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Lebenslauf von Papst Johannes Paul II. (Karol Wojtyła)
und dessen Ablehnung der Priesterweihe für Frauen

 

10. Febr.1906

Karol Wojtyła (senior) Unteroffizier und gelernter Schneider (*18. Juli 1879 in Lipnik) heiratet Emilia Kaczorowska (*26. März 1884 in Bielsko-Biała, Polen)
Die Hochzeit fand in Krakau statt, in der damaligen Garnisonskirche St. Peter und Paul

27.08.1906

Geburt des ersten Kindes: Edmund Wojtyła

07.07.1916

Geburt der Tochter Olga Maria Wojtyła, die am selben Tag stirbt

18.05.1920

Geburt von Karol Wojtyła, des späteren Papstes Joh. Paul II.

13.04.1929

Die Mutter stirbt im Alter von 45 Jahren. Der jüngste Sohn ist knapp 9 Jahre alt

04.12.1932

Edmund, der älteste Sohn, der Arzt geworden war, stirbt mit 26 Jahren an Scharlach.
Sein Bruder Karol ist 12 Jahre alt und ist nun allein mit seinem Vater.

1938

Der Vater Karol Wojtyła zieht mit seinem 18-jährigen einzigen Sohn von Wadowice nach Krakau: Beginn des Studiums des Sohnes der Philosophie und der Polnischen Literatur an der Jagiellonen Universität in Krakau.

 

Mitglied in der Experimentaltheatergruppe „Studio 39“ um Tadeusz Kudliński

1940

Neben diversen Gedichten schreibt der Student Karol Wojtyła unter dem Pseudonym Andrzej Jawien das dreiteilige Drama Jeremiasz (Jeremia) und das Mysterienspiel „Im Laden des Goldschmieds“

18. Febr. 1941

Der Vater Karol Wojtyła stirbt (61 Jahre alt).
Sein Sohn Karol ist knapp 21 Jahre alt und hat nun alle Familienangehörigen verloren.

Frühjahr 1942
bis Aug 1944

Arbeit in einem Steinbruch sowie in einer Chemiefabrik;
so konnte er eine Deportation zur Zwangsarbeit nach Deutschland verhindern.

Okt. 1942

Eintritt ins geheime Priesterseminar der Erzdiözese Krakau.

Aug. 1944
bis Mai 1945

Zuflucht in der Residenz des Krakauer Erzbischofs Adam Stefan Sapieha.
Die Kirche wird wohl für Karol Wojtyła zur Ersatzfamilie und zum Schutz vor den deutschen Nationalsozialisten und später vor den regierenden Kommunisten.

1. Nov. 1946

Priesterweihe von Wojtyła im Geheimen durch Erzbischof Adam Stefan Sapieha

1946 - 1948

Promotionsstudium in Rom. Promotion Ende 1948

1949 -1953

Kaplan in Niegowić bei Gdów und später in der Krakauer Studentenkirche St. Florian

1953

Habilitation über Max Scheler

Ab 1953

Professor für Moraltheologie in Krakau und ab 1954 Professor für Philosophie und Sozialethik an der Katholischen Universität von Lublin.

28. Sept. 1958

Bischofsweihe durch Erzbischof Eugeniusz Baziak

1962 - 1965

Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil

13. Jan. 1964

Wojtyła folgt Eugeniusz Baziak im Amt des Erzbischofs von Krakau nach.

16. Okt. 1978

Karol Wojtyła wird Papst Johannes Paul II.

22. Mai 1994

Ordinatio sacerdotalis: Ablehnung der Priesterweihe für Frauen

2. April 2005

Papst Johannes Paul II. (Karol Wojtyła) stirbt (knapp 85 Jahre alt)

 

Zusammenstellung durch Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

 

Zum Stammbaum von Johannes Paul II. >>>

 

Bei der Ausgrenzung der Frauen vom Priesteramt durch Papst Johannes Paul II. (1994) spielte vermutlich seine persönliche Lebensgeschichte eine wichtige Rolle:

 

Er hat im Alter von neun Jahren seine Mutter verloren.

In der Familientherapie ist bekannt, dass ein Junge, der im Kindesalter seine Mutter verliert, nicht nur seelischen Schmerz, Trauer und Sehnsucht nach der Mutter empfindet, sondern unbewusst oft auch eine tiefe Frauen-Verachtung entwickeln kann. Denn sein Unbewusstes registriert in subjektiver Wahrnehmung, dass die Mutter, die für das Kind als Urbild der Frau gilt, ihre Aufgaben nicht erledigt, dass sie nicht für das Kind da ist, sondern es im Stich gelassen hat. Ihr gegenüber entsteht in der Seele des Kindes der Eindruck, dass sie unzuverlässig und verantwortungslos ist, dass ihr gegenüber Misstrauen und Vorsicht geboten sind, - im erwachsenen Mann bleibt dieses Bild von der Frau gespeichert, so dass man ihr deshalb auch nicht wichtige Ämter und Entscheidungsbefug­nisse anvertrauen kann (??).

