Lorenz Zellner

 

Mann-Sein, Frau-Sein, Paar-Sein als Offenbarung Gottes

Überlegungen zu einer Theologie der Geschlechtlichkeit und der Paarbeziehung

 

(S. 63 - 91 im Buch „Ich bin auf den Grund gegangen – aber nicht zugrunde“)

 

 

Das bleibende Thema Nr. 1 – Hier muss sich Theologie sehen lassen                 2

   Mann-Sein, Frau-Sein, Paar-Sein als Offenbarung Gottes                                    4

   Die Kunst, die Schöpfungsoffenbarung Gottes gut zu lesen – und zu leben            5

 

Alle reden von Qualität – Lebensqualität im Paar-Raum Teil I.                         7

   Der Blick nach draußen                                                                                          7

   Schöpfungsgebundene Spiritualität weiß um die Qualität des Paar-Raumes        7

   Für die Philosophie ist Paarbindung ein Weg zur Fülle                                        9

   Liebe – das faszinierendste Phänomen, dass die Neurobiologie kennt                11

 

Alle reden von Qualität – Lebensqualität im Paar-Raum Teil II.                     12

   Das Leben bietet Qualität an – Qualität ist vorgegeben                                      12

   Das Leben will Qualität – Güte und Fülle sind das Ziel                                      14

   Auch der Weg braucht Qualität                                                                            15

   Was kann man tun? Hinweise                                                                              16

 

Alle reden von Qualität – Lebensqualität im Paar-Raum Teil III.                   18

   Qualitätsaspekte, die sich aus der Idee Gottes ergeben                                       18

   Eine Grunderkenntnis therapeutischer Arbeit: Alle wünschen sich Qualität      20

   Ein attraktives Design                                                                                          25

 

Zusammenfassung und Ausblick –
Was die Zeit sagt und wozu die Zeit drängt                                                                           26

 

Anmerkungen                                                                                                        28

 

Zu weiteren Artikeln aus demselben Buch >>>

 

Kostenloser Download des vollständigen Buches
„Ich bin auf den Grund gegangen – aber nicht zugrunde“ von Lorenz Zellner (PDF)
>>>

 

Bestellmöglichkeit der Druckfassung des Buches von Lorenz Zellner
beim Verlag epubli GmbH, Berlin: www.epubli.de
>>>

Über den allgemeinen Buchhandel: ISBN: 978-3-8442-7673-2

 

Pfad zum Teilen:

https://hanglberger-manfred.de/zellner-auf-den-grund-gegangen-paar-beziehung-htm.htm

 

 

Mann-Sein, Frau-Sein, Paar-Sein als Offenbarung Gottes

Das faszinierendste Phänomen der Schöpfung

 

 

 

Das bleibende Thema Nr. 1 – Hier muss sich Theologie sehen lassen

 

Wo es um unsere geschlechtliche Ausrichtung, wo es um Mann-Sein, Frau-Sein, Paar-Sein geht, wo bisexuelle, homosexuelle, zölibatäre oder sonstige geschlechtsbezogene Präferenzen diskutiert werden, braucht man sich um die nötige Aufmerksamkeit keine Gedanken machen. Zu ergreifend ist das Thema. Zu persönlich betroffen sind die Menschen. Zuviel Leben spielt sich hier ab. Zahllos sind deshalb die Debatten. Hier sind wir wie sonst fast nirgends zu einer längst überfälligen Klärung, Vertiefung und Neubewertung unserer jeweiligen geschlechtlichen Ausrichtung herausgefordert. Ich grenze mich im Folgenden auf die bisexuelle Ausrichtung des Menschen ein.

 

Bei einem Thema, das so juckt, das so zentral im Leben der Menschen steht, muss auch der Beitrag der Theologie in Erscheinung treten. Hier muss sich eine gute Theologie sehen lassen, hier muss sie antreten und sich Gehör verschaffen. Hier muss sie vor allem kundtun, dass auch auf dem Gebiet unserer Geschlechtlichkeit das gilt, was ich im Kapitel 4 ausführlich über die Schöpfung Gottes dargelegt habe. Und das war meine klare Ansage: Die Schöpfung ist Offenbarung Gottes, ist Evangelium, ist Wort Gottes, gute Nachricht, hoher Lebenssinn und Lebenswert. Was nun aber allgemein von der Schöpfung gilt, das gilt auch von der Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung der Schöpfungswirklichkeit. Und das gilt in höchstem Maße dort, wo die Schöpfung Gottes nicht in einem Baum, in einer Blume, in einem Stück Brot oder einem Glas Wein, sondern in einer menschlichen Gestalt vor uns steht, wo sich Gott im Menschen offenbart, wo eine Daseinsform so angelegt ist, dass sie zur größtmöglichen Erfahrung des Göttlichen werden kann. Hier ist der Ort, wo eine gute Theologie unverzichtbar wird, wo sie mit der Darlegung ihrer Botschaft an der Reihe ist, dass nämlich Mann-Sein, Frau-Sein, Paar-Sein eine gute Idee Gottes darstellen, nach dem Buch Genesis (Gen 2,18 ff) von Gott selbst erfunden, wohl bedacht, weise vorhergesehen, wohltuend, beglückend, einfach gut.

 

Diese gute Idee Gottes braucht besonders heute klare und verständliche Worte der Theologie und qualitätsvolle Einlösung im Leben der Menschen. Gegen die Barbarei und die Irrlichter der Abwertung und Vergötzung der Geschlechtlichkeit muss die Theologie herausstellen, zu welcher Art von Leben wir von Gott geschaffen sind, muss sie diese Schöpfungswirklichkeit vor Verfremdung und Banalisierung in Schutz nehmen, muss sie diese Idee Gottes wach halten und ihren Frohbotschaftscharakter vermitteln. Dies ist umso nötiger, denn das, was aktuell in Bezug auf eine zentrale Erfindung Gottes in Theorie und Praxis geschieht, ist vielfach erschreckend und gereicht nicht gerade zum Ruhm und zur Ehre des Schöpfers und Erfinders - und auch nicht zur Beglückung des Menschen. Was die Theologie in guten Stunden verstanden hat, dass der Mensch von Gott selber eine partnerschaftliche Hilfe bekommen hat, die ihm entspricht (Gen 2,20), und der er sich somit nur schlecht entziehen kann und darf, dass in der kirchlichen Tradition die Ehe ein Sakrament darstellt - also Heilsqualität besitzt - oder dass in vielen spirituellen Systemen der Paarbeziehung die Qualität einer Gotteserfahrung zukommt, muss immer wieder zu neuem Leben erweckt werden.

