HOME

Warum es so schwierig ist, in der Kirche Reformen durchzuführen

 

Eine Reform in der Kirche ist vor allem deshalb so schwierig, weil es sich bei einer Religion um eine Werte-Institution handelt und Werte für viele Menschen eine unverrückbare und unwandelbare Größe sind.

Denn Werte haben mit dem Sinn des Lebens zu tun und in der Religion auch mit der Beziehung zu Gott, der als Halt gebende Lebensquelle und als Garant für ein ewiges Heil verstanden wird.

 

Ein Wandel von Werten droht diese „Werte“ beliebig zu machen und damit aufzulösen und so dem Menschen den seelischen Halt, seine Daseinsberechtigung vor Gott und sein ewiges Heil zu rauben.

 

Zudem wird eine Reform dadurch erschwert, weil die Moral- und Glaubensordnungen der Kirche viele Jahrhunderte bei Nicht-Beachtung mit Vorwürfen wie „schwerer Sündhaftigkeit“ und „Glaubensabfall“ belegt wurden. Diese hatten kirchliche Strafen und die Ankündigung göttlicher Strafen zur Folge bis hin zur Exkommunikation und dem Verlust der ewigen Seligkeit, die in Form einer ewigen Höllenqual dargestellt wurde.

Mit Angstmacherei und Einschüchterung haben die Kirchenführer Jahrhunderte lang die Gläubigen zu einer „von oben“ vorgeschriebenen Moral und Gläubigkeit gezwungen.

Z.B. das Verbot von Empfängnisverhütung und das Zeugen von möglichst vielen Kindern als Wille Gottes und als schwere Sünde, wenn man dies nicht befolgt.

 

Entmündigung: Verbot eigenständigen Denkens!

Es ist sehr schwer, Menschen, denen man das eigene Denken und Fühlen verboten und dadurch abgewöhnt hat, wieder zum eigenen Denken, zur eigenen Wahrnehmung, zur eigenen Urteilskraft zu führen:

Es gab Jahrhunderte lang das Verbot, neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu akzeptieren und es gab die Bekämpfung jener Wissenschaftler, die neue Theorien bzw. Erkenntnisse präsentierten:

Jordano Bruno, Galileo Galilei, Charles Darwin, Teilhard de Chardin, …

1908: Verbot, die Evolution zu akzeptieren, 1910 Antimodernisten-Eid,

Christen- so hieß es - glauben „an die Erschaffung des Menschen durch Gott, nicht an die Abstammung von den Affen.“

Was man zuerst bekämpfte, unterdrückte, lächerlich machte und mit enormen Sanktionen durchsetzte, kann man schwerlich plötzlich akzeptieren, ohne sich selbst lächerlich zu machen und man wird bei den Gläubigen, die sich den Forderungen der Kirche unterworfen hatten, Entrüstung und Verwirrung auszulösen, sollte man diesbezüglich einen Kurswechsel vollziehen.

 

Die treuen Gläubigen will man nicht enttäuschen (die gehorsamen, die Entmündigung akzeptierten)

Je größer die geistig-seelische Unterdrückung und Einschüchterung, je stärker die Entmündigung und die Denkverbote waren, umso schwerer ist es später, diese Positionen zu ändern und die Kirchenordnungen zu reformieren – z.B. den Umgang mit den Geschiedenen-Wiederverheirateten.

„Die Geister, die man rief, ….“

Die treuesten und opferbereitesten Gläubigen werden sich sonst gegen die Kirchenleitung wenden und sich entrüstet von ihr abwenden: Diese Menschen will man nicht enttäuschen.

Kardinal Ratzinger behauptete in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts, den Glauben der „einfachen Menschen“ schützen zu müssen - gegen die Intellektuellen!

Aber sind die als „einfache Menschen“ bezeichneten nicht jene, die die Bevormundung und die totale Reglementierung ihres Lebens durch die Kirchenleitung akzeptiert und verinnerlicht haben, die brav, demütig und gehorsam alles geglaubt und befolgt haben, was die Kirchenleitung vorgab, weil sie überzeugt waren, dass dies alles der Wille Gottes sei?

Gerade diese Menschen würde man mit Kirchenreformen in tiefe Glaubenszweifel stürzen und diese werden sich dann dorthin wenden, wo die alten Prinzipien und Ordnungen noch gelten – zu den Gemeinschaften der Ultrakonservativen.

Dies wollte Ratzinger als Kardinal und oberster Glaubenshüter der Kath. Kirche und später als Papst verhindern.

Deshalb wohl – so meine Überzeugung - sah er sich nicht in der Lage, die Impulse des Zweiten Vatikanischen Konzils innerhalb der Kirche konsequent zu verwirklichen und weiterzuführen.


Mein Lösungsvorschlag:

Man müsste das Thema „religiöse Unmündigkeit“ und die Wege zur Mündigkeit zu zentralen Anliegen der Verkündigung machen und auch in entsprechenden Bußgottesdiensten die früheren (und aktuellen) Fehler der Kirchenleitung diesbezüglich vor Gott bringen und Wege der Umkehr aufzeigen und gehen.

 

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

 

HOME

Siehe auch: => Kirchentrauertag