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Taufe – heilsnotwendig?

Eine Überlegung aus pastoral-psychologischer Sicht

Link zum Teilen: http://hanglberger-manfred.de/taufe-heilsnotwendig.htm

Wesentliche Sinngehalte der Kleinkinder-Taufe:

 

Durch den Tauf-Ritus

-  nehmen die Eltern das Kind als „Kind Gottes“ wahr und feiern es als „Kind Gottes“;

-  sie sagen Ja zur Geburt dieses Kindes und zur konkreten Originalität dieses Kind;

-  sie nehmen dieses Kind von Gott an als Geschenk und als große, „göttliche“ Aufgabe (als Eltern sind sie Stellvertreter und Mittler Gottes für ihr Kind);

-  sie bedenken, was es für sie als Eltern bedeutet, für ein „Kind Gottes“ zu sorgen.

 

Das Kind als „Kind Gottes“ wahrnehmen heißt für die Eltern:

-  sie anerkennen die „göttliche Würde“ und absolute Werthaftigkeit ihres Kindes,

-  sie nehmen das Kind als einzigartiges, neues Wesen wahr und anerkennen es in seiner Originalität,

-  sie betrachten ihr Kind nicht als ihren „Besitz“ oder als ein Mittel,
mit dem sie für sich persönliche Ziele erreichen wollen oder sich Ehre und Anerkennung von außen erhoffen,

-  sie sehen das Kind als von Gott ihnen anvertraut, um es zu erziehen,
damit es zu gesunder Selbstliebe, Nächstenliebe, Weltliebe und Gottesliebe fähig wird.

-  Eltern, die ihr Kind als „Kind Gottes“ sehen, wissen, dass sie das Kind zu keinem Lebenssinn verpflichten dürfen, sondern dem Kind helfen wollen, durch eigenständige Selbst-Wahrnehmung, Welt-Wahrnehmung und Werte-Wahrnehmung die eigenen Sinngehalte seines Lebens zu entdecken und zu verwirklichen.

-  Sie betrachten ihre elterliche Aufgabe als eine „göttliche Aufgabe“ – von Gott ihnen anvertraut, eine Aufgabe, die eine absolute Werthaftigkeit (die Würde des Kindes) wahrnimmt und sie hegt und pflegt, eine Aufgabe, die gegenüber den sonstigen alltäglichen Aufgaben des Lebens auf einer anderen Werte-Ebene liegt und nicht wie diese planbar und handhabbar ist, sondern eine ständige seelisch-geistige und auch spirituelle Wachheit erfordert.

 

Diese Sinngehalte der Taufe sind für ein Kind (und für die Eltern) „heilsnotwendig“!

 

Es braucht die Wahrnehmung und Anerkennung der absoluten Werthaftigkeit des Kindes und die dafür angemessene Umgangsweise mit dem Kind. durch die Eltern!

Es braucht diese notwendigen Voraussetzungen für das Wohl des Kindes, für die Wert-Erfahrung seines eigenen Lebens, für seine Lebenssinn-Erfahrung und die Entdeckung seiner Verantwortung für sich und für das Wohl des Netzwerkes, durch das sein Leben mit anderen Menschen und mit der Welt verbunden ist!

 

Die Katholische Kirche betrachtet ihre Sakramente als „Werkzeuge“ (Mittel) und als „Symbole“ (Zeichen, Vergegenwärtigung und Feier) des Heils:

Z.B. die Taufe als Vergegenwärtigung und Feier der Würde des Kindes und als Wegweisung und Kraftquelle für die Verwirklichung dieser Würde.

 

 

Wegen der Heilsnotwendigkeit der Sinngehalte der Taufe erklären die christlichen Kirchen die Taufe als „heilsnotwendig“.

 

Andererseits sagt der christliche Glaube: „Der (göttliche) Geist weht, wo er will“:
Das bedeutet: Gott kann Menschen auch außerhalb der Kirche und ohne die kirchlichen Sakramente zum Heil führen.

,Wer … Gott aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluss der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen.“ (II. Vat. Konzil, Lumen Gentium)

 

In der Betrachtung der Kirchengeschichte
ist es unverkennbar, dass die Erklärung der „Heilsnotwendigkeit“ der Taufe als Mittel zur Machtaus­übung, zur spirituellen Angstmacherei und zu problematischer Glaubensverkündigung missbraucht worden ist:

Sie führte

·  zu gewaltsamen Missionsmethoden,

·  zur Verweigerung eines kirchlichen Begräbnisses für ungetaufte Kinder,

·  zur kirchlichen Lehre von einer „Vorhölle“ für diese Kinder und damit zu unermesslichem seelischen Leid für die betroffenen Eltern.

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

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>> Weitere Texte zur Taufe

>> Alte und neue Vorstellungen über den Sinn einer Taufe (Gegenüberstellung)

>> Ritus zum Schutz des Kindes vor den seelischen Belastungen der Eltern

>> Der Sinn der christlichen Taufe (für den Religionsunterricht)

>> Gruppenstunde zum Thema Taufe (Erstkommunion-Katechese)

>> Tauf-Katechese für Eltern und Paten (PPT-Präsentation)

>> Zeitgemäße Glaubensbekenntnisse u.a. Glaubenstexte

>> Gebete (für verschiedene Anlässe)

>> Die Seele des Kindes (In der Sicht der Familientherapie)

>> Kinder brauchen (die Wahrnehmung von) Grenzen

>> Die Geburt des ICH (Buch-Info)

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