 

Zum besseren Verständnis der göttlichen Ideen leisten heute die Humanwissenschaften eine großartige Hilfestellung. Ihnen muss die Theologie die Hand reichen. Sie sind unbedingt in die Debatten um Mann-Sein, Frau-Sein und Paar-Sein einzubeziehen. Ihnen widme ich in diesem Beitrag einen Teil meiner Aufmerksamkeit. Niemand stört sich heute daran, dass tradierte religiöse Aussagen über unsere menschlichen Befindlichkeiten nicht mehr einziger Lieferant von Erkenntnissen, Bewertungen und Anleitungen für ein gelingendes Leben sind. Eine theologische Anthropologie kann heute gut auf das zurückgreifen, was natürliche Spiritualität, Philosophie, Psychologie, Gehirnforschung, Genetik oder Sozialwissenschaften aus der Wirklichkeit herauslesen, oder was etwa die Systemtherapie oder die Traumaforschung wissen. In all diesen „weltlichen“ Disziplinen wird uns eindrucksvoll, nachhaltig und inhaltsschwer gezeigt, wie wir Menschen konstruiert sind, was zur Ordnung dieser Welt gehört, wie gelungene Liebe, eine „Liebe in allen Formen und Farben“ (Jürgen Fliege), wie aber auch Enttäuschungen und Versagen unsere Seelenlandschaft prägen, wie unsere Theorien immer wieder von Fehlern und Übergriffen zu reinigen sind, und wie Nichtgelebtes oder Fehlgesteuertes sich in Symptomen, Süchten, Ersatzhandlungen, Verhaltensstörungen, Motivationsausfällen, Burnout-Syndromen usw. zu Wort melden.

 

Die Humanwissenschaften sind heute aus der theologischen Arbeit nicht mehr wegzudenken. In meinen Augen gehören ihre Fachleute zu den unverzichtbaren Exegeten der Schöpfung. Deren Einsichten haben viel dazu beigetragen, die Suche nach Beziehungsqualitäten mit Niveau und Qualitätsstandards mit Modellcharakter erfolgreich zu begleiten. Sie haben sich als genügend gut erwiesen, um eine partnerschaftliche Beziehungslandschaft attraktiver und überzeugender zu definieren und anstehende Fragen und offene Stellen mit genügend guten fachlichen Auskünften und Sinnbildern zu bedienen. Verliebtheiten, Instinkte und Einsicht in genetische Programme genügen bei weitem nicht für tragende und nachhaltige Beziehungen.

 

Ich will mit meinen Ausführungen einige Denkanstöße geben. Ich will niemanden groß belehren. Ich will Dinge nur aufzeigen, die für mich wichtig wurden und die vielleicht auch für andere von Nutzen sein können. Ich will zum Lesen und zum Lernen einladen. In der Fachliteratur gibt es so viele „Lebensmittel“, die unser Dasein reichhaltiger und bedeutungsvoller werden lassen. Vielleicht tauchen auch in meinem Beitrag Gedanken auf, die man nicht am Kiosk oder auf dem spirituellen Markt findet. Ich will mich auf jeden Fall als Theologe sehen lassen und freue mich, wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, in dem, was jetzt folgt, Erfreuliches und Nützliches entdecken.

 

Mann-Sein, Frau-Sein, Paar-Sein als Offenbarung Gottes

 

Was für die Schöpfung allgemein gilt – ich habe dies in Kapitel 4 bereits klar und pointiert ausgeführt -, gilt auch dort, wo sie ausdifferenziert ist, wo sie sich weiter entwickelt hat, wo sie schließlich in menschlicher Gestalt vor uns steht, in Männern, Frauen und Paaren. Auch hier stehen wir vor „vollendeten Tatsachen“. Auch hier sitzen wir in einem festen „Gehäuse“, in einer bestimmten Signatur, in einer Grundordnung, die uns zugeteilt wurde und die wie eine große Macht über unserem Leben waltet. Wir sind einfach da, wie wir da sind, als Männer und Frauen, als aufeinander Bezogene, füreinander in Dienst genommene, sich nacheinander Sehnende, zueinander Getriebene. Und wir tun gut daran, wenn wir einfach anerkennen, was ist, und finden, was sich für uns gut auswirkt.

 

Dass Menschen da sind und als Männer und Frauen da sind, gehört zur Grundausstattung der Schöpfung und wird vom Judentum, Christentum und Islam als Erfindung, als Idee Gottes begriffen. In dieser Grundausstattung, in dieser Differenzierung der Erscheinungsweisen des Menschen wird ein „logos“, ein Sinn gesehen, der sich aber nicht nur als Denkgröße, als schöne Idee versteht, sondern sich darüber hinaus vor allem als Energie, als treibende Kraft, als zielgerichtete Dynamik offenbart. Wie uns als Grundausstattung eine Individualität eingepflanzt ist, die Seele, Körper und Geist bestimmt, so ist uns auch eine Bezogenheit eingeprägt, die ruft und sich rufen lässt, und die aus Zweien eine Einheit zu machen versucht. An diesen „logos“ ist neben der sozialen Ausrichtung des Menschen, der eben für Bezogensein konstruiert ist, auch die Weitergabe des Lebens geknüpft, ist Freude und Lebensgenuss gebunden – und wie es Christen verstehen, eine tiefe, vielleicht die tiefste Gotteserfahrung. Hier finden sich erfahrungsgemäß die stärksten Antriebsaggregate des Lebens. Hier ist Leben natürlich vernetzt, hier geht Leben weiter, hier wird Leben immer wieder zum Fest, hier ist ein Fenster offen zu einer letzten Tiefe.

 

Die vorgefundenen Tatsachen unserer Wirklichkeit haben auch die biblischen Schriftsteller inspiriert. In einem tiefgründigen Mythos der Genesis wird Gott selbst der Satz zugeschrieben: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt“ (Gen 1,18). Wenn man sich bei dem, was auf diese Feststellung folgt, nicht gleich wieder an der kulturell bedingten Überbetonung des Männlichen stößt, finden wir wunderbare göttliche Gedanken vor. Gott selbst deckt von vorne herein die sozialen Bedürfnisse des Menschen. Vor allem gönnt und schenkt er dem Menschen ein ergänzendes Du, er erschafft Eva und führt sie Adam zu - als Wesen, das ihm entspricht. Diese gottgegebene Wirklichkeit mündet im Alten Testament in ein großes Lob der Liebe, in das „Hohe Lied“, das „Lied der Lieder“, das das Zueinander eines Paares besingt, das sich verbindet, sich verliert, sich sucht und wieder findet. Im katholischen Raum hat die Paarliebe später die Qualität eines Sakramentes, einer zentralen Vergegenwärtigung des Gnadenangebotes Gottes erhalten. Paare sollen über ein tragendes Miteinander Empfänger und Interpreten der Liebe Gottes sein. Und die Spiritualität gibt, wie oben bereits erwähnt, der Paarbeziehung die Qualität einer Gotteserfahrung. So weit so gut! Natürlich gibt es auch andere Lesarten – und es gibt den Analphabetismus in Bezug auf die Schöpfung. Ich für mich bleibe aber auf meinem eingeschlagenen Weg, bleibe bei meiner Lesart, dass hier eine gute, eine sehr gute Nachricht auf dem Tisch liegt, und versuche, das Schöpfungsalphabet immer besser zu verstehen und – auch hier – zu vermitteln.

