandersetzungsfähigkeit.
>> Anerzogene Jenseitsorientierung verbunden mit der Abwertung des Irdischen, Weltlichen und Körperlichen lässt sich nicht so schnell ändern in Weltzuwendung und Weltverantwortung
>> Anerzogene Feindbilder und kirchliches Selbstgerechtigkeitsdenken lassen sich nicht so schnell ändern in Dialogfähigkeit und Achtung vor denen, die man bisher verachtet oder gefürchtet hat.
(Dialogunfähigkeit eines großen Teils der Kirchenführung wird zum Hauptproblem in den folgenden Jahrzehnten!)

2.    In alter Theologie ausgebildeter Klerus hat die theologische Wende zum Teil nicht mitvollzogen.
- Ein schwieriger spiritueller und emotionaler Lernprozess!
   - nicht nur eine Frage der Information und der Theorie
- Man versuchte eine administrative Verordnung der Wende
   - aber es bräuchte das Wagnis von seelischen Lern- und Reifungsprozessen!

3.    Das Konzil war Grundlegung - viele Aufgaben wurden nicht wirklich angepackt.
Notwendige Änderungen erschienen radikaler und schwieriger als erwartet.
Probleme waren zum Teil Jahrhunderte lang aufgeschoben.

Z.B. Naturwissenschaft und Glaube, Psychologie und Glaube:
>> Keine zeitgemäßen Enzykliken zu diesen Themen:
>> kein zeitgemäßes Verständnis vom Wirken Gottes in der Welt:
>> keine zeitgemäße Gebetssprache

4.    Liturgische Texte stammen zum großen Teil aus dem Mittelalter
- Z.B. die Orationen in der Heiligen Messe
- die volkssprachliche Übersetzung macht die Lebensferne und die theologische und spirituelle Einseitigkeit und Verkümmerung der Texte sichtbar
> ohne Schöpfungstheologie und Geschichtstheologie
> verkümmerte Inkarnationstheologie
> Folge: Volksspiritualität weiterhin mit Weltabwertungstendenz

 

5.    Der beschlossene Dialog wurde von der Kirchenleitung innerkirchlich nicht praktiziert:
Alte Entmündigungsstrukturen blieben zum großen Teil erhalten:
Moralverkündigung, Humanae vitae, Frauenfrage, Zölibat, kirchliche Entscheidungsstrukturen, Bischofsernennungen:
Zu geringer Glaube der Kirchenleitung an das Wirken des Hl. Geistes in den einfachen Gläubigen!

 

6.    Erschrecken über negative Auswirkungen
Der Weg zur Freiheit und Verantwortung führt durch die „Wüste“, durch das Chaos!
Vgl. Der Weg der Israeliten aus der Unmündigkeit in der Knechtschaft in Ägypten in die Freiheit und Eigenständigkeit ist ein sehr langer geistig-seelischer Lernprozess durch schlimme Konflikte und Verluste hindurch! Auf diesem schwierigen Weg wird plötzlich die Sehnsucht mächtig, zurückzukehren zu den „Fleischtöpfen Ägyptens“ also zurück zur früheren „versorgten Unmündigkeit“!

>> Vielleicht führt der Wandel einer Kirche, die vornehmlich von Geboten, Verboten und Gehorsamsstrukturen geprägt war, zu einer Kirche von mündigen Christen bei nicht wenigen zu Ängsten und Belastungen, die die Sehnsucht nach einer Kirche mit klaren Vorgaben, die man gehorsam akzeptiert, weckt: – ohne Diskussionen, ohne Auseinandersetzungen, ohne mühsame Suchbewegungen in Gremien und in persönlichen Gewissensfragen.

„Mündigkeit“ erwies sich bei nicht wenigen Christen, die Jahrzehnte lang vom geistig bequemeren Weg des Gehorsamsdenkens geprägt waren, als verwirrend, als konfliktreich, als mühsam, als Verlust von Klarheit, Sicherheit, Glaubensgewissheit und Friedlichkeit innerhalb der Kirche.

Und beim Thema „Glaubensgewissheit“ ging es ja um nichts weniger als das „Ewige Heil“!

Deshalb dann der große Zulauf für die Gegner des Konzils!

>> Das Ende der kirchlichen strengen Autoritätsausübung, die für nicht wenige Gläubige viel mit Angst zu tun hatte, führte bei einem Teil der Gläubigen zu liberalistischer Lässigkeit:
>>> Endlich: Alles nicht mehr so streng, alles nicht mehr so schlimm, alles nicht mehr so wichtig??
>>> Freiheit ja – Verantwortung nein?


Das waren wohl wesentliche Gründe, warum die Kirchenleitung aus Angst vor den Konflikten und um die „braven“, gehorsamen Gläubigen nicht zu verunsichern und zu enttäuschen, an den alten Vorstellungen und Praktiken einer autoritären Kirche festzuhalten versuchte und die Konzilsbeschlüsse nicht konsequent umsetzte. (Die Kirchenleitung wollte den „Glauben der einfachen Leute“ schützen!)

7.    Gefahr neuer Kirchenspaltung (Lefevfre-Bewegung >>> Pius-Brüder)
>> Negative Entwicklungen in der Kirche und die Einbindungsversuche der Pius-Brüder verursachen
Distanzierungstendenzen der Kirchenleitung gegenüber der Umsetzung der Konzilsbeschlüsse

 

Manfred Hanglberger

 

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Die „Revolution“ des Konzils: Ein Vergleich mit den Aussagen der Päpste von 1830 bis 1930

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