Es gibt von Papst Johannes Paul II. in seinem „Brief an die alten Menschen“ (1.10.1999) einen Satz, in dem etwas von seiner unbewussten Frauenverachtung zum Ausdruck kommen dürfte. Dort hat er nämlich die positiven gesellschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts erwähnt; aber was die Entwicklung der Rechte der Frauen betrifft, klingt sein Kommentar dazu nicht positiv, sondern verunsichert und ratlos, wenn er schreibt:

Was soll man dazu sagen, dass die Würde der Frau im allgemeinen Bewusstsein mehr und mehr anerkannt wird?“

 

So sind bei Glaubensentscheidungen dieser Art durch Personen der Kirchenleitung die biographischen Hintergründe der eigenen Charakterstruktur nicht bewusst, sondern es werden theologische Gründe erfunden:

Christus habe keine Frauen zu Aposteln berufen und der Kirche keinen Auftrag für die Weihe von Frauen gegeben und der Priester handelt als Gottesdienstleiter bei der Hl. Messe in Repräsentation der Person Christi und weil Jesus ein Mann war, kann ihn nur ein Mann vertreten. Aber hat uns Jesus als Mann erlöst oder als Mensch? Braucht es deshalb einen Mann als Stellvertreter Christi oder einen Menschen??

 

So kann die subjektive persönliche Erfahrung eines Menschen, der später Papst wird, zu einer Entscheidung führen, die die größte Religionsgemeinschaft der Welt in dieser Frage in eine Sackgasse geführt hat.

 

Um solche problematischen Entscheidungen in der Kirche, die von der belasteten Biographie der Personen der Kirchenleitung beeinflusst sind und die die Kirche in eine Sackgasse führen können, zu vermeiden, wären folgende Maßnahmen erforderlich:

1.    Die psychologischen Erkenntnisse über die Auswirkungen von biographischen Belastungen müssten zum Allgemeinwissen in der Kirche werden.
Dazu wäre eine umfassende Glaubenslehre zum Thema „psychische Reifungs- und Heilungsgesetze und ihre Blockaden und der christliche Glaube“ notwendig. Eine solche Glaubenslehre sollte das Niveau der „Katholischen Soziallehre“ haben und wie diese regelmäßig weiterentwickelt werden.

2.    Alle Personen, die in der Kirche wichtige Ämter bekleiden, müssten ihre biographischen und systemischen (generationsübergreifenden) Belastungen bearbeiten.

3.    Entscheidungsthemen, die Frauen betreffen, müssten immer von Gremien entschieden werden, die zu 50% von Frauen besetzt sind.

4.    Es sind regelmäßige Weltsynoden und Kontinentalsynoden einzurichten, bei denen neben den Bischöfen auch eine gleiche Zahl delegierter Laien mit vollem Stimmrecht beteiligt sind und auf denen alle wesentlichen Entscheidungen getroffen werden.

 

Auch die Tatsache, dass ein nicht unwesentlicher Prozentsatz der Priester die Priesterweihe für Frauen entschieden ablehnt, hat vor allem unbewusste psychische Gründe:

Denn viele Priester sind extreme „Mutterkinder“, d.h. sie sind als Kinder in eine starke Helfer-Rolle für die Mutter geraten, die vielleicht ihren eigenen Vater vermisste oder diesen emotional nicht erreichen konnte oder die einen anderen ungelösten seelischen Schmerz in sich trug. Der Sohn wurde als seelischer Tröster und Helfer, vielleicht als Vater-Ersatz oder als seelischer Ersatzpartner in Anspruch genommen und hat diese Rolle engagiert mit großer Liebe zur Mutter übernommen. Manche dieser „Mutter-Söhne“ haben sogar auf ihre kindlichen und jugendlichen Trotzphasen verzichtet, um der innerlich leidenden Mutter nicht zusätzliche Verunsicherungen und Schmerzen zuzufügen. Später wagen sie es gegenüber der „Mutter Kirche“ auch nicht, evtl. berechtigten Zorn und eigene Interessen klar zum Ausdruck zu bringen.

Aber entscheidend ist, dass Söhne in der Helfer-Rolle für die Mutter diese Mutter unbewusst als schwach, als klein und bedürftig erleben. Unbewusst gibt es als Folge eine Geringschätzung bis hin zu einer latenten Verachtung dieser Muttersöhne gegenüber Frauen, für die die eigene Mutter das prägende Urbild darstellt.

Auch bei Papst Johannes Paul II. ist diesbezüglich zu bedenken, dass seine Mutter 13 Jahre alt war, als sie ihre Mutter verloren hat und zudem ihre einzige Tochter noch am Tag ihrer Geburt gestorben ist – und der jüngste Sohn gegenüber diesen seelischen Schmerzen der Mutter in eine starke Helferrolle geraten sein dürfte.

Zum Stammbaum von Johannes Paul II. >>>

 

Manche Mütter haben mit ihren seelischen Belastungen und Minderwertigkeitsgefühlen ihren Sohn sehr vereinnahmt und für ihre Hilfs- oder Prestigebedürfnisse an sich gebunden und damit bevormundet.

In diesen „Muttersöhnen“, die sich gegen diesen seelischen Missbrauch kaum wehren können, entsteht eine erhebliche subtile Angst vor der Mutter, die später auf die Frauen allgemein projiziert werden kann.

Wenn solche Gefühle der Angst oder der Geringschätzung und Verachtung unbewusst die Einstellung dieser Priester gegenüber den Frauen prägen, darf man nicht erwarten, dass sie die Priesterweihe für Frauen als erstrebenswertes Ziel betrachten.

Aber wie mächtig solche negativen seelischen Kräfte wirken, kann man sich vorstellen, wenn nicht wenige Priester der Anglikanischen Kirche von England sogar die Konfession gewechselt haben, weil sie Frauen als Priesterinnen gleichberechtigt neben sich nicht ertragen können.

 

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

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