 

Die Kunst, die Schöpfungsoffenbarung Gottes gut zu lesen - und zu leben

 

Wie auch anderweitig gilt für unser Mensch-Sein, für unser Mann-Sein, Frau-Sein und Paar-Sein, gilt für eben diese Erscheinungsweisen des Seins, dass auch hier die Schöpfung ihr Gesicht zeigt, sich zu Gehör bringt, sich begreifen lässt, uns fasziniert und zugleich erschreckt. Wenn nun Mann-Sein, Frau-Sein, Paar-Sein vom Informationsaspekt der Schöpfung her gesehen ausschöpfbar, lesbar, hörbar, einsehbar, verstehbar sind oder sein sollen, dann ist nichts mehr gefragt als die „Kunst, gut zu lesen“ (1), also eine gesunde Schöpfungsexegese. Wenn sowieso alles Gegebene unter dem Druck des Informationsappells steht, dann sind Daten lesen und Daten verstehen unwidersprochen lebensnotwendig und der Fülle und Erfüllung unseres Lebens zu Diensten.

 

Aus der Erfahrung weiß ich natürlich auch, dass der „logos“, die Sinnhaftigkeit der Paarbeziehung ganz unterschiedlich erhoben und gelebt wird. Religiöse Menschen werden versuchen, die gottgegebene Bedeutungshoheit der Fakten der Schöpfung vor aller menschlichen Deutung anzuerkennen. Sie werden die Geschenke und Herausforderungen der Natur und ihre tiefsten menschlichen Sehnsüchte wahrnehmen und vertrauen, dass diese auf ein Leben in Fülle ausgerichtet sind. Sie werden sich staunend dem Wunder des Menschseins stellen. Sie werden begreifen, dass sie ein Potential haben, sich in einer erfüllenden Bezogenheit zu erleben. Sie werden auch aufpassen, ihre Begabung nicht durch kurzsichtige menschliche Deutungshoheiten in Frage stellen zu lassen. Sie werden sich wehren, wenn etwa eine schöpfungskritische Askese Zurückgezogenheit statt Bezogenheit favorisiert, und wenn so die tiefste Feier der Natur, wie die Paarbeziehung irgendwo genannt wurde, ausfällt oder ausfallen soll. Man sollte sich hier den ehrlichen Fragen stellen: Was hört der Mensch, was kriegt er vom Leben mit, wenn er sich vom Elementaren zurückzieht, und was hört er bzw. was bekommt er mit, wenn er sich bezogen versteht und mit dem für ihn Wesentlichen in Kontakt bleibt? Wie viel Verbindung zu den schöpferischen Kräften ist noch da, wenn wir uns vom Leben wegbewegen, wenn man es der Seele verwehrt, im Tiefsten Annahme und Hingabe zu erfahren  - und wie viel Bezug ist da, wenn man sich Gottes Ideen stellt und ihm nicht sofort wieder das opfert, was er uns geschenkt hat. Religiöse Menschen, die sich auf die ganze Schöpfung einlassen, haben in meinen Augen einen klaren Standortvorteil gegenüber Vertretern von Schöpfungsskepsis und –rückzug. Sie schütteln den Kopf über bestimmte Lesarten, z.B. über eine makabre kirchliche Anweisung an die Priester, im Blick auf den Umgang mit ihrer Geschlechtlichkeit einen „Sinn gewinnen für die Schönheit dessen, was ich nicht berühre und benutze“ (2). Für jemanden, der solche Hinweise gibt, muss man eigentlich Mitleid empfinden. Wie schön hat hier Hunter Beaumont, ein grosser spiritueller Mensch und Therapeut dagegen gehalten und über die Berührung von Mann und Frau geschrieben: „Zu sterben, bevor es uns gelungen ist, das Du in der Fülle erlebt zu haben, fühlt sich einfach schlecht an. Es ist ein großer Verlust, wenn wir das Leben beenden, ohne dieses menschliche Potential erlebt zu haben. Es schmerzt, und die Seele trauert ihrem verlorenen Potential nach“ (3). Auch Bert Hellinger verweist in die gleiche Richtung, wenn er über die Bezogenheit von Mann und Frau die Worte findet: „Wie kann ein Mann spirituell sein ohne eine Frau? Wo ist er dann? Ist er auf der Erde? Wie viel Kraft hat er? Was weiß er vom Leben und von der Liebe? Damit verglichen bleibt alles andere billig“ (4). Im Blick auf die Frau kann man diese Einsicht nur wiederholen.

 

Wie von der theoretischen oder faktischen Abwertung der Sexualität werden sich religiöse Menschen natürlich auch von den Exzessen auf diesem Gebiet absetzen. Exzesse sind ebenfalls keine mit der Schöpfungswirklichkeit konforme Lesart. Gerade auf dem Gebiet der Geschlechtlichkeit ist nachdrücklich gefordert, was eigentlich jeder Ethik zugrunde liegt, nämlich etwas anzuerkennen, was uns heilig ist. Der Dominanz des die ganze Menschheit umgebenden Marktes mit dem Unwort „Sex“ (5) ist durch gelingende liebende Beziehungen ein Gegengewicht entgegen zu setzen. Dieses Unwort wäre am besten wieder „auszuführen“ (6), meint Bert Hellinger.

 

Nach diesem kurzen Blick auf die Extreme gehen wir wieder in die Mitte und stellen die notwendigen Fragen: Was lässt sich aus den „vollendeten Tatsachen“ der Schöpfung, hier aus unserer geschlechtlichen Ausrichtung, aus unserer menschlichen Befindlichkeit als Männer und Frauen lesen, erheben, ermitteln und seriös vermitteln? Was steckt in diesem „Gehäuse“? Was ist seine Logik? Was ist sein Potential? Und wir schauen, wie schon angekündigt nach draussen. Theologie, die sich sehen lassen will, muss nach draußen schauen. Sie tut gut daran, wenn sie auf wissenschaftliche Disziplinen zurückgreift, die sich mit unserer geschlechtlichen Ausrichtung befassen, und wenn sie ihre gute Botschaft durch deren Erkenntnisse unterstützen und untermalen lässt. Das darf und muss sie auch tun, selbst wenn die Inventarisierung unseres Sozialverhaltens – auch der Zweierbeziehung - eine nie endgültig abgeschlossene Aufgabe darstellt. Was wissen also andere? Was wissen die Schöpfungsexegeten? Wie sehen die Wissenschaften die Paarbeziehung? Viel und Gutes! Die frohe Botschaft der Theologie über Mann-Sein, Frau-Sein, Paar-Sein hat gute Karten. Sie hat gute Förderer und kompetente Unterstützer.

 

 

Alle reden von Qualität - Lebensqualität im Paar-Raum - Teil I

 

Der Blick nach draußen

 

Bevor wir uns Erkenntnissen zuwenden, die nicht aus der Theologie stammen, werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Aussagen der katholischen Kirche und auf ihre Einschätzung der Paarbeziehung. Wenn es nach ihrer Lehre geht, dann ist in der Beziehung Frau – Mann bzw. Mann – Frau Qualität da, ja sogar beste Heilsqualität. Wie das gemeinsame Mahl der Jünger Jesu, wie die unter Christen gewährte sakramentale Vergebung, wie der priesterliche Dienst für Andere ist die Paarbeziehung Gabe Gottes, Heilszeichen, Heilswerk und Heilsmotor. Während nun aber die Sakramente der Eucharistie, der Vergebung und des Dienstes eine starke Ausgestaltung und gewaltige Aufladung erfahren haben, ist das Sakrament der Paarbeziehung, genauer das Ehesakrament und seine Entfaltung im Dornröschenschlaf verblieben bzw. unterwertig behandelt worden. Aber nichtsdestoweniger, in nuce, im Kern ist Qualität da. Diese gute Botschaft bekommt nun kräftige Unterstützung u.a. aus den Bereichen der schöpfungsgebundenen Spiritualität, der Philosophie und der Neurobiologie. Ich habe mich auf der Suche nach Vertiefung und Unterstützung theologischer Sichtweisen für diese drei Bereiche entschieden. Ich weiß, eine Auswahl zu treffen, ist immer subjektiv. Aber diese drei Bereiche haben es in sich.

 

Schöpfungsgebundene Spiritualität weiß um die Qualität des Paar-Raumes

 

Es gibt viele Formen von Weltverständnis, von Weltdeutung, von Spiritualität. Der erste Weg zur Erhebung der Qualität des Paar-Raumes soll uns zu  einem großen spirituellen und dabei ganz erdgebunden gebliebenen Lehrer führen, der in vielen Schriften und Vorträgen immer wieder wirklichkeits- und menschennah auf erlebte, gestaltete und reflektierte Qualität im Paar-Raum verwiesen hat. Ich beziehe mich hier ausdrücklich auf die Arbeit und die Erkenntnisse von Bert Hellinger, der bei aller Berücksichtigung der dunklen und unberechenbaren Seiten, bei allem Blick in menschliche Abgründe ein hohes Lied auf das singt, was im Paar-Raum geschieht. Hellinger findet große Worte vor allem über die Qualität des Vollzugs der Liebe: „Die Liebe von Mann und Frau findet ihre Erfüllung im sexuellen Vollzug … Er ist der tiefste Lebensvollzug und ist jedem anderen, auch dem geistigen Vollzug, bei weitem überlegen. Durch ihn sind wir im Einklang mit dem Wesentlichen der Welt“ (7). Er ist „der größtmöglichste menschliche Vollzug. Kein anderes Tun ist mehr im Einklang mit der Ordnung und Fülle des Lebens und nimmt uns umfassender für das Ganze der Welt in die Pflicht. Kein anderes Tun bringt uns solch selige Lust und, in ihrem Gefolge, solch liebendes Leid. Kein anderes menschliches Tun ist folgenschwerer und risikoreicher, trotzt uns auch das Letzte noch ab und macht uns so wissend und weise, menschlich und groß, als wenn ein Mann eine Frau und eine Frau einen Mann liebend nimmt und erkennt“ (8). „Der Vollzug der Liebe zwischen Mann und Frau hat eine kosmische Dimension. Er ist kein Privatvergnügen, sondern in ihm werden Mann und Frau Teil einer kosmischen Bewegung, die weit über sie hinausgeht. Dieser Vollzug gelingt, wenn beide in diese Bewegung eingebunden sind“ (9). Im Einklang mit dieser Bewegung hat „die Frau die Kraft zur Lust und zur Leidenschaft, die dazugehören. Sie hat auch die Kraft zur Zustimmung zu den Folgen des Vollzugs der Liebe, was immer er für das ganze Leben bringt“ (10). Und im Einklang mit dieser Bewegung „kann der Mann sich seiner Frau hingeben, kann sie nehmen mit Kraft und Lust und Leidenschaft und kann den Folgen des Vollzugs der Liebe zustimmen, wie immer sie dann sind. Das hat Größe. Der Vollzug der Liebe in diesem Sinn ist das Größte, das wir kennen“ (11). Mann und Frau werden „nicht nur körperlich eins, sondern sie werden auch in der Seele auf eine Weise eins, bei der sie sich auf einmal ganz fühlen, wo sie sich vorher nur halb und getrennt erfahren konnten. Denn der Mann für sich ist einsam. Er braucht etwas anderes, damit er zur Fülle kommt. Er kommt zu seiner Fülle durch die Frau, mit der er sich verbindet. Das Gleiche gilt natürlich für die Frau. Allein ist sie einsam und unerfüllt. Erst durch den Mann kommt sie zu ihrer Fülle“ (12). „Wenn die beiden sich anschauen und sich voll erkennen, um den schönen biblischen Begriff zu gebrauchen, dann merkt der Mann, dass er nur eine halbe Portion ist, und die Frau merkt auch, sie ist nur eine halbe Portion. Beide repräsentieren nur einen Teil des Menschlichen“ (13). Zu zweit sind sie rund und ganz.

 

Hellinger wäre nicht Hellinger, wenn er als Theologe nicht ins Volle greifen würde. Für ihn ist der Liebesvollzug etwas Göttliches. In der Paarbeziehung erscheint das Göttliche so nah am Menschen. Man kann es direkt greifen. Der Vollzug der Liebe ist wie eine Kommunion. Er „ist auch die spirituellste Begegnung, die am tiefsten religiöse Begegnung. Daher ist sie mit allem, was zu ihr gehört, göttlich, auch in ihrer Leidenschaft. Diese Leidenschaft ist nicht in unserer Hand, und zeigt gerade dadurch, dass sie woanders herkommt – nämlich von Gott. Das ist ein schönes Gottesbild für uns“ (14). „Man freut sich im anderen auch über Gott. Diese Gottesbilder haben eine gute Wirkung. Sie treten Gott nicht zu nahe. Aber uns tun sie gut“ (15). Und letztendlich entwickelt Hellinger die Vision: „Diese Liebe nimmt, was einmal sein wird, schon vorweg“ (16).

 

 

 

Für die Philosophie ist Paarbindung ein Weg zur Fülle

 

Gehen wir weiter in den Raum der Philosophie. Nach Martin Buber finden wir in der Paarbindung den bedeutsamen Ort, wo zwei Menschen in der Lage sind, „einander das Du zu offenbaren“ (17) Auch nach dem Religionsphilosophen Romano Guardini ist der Mensch von Anfang an auf einen anderen hin entworfen, der ihn erst zu sich kommen lässt. Neben Buber und Guardini beziehe ich mich im Folgenden besonders auf Peter Sloterdijk, der sich in verschiedenen Veröffentlichungen unter Einbezug von Erkenntnissen der Sozialwissenschaften mit den sozialen „Formaten“ des Lebens und besonders auch mit der Paarbeziehung auseinandergesetzt hat. Wenn es nach ihm geht, ist die Paarbeziehung ebenfalls Ausdruck von Qualität, von dort angesiedelter und erwarteter Lebensqualität. Denn auf die Fragen: Wann ist der Mensch „in seinem Element“, wo und wann ist er ganz, wann und wo geht es ihm gut, sagt Sloterdijk – manchmal über seine selbst gesteckten Grenzen hinausgehend: Wenn er einen Ort hat, wo er hingehört, wo er zu Hause ist, und wo er Umstände vorfindet, unter denen er leben kann. Kein Mensch kann ortlos und umstandslos, d.h. ohne stimmige Orte und Lebensumstände sein (18). Sloterdijk beschäftigt sich wie die Sozialforschung mit den vielen Formaten des In-der-Welt-Seins, in die das menschliche Individuum eingebettet ist. Diese Formate halten uns einerseits fest, sie prägen, leiten und beeinflussen uns. Andererseits brauchen wir sie und müssen sie deshalb kennen lernen, pflegen und gestalten. Besonders interessant – weil auch jedem so nah – ist und bleibt der Paar-Raum.

 

Machen wir an diesem Punkt einen kurzen Ausflug in die Lebensräume des Menschen. Es sind viele Räume, in denen unser Leben sich abspielt. An dem einen Ende steht – als das größte Format des In-der-Welt-Seins – das Universum, das Teilhard de Chardin als „milieu divine“, als „göttlichen Raum“ beschrieb (19) oder das Paulus in seiner berühmten Areopagrede als Raum eines Gottes charakterisierte, in dem wir „leben, weben und sind“ (Apg 17.28). Am anderen Ende finden wir den Paar-Raum als das kleinste Format unseres Weltbezuges vor. In noch vielen und vielfältigen Räumen dazwischen lebt und webt der „Erdling“ Mensch. Er lebt im Raum unseres Planeten mit seinen Gesetzen und einigen Milliarden Menschen, er lebt in einem Raum zwischen Zeugung und Tod, er lebt in einer Atmosphäre, in einer Lufthülle, die die Erde umgibt, er lebt in einem Sprachraum, in einem Volksraum, in einem religiösen bzw. kirchlichen Raum, in einem Wirtschaftsraum, als Verkehrsteilnehmer in einem geregelten Verkehrsraum, in einem regionalen bzw. lokalen Raum, in einem Berufsraum, in einem Freizeitraum und schließlich in einem Familienraum – vor der zentralen Sphäre des Paar-Raumes. Um die Besonderheit dieses letzteren Raumes, um seinen Charakter und seine Qualität geht es auf den folgenden Seiten.

 

In der Denkwelt und Sprache des Philosophen Peter Sloterdijk ist die Paarbeziehung die „primäre sphärische Form, die es zu beachten gilt“( 20). Dort ist der Mensch primär „in seinem Element“. Und dies sind die Einsichten des Philosophen:

- Dieser Paar-Raum existiert real. Er ist von Natur aus da. Er ist nicht durch menschliche Vereinbarungen entstanden. Soziologisch existiert ein eigener Lebensraum, in dem zwei Menschen vorkommen, ein Raum, an dem zwei teilhaben, den ein Partner mit dem anderen teilt, ein humanes Feld, ein soziales Biotop.

- Menschen sind also koexistente Wesen. Wir können als Menschen nicht so tun, als wären wir komplette Individuen. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass es Männer und Frauen gibt, die die Evolution einander zugeordnet hat und die existentiell miteinander verschränkt sind. Diese Verschränkung hat eine Form, die die bloße Addition von einem Ich und einem Du übersteigt. Zwei gegengeschlechtliche Menschen sind hier Teile einer Beziehungsrealität. Nirgendwo anders, nirgendwo intensiver wie hier wird Dasein als Teilhabe gekennzeichnet. Wir sind prinzipiell auf Begleitung angelegt, der Mann von einer Frau, die Frau von einem Mann.

- Etwas besonders Eigenartiges zeigt sich hier: Keiner der beiden Partner steht dabei im Mittelpunkt. Der gemeinsame Raum hat eher die Struktur einer Ellipse mit zwei Polen. Und was Pol ist, kann nicht den Mittelpunkt darstellen. Im Zentrum steht vielmehr etwas Drittes: Die Entwicklung auf ein Ziel hin. Die diesbezüglichen Fragen lauten dann: Wohin geht die Reise? Was will das Leben damit? Auf welche Endgestalt soll das alles hinauslaufen? Und wie ist diese Reise zu gestalten? Was ist notwendig, dass man gut ans Ziel gelangt? …

- Wir dürfen – in einer Linie mit Martin Buber – von einem autonomen Zwischen ausgehen, das uns vorgegeben ist, das wir weder schaffen noch erfinden können, von einem Ort des zwischenmenschlichen Geschehens, wo, wie bereits oben zitiert, „zwei Menschen einander“ – ohne Zweck, ohne Gier, ohne Vorwegnahme – „das Du offenbaren“. Wir können nur entdecken, wahrnehmen, erkunden, sammeln, ordnen, um die Logik und Ethik, die Sinnhaftigkeit und Zielgerichtetheit dieses Raumes zu verstehen und die Möglichkeiten wahrzunehmen, die uns von der Schöpfung oder der Evolution zur Gestaltung überlassen sind.

 

Im Denken von Sloterdijk ist Paarbindung ein Weg zur Fülle. Qualität bedeutet hier, dass unsere Fähigkeit zu Selbstständigkeit und Bezogenheit im Paar-Raum ein Wirkungsfeld hat, das seinesgleichen sucht. Hier merken wir wie sonst nirgendwo: Das Wesentliche von Welt und Leben sind nicht die materiellen Dinge, nicht das Feste, das Statische, das mit der Hand Greifbare. Im sozialen Biotop Paar-Raum ist Beziehung die erstrangige Größe. Sie ist eher etwas Weiches, Zartes, Fließendes, Schwebendes, Intimes, Ekstatisches, auch sehr Zerbrechliches. Sie ist eher mit einem immer neu zu füllenden Klangraum, mit einem beständigen Hin- und Herfließen, mit einem Höflichkeitsbesuch zu vergleichen. Auf dem Weg dorthin geht es um Bezüge, um Nähe und Distanz, um Ausstrahlung, um Töne, um Resonanz, um Anschauen und Angeschautwerden, um Geben und Nehmen, um Durchdringung und Zurückhaltung, um Zum-Leben-Erwachen und um Leben-Entfachen, um Austausch und Ausgleich, um hohen Einsatz und ausreichenden Umsatz, kurz und gut: um Interesse, um ein Spiel aus Eigenständigkeit und Miteinander. Nicht rohe Vereinnahmung, aber auch nicht harte Abgrenzung bestimmen hier den Modus vivendi. Dieser ist geprägt von den Gedanken der Kooperation und Solidarität und der Selbständigkeit und Autonomie – und von der Vision einer guten Endgestalt. Auch hier herrscht die Überzeugung: Qualität ist vorgegeben. Qualität ist angezielt. Und Qualität ruft nach Einlösung. 

 

Liebe - das faszinierendste Phänomen, das die Neurobiologie kennt

 

Ein dritter Blick geht in den Raum der Neurobiologie. Mit einschlägigen Gehalten ihrer Forschung werde ich mich jetzt intensiver beschäftigen. Wenn es nach dem Göttinger Neurobiologen Gerald Hüther und vielen seiner Kollegen geht, dann sieht das Ergebnis ähnlich aus wie im angeführen theologischen, spirituellen, philosophischen und sozialwissenschaflichen Denken. In der Neurobiologie herrscht die gleiche Sichtweise: Die Evolution hat in puncto Mann-Sein, Frau-Sein, Paar-Sein Qualität angesammelt oder noch besser: Sie hat sich Qualität geleistet. Zuverlässige Forschungsergebnisse ergeben folgenden Tatbestand: Innerhalb der Formenvielfalt des Lebens, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet hat, ist besonders in diesem Format des „In-der-Welt-Seins“ etwas anzutreffen, was man Liebe nennt, nach Hüther „das faszinierendste Phänomen, das die Evolution des Lebens auf dieser Erde hervorgebracht hat“ (21). In Klammern und nebenbei: Der Theologe des jahwistischen Schöpfungsberichtes (Gen 2, 4b-25) hat dieses Ergebnis der Neurobiologie bereits „vorausgeahnt“ und ins Schwarze getroffen, als er in seiner Weltsicht Gott erklären ließ, es sei „nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (Gen 2,18) und hinzufügte, dass Adam mit dieser weisen Einsicht Gottes voll und ganz zufrieden war: „Das ist endlich Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ (Gen 2,23). Der Jahwist verbindet mit seiner Theologie zwei einfache, grundlegende und durch und durch menschliche Wahrheiten: Wie der Mensch (adam) ohne den Erdboden (adamah) nicht leben kann, so kann es der Mann (isch) auch nicht ohne die Frau (ischah) – und umgekehrt.

 

Doch nach diesem kurzen Ausflug in die Bibel jetzt zurück zur heutigen Fachwelt und ihren Einsichten: Auf diesem Boden also, auf der Grundlage der geschlechtlichen Differenzierung und der geschlechtlichen Zuordnung findet sich, entfaltet sich, wächst und gedeiht Liebe. Hier wird Liebe geahnt, ersehnt, erwartet, erlebt, entwickelt, errungen, vollendet. Hier hat sich Liebe entwickelt und entfaltet, hat sich ein tiefes Gefühl menschlicher Verbundenheit herausgebildet, oft rudimentär, oft versteckt, verdrängt, verschämt, oft verboten, diffamiert, ins Abseits geschoben, aber immer wieder auch erfolgreich und unbesiegbar, sichtbar, spürbar, greifbar, in Wort und Lied hörbar. Und in der Forschung steht Liebe heute da mit einer absoluten Priorität vor den auseinander treibenden Mechanismen des Kampfes, der Konkurrenz und des Wettbewerbes, die von vielen leider immer noch als die zentralen Triebfedern des Lebens angesehen werden. Liebe hingegen sorgt dafür, dass der Einzelne beheimatet ist und genügend Raum für das eigene Leben hat. Die Logik des Lebens hat beides, das Miteinander bzw. eine gesunde Symbiose, aber auch Eigenständigkeit und eigenes Wachsen im Blick.

 

 

Alle reden von Qualität - Lebensqualität im Paar-Raum – Teil II

 

Die Theologie kann bei ihren Qualitätsaussagen in Bezug auf Mann-Sein, Frau-Sein und Paarbindung auf viele Stützen zurückgreifen, die ebenfalls Qualitätsaussagen machen. Die bisherigen Erkundungen zusammenfassend kann man drei Themenkreise ausmachen.

 

Erstens: Qualität ist im Paar-Raum bereits vorgegeben. Sie ist eine Mitgift der Schöpfung. Im sozialen Miteinander ist im wahrsten Sinn des Wortes etwas geboten.

Zweitens: Qualität, sprich: Leben in Fülle ist die inhaltliche Intention, ist das Ziel. Die gute Vorgabe will auf etwas hinaus, auf Fülle, Erfüllung, auf ein gutes Ende.

Drittens: Menschen haben für die Gestaltung der Paarbeziehung interne Potentiale und Fertigkeiten und unzählige externe Hilfen, deren man sich bedienen kann, die abrufbar sind. Auch diese Möglichkeiten gehören zur Qualität des Paar-Raumes.

 

Das Leben bietet Qualität an - Qualität ist vorgegeben

 

Ein erster Themenkreis beschäftigt sich mit dem Faktum: Die Schöpfung bzw. die Evoluton hat nach heutiger Sicht generell Qualität hervorgebracht. Sie hat mit der Ausstattung des Menschen eine natürliche Grundlage geschaffen, auf der Liebe und Glück gedeihen können. Noch einmal zitiere ich Gerald Hüther: „Das faszinierendste Phänomen, das die Evolution des Lebens auf dieser Erde hervorgebracht hat, ist die Liebe“ (21).

Von den Wissenschaften wird heute bewusst anerkannt und festgeschrieben, dass die Natur im Laufe der Evolution im Mann-Sein, Frau-Sein und in der Paarbindung qualifizierte Grundlagen für Lebensqualität und Liebe geschaffen hat. Es hat eine fantastische Entwicklung stattgefunden, bis diese Lebensformen so da standen, wie sie noch heute da stehen. Die Natur hat Qualitätsarbeit geleistet und uns passende Zustandsformen, passende Befindlichkeiten, passende Bausteine als Grundlagen und Voraussetzungen für ein gelungenes Leben hinterlassen. In der Forschung findet man überall größte Hochschätzung und Würdigung der unendlich langen Entwicklung zu diesen großartigen Vorgaben zur Lebensgestaltung. Ob man die Genforschung, die Gehirnforschung, die Systemforschung bemüht: Gegen alle pessimistischen Strömungen unserer Zeit zeigen gerade diese Forschungszweige, dass die Natur uns Menschen für diese Welt und für unser Menschsein gut ausgestattet hat – und dies sowohl was unsere Grundausstattung betrifft als auch unsere Zielausrichtung und unser Potential für Wachstum, Heilung und Korrekturansätze bei Fehlentwicklungen. Mit erstaunlicher Eindeutigkeit reden heute Forscher und Philosophen von einer Lebensqualität, die im Paarbereich in einem Maße vorhanden ist wie sonst nur noch in der Eltern-Kind-Beziehung.

 

Mann-Sein, Frau-Sein und Paarbindung sind Grundbausteine des Lebens und der Liebe. Gerald Hüther schreibt in einem neuen Bestseller: „Die Befähigung des Menschen zur Liebe ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat – wie alle anderen Begabungen, Leistungen und Fertigkeiten – eine Geschichte. Die Liebe ist … Ausdruck einer evolutionären Entwicklung“ (22). Hervorgegangen aus „noch sehr ursprünglichen Formen der Verschmelzung und des Informationsaustausches“ fand eine Verfeinerung und Weiterentwicklung statt, „bis am Ende eben zwei (nicht drei oder vier) unterschiedliche Geschlechter entstanden“ (23). „So ist aus der ursprünglichen erotischen Beziehung der geschlechtslosen Einzeller allmählich all das entstanden, was noch heute als erotisch-sexuelle Beziehung einen Mann und eine Frau dazu bringt, die in ihren jeweiligen Lebenswelten gesammelten Erfahrungen auszutauschen und miteinander zu verschmelzen“ (24). Neben dem Brutpflegeverhalten, aus dem sich beim Menschen die Elternliebe herausschälte, hat sich die sexuelle Anziehung über das Paarungsverhalten hinaus „zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Bindung der Sexualpartner entwickelt“ und ist „damit zum Ausgangspunkt der Liebe zwischen Mann und Frau geworden“ (25). Hüther beschreibt dann sehr schön deren Zuordnung und die vielen diese Zuordnung begleitenden neurobiologischen „Aufmerksamkeiten“. Dazu gehören beispielsweise auch die hormonellen Ausschüttungen, die - wie vieles andere - nach Hüther im Dienst der Liebe stehen (26).

 

Der Co-Autor Hüthers, der Sozialökologe, Zukunftsforscher und Philosoph Maik Hosang trifft unter der Überschrift „Evolution: Der freie Blick und das Gefühl der Verbundenheit“ im Blick auf unser Thema eine vierfache Feststellung: Erstens: Bei aller geschlechtlichen Differenzierung im Rahmen der Evolution des Menschen sind auch „Potentiale der gegenseitigen Verbundenheit entstanden“ (27). Zweitens: Es entwickelte sich auch die ganzjährige sexuelle Bereitschaft des Menschen. „So konnte sich die Sexualität und der mit ihr verbundene körperliche Kontakt über ihre bloße Fortpflanzungsfunktion hinaus zu einem Medium ganzheitlicher und gegenseitiger Kommunikation, Wertschätzung und Verbundenheit entwickeln“ (28). Drittens: Es ist ein erstaunliches Muster zu beobachten: „Es sieht danach aus, als ob die Evolution (oder die Schöpfung, oder wie immer wir diese Menschwerdung bezeichnen mögen) uns vor allem dazu befähigen wollte, sowohl freie als auch miteinander verbundene Wesen zu werden“ (29). Und viertens: Diese unsere Fähigkeiten und Potentiale wurden immer mehr dadurch wirksam, dass sie sich „kulturell selbst verstärkten“ (30). So entstanden „zwei Pole unseres Seins, die unsere Existenz und unser Selbstverständnis als Menschen bestimmen“ (31), die aber immer wieder ausbalanciert werden müssen, nämlich unsere Eigenständigkeit und unsere Bezogenheit.

 

Über diese Bezogenheit als Wachstumsmotor äußert sich - kurz zusammengefasst - der Freiburger Mediziner und Neurobiologe Joachim Bauer wie folgt: Wir Menschen sind von Haus aus auf gute Beziehungen geeicht. Wir sind auf Resonanz und Kooperation angelegte Wesen. Wir wollen von anderen gesehen werden, wollen Zuwendung erfahren und geliebt werden. Wir brauchen konstanten liebevollen und fürsorglichen Umgang miteinander. Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung und Zuneigung finden und geben spielen oft eine bedeutendere Rolle als die Sicherung unserer vitalen Bedürfnisse. Als Person gesehen werden steht noch über dem, was landläufig als Selbsterhaltungstrieb bezeichnet wird. Nicht dass wir um jeden Preis überleben, sondern dass wir andere finden, die unsere Gefühle und Sehnsüchte binden und spiegelnd erwidern können, ist nach Joachim Bauer das Geheimnis des Lebens. Dafür sollten sich beide Partner „die Möglichkeit offen halten, am anderen – und an sich selbst – noch etwas entdecken zu können, was sie so noch nicht kannten“ (32). Und nicht nur diese Chance gibt es. Die Paarbindung ist auch die Geburtsstätte und der genuine Ort des Sozialen. Hier beginnt die körperliche, seelische und geistige Organisation des Zusammenlebens. Hier ist dann auch die Basis für die Gestaltung der Welten, in die wir verwiesen sind. Und hier ist für den religiösen Menschen ein zentraler Ort der Gottesbegegnung.

 

Das Leben will Qualität – Güte und Fülle sind das Ziel

 

Die Natur hat also etwas vorgegeben, hat vollendete Tatsachen geschaffen. Daran hängt sich die Frage fest, was das Leben mit seinen Erfindungen will, worauf das Ganze abzielt, in welche Richtung die Post abgeht, was erreicht werden soll, welche Gestalt, welches Gesicht angestrebt wird, worauf die weitere Entwicklung hinaus will und der Beitrag des Individuums hinaus soll. Die Frage nach einer Gestalt, einer Endgestalt nach einer Vision, die die Richtung bestimmt, steht damit im Raum. „Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt“, sagte mir dieser Tage ein junger Mann. „Ich habe einfach so dahingelebt.“ Das Suchbild hat aber seine Fragestellungen. Manchen ist es gänzlich unbekannt oder fremd, bei anderen ist es zerstört oder hat tiefe Risse. Konsum und Unterhaltung haben zahlreiche Ersatzbildungen geschaffen, kurzfristige Kompensationen und Billigillusionen. Der Probleme sind viele.

 

Aber so arm stehen wir nun auch nicht da. Die moderne Naturwissenschaft lehrt uns ja auch: Die ganze Schöpfung ist in einen Verweisungszusammenhang eingebunden. Sie ist eine Sache, die auf etwas hinsteuert, die uns auf etwas hinzwingt. Wir sind schon von Grund auf auf etwas eingestimmt, wir sind ausgerichtet auf eine Endgestalt. Da der Trend unserer Zeit immer noch zeigt, wie es Hüther formuliert, dass „die vertraute Zweierbeziehung zwischen Frau und Mann nach wie vor das zentrale Modell“ (33) der Beziehungen bleiben wird, halte ich auf jeden Fall an der Vision fest, die auf Erfahrungen beruht, dass es in der Paarbeziehung einen Zustand gibt, dass dort eine Wirklichkeit möglich ist, in der Menschen ihr Leben als sinnvoll und als Glück erfahren, in der Menschen frei atmen und zugleich verbunden sein können. Für manche ist diese Endgestalt das Finden seiner selbst, oder die Erfüllung und Verwirklichung der in uns liegenden Sehnsüchte, oder das Ringen um eine Ganzheit, dem die Erkenntnis zugrunde liegt, dass die Welt, in die der Mann hineinwächst, eigentlich nur die halbe Welt ist (34). Und für die Frau gilt das Gleiche. Wieder andere suchen nach etwas, was grösser ist als sie selbst, und suchen hier wohlweislich Gott zu erfahren.

 

Die Frage nach Qualitätsstandards, nach Qualitätselementen, nach guten Ergebnissen einer kunstvollen Gestaltung von Beziehungen stellt sich heute dringendst. Wir brauchen anerkannte Weisen niveauvoller Beziehungen mit Modellcharakter. Wir brauchen eine fachliche Durchsicht jahrelanger, lebenslanger, viele Generationen übergreifender, die ganze bisherige Menschheitsgeschichte umfassender Bemühungen, abgesicherte Ergebnisse von Versuchen und wieder Versuchen, von Misslingen, Durchbrüchen und Erfolgen, um sauber darzulegen, was zu intendieren und was kontraproduktiv ist. Hier steht und fällt auch der Wert der anthropologischen Wissenschaften, die von der Biologie bis zur Theologie reichen. Wenn sie einen Sinn haben sollen, dann doch den, die weltweit anzutreffenden offenen und problematischen Fragen des Lebens mit wirklichen „Sinn-Bildern“ und „Kraft-Spendern“ zu beantworten, Standards einer Endgestalt zu erstellen, die man in echt biblischem Sinn „an den Früchten erkennen“ kann. Es genügen ausreichend gute Bilder, wie eine ausreichend gute Mutter ihren Kindern genügt, oder wie sich ein ausreichend guter Vater sich von einem Playboy abhebt. Eine gute Hilfe kann auch sein, wenn man dem Leben unterstellt, dass es Fülle und Erfüllung, Festigkeit, Nachhaltigkeit, aber auch Belastbarkeit will, und wenn man studiert, wie es die Wirklichkeit bzw. die Schöpfung immer wieder hinbekommt, die Kontinuität des Lebens zu organisieren.

 

Auch der Weg braucht Qualität

 

Das Leben bietet Qualität an. Das Leben will auf Qualität hinaus. Die Gestaltung der Endgestalt ist aber auch in menschliche Hände gelegt. Dafür braucht es Qualifikationen. Für den Bereich, der uns zur Gestaltung anvertraut ist, müssen wir uns demnach qualifizieren. Auf der Basis der Grundbausteine, effektiver Visionen, worauf das Leben hinaus will, und gelungener Vorbilder muss nun Mann-Sein, Frau-Sein und Paarbindung ausgeformt werden. Lebensqualität auf diesem Gebiet soll ja nicht rudimentär oder ein Torso bleiben. Hier ist nun der Einzelne gefragt, seine Geistigkeit, sein Wille und seine Begeisterungsfähigkeit, seine Neugier, sein Wissenwollen. Denn „die sexuellen Beziehungen sind nicht nur Natur, sie sind auch Kultur“ (35). Es geht nicht nur um Getriebensein, um Angezogensein, um Ausstrahlung usw. Es geht um Lernen, um Einüben, um Gestaltung, um aktives Interesse, um Austausch, um vielfache aktive Zuwendung über Blicke, Mimik, Gestik, Stimme, Berührung, um verbale und nonverbale Mitteilungen, um sich gegenseitig die Erlebniswelt der Psyche zu erschließen. Beziehungen sind Kultur und beruhen auf einer „Verhandlungsbasis“ (36) von Mann und Frau.

 

Die Natur, die Evolution, die Schöpfung hat dem Menschen und seiner Kreativität Gestaltungsaufgaben hinterlassen, die auch etwas darüber aussagen, was das Leben uns zutraut oder zumutet, wozu das Leben uns herausfordert, was das Leben aber auch einfordert. Es fordert qualifiziertes Vorgehen, eine gute Umgangsart, dass die evolutionären Vorgaben einschließlich unserer Potentiale zur Fülle gebracht werden können. Es geht um das durch unsere Begabung vorgegebene passende menschliche Mühen. Es geht um die Einsicht in das Gegebene, Vorgefundene, Vorhandene, es geht um das Vorgehen, damit optimale Entfaltung gelingt, es geht um die Effektivität der Prozesse, es geht um Einstellungen und Umgangsformen, es geht um den Erwerb von Fertigkeiten, um das „Handwerk“, es geht nicht allein, es geht um das Zulassen guter Begleiter, um die Verstärkung durch die Mitwelt, um die Abschirmung gegen Murks, um die Vermeidung von Umwegen und vieles mehr. Es geht um einen genügenden Selbstschutz vor der Sexualisierung, Pornografisierung und anderen Perversitäten unserer Zivilisation. Es geht vor allem auch darum, „die dunklen und dämonischen Facetten der ‚schönsten Sache der Liebe´ nicht zu unterschlagen“, ein „hochsensibles, unberechenbares Feld“ wie die Sexualität nicht zu verdrängen und ein „Bewusstsein für die Macht und die Abgründe des Begehrens“ (37) zu entwickeln. Peter Sloterdijk deckt in seinen einschlägigen Einlassungen (38) eine Reihe von Entwicklungsdefiziten auf. Er fordert Kreativität, was nicht heißt, eine neue Schöpfung zu installieren oder die alte total umzukrempeln, sondern die Evolution zu studieren und das Vorhandene zu verstehen und zu nutzen bzw. den Beziehungsbereich im Vergleich mit dem Arbeitsbereich nicht mehr stiefmütterlich zu behandeln und sich auch nicht vom vielfachen Verschwinden von Qualität irritieren zu lassen. Es geht um eine Entwicklung auf das Große des Lebens hin, um Alternativen zu Konsum und Unterhaltung. Gelingende Liebe fällt auch nicht vom Himmel. Sie ist Menschen anheim gegeben. Er muss die „Beziehungs-Landschaft“ gut definieren. Er muss wieder „Sinn“-Bilder schaffen. Er kann sie selbst prägen und zu einer gewissen Fülle bringen. Aber Qualität kostet etwas. Doch die Kosten lohnen sich. Dass Liebe Leistung bedeutet ist für viele immer noch arg gewöhnungsbedürftig.

 

Was kann man tun? Die folgenden Hinweise sind nur ein Mini-Angebot.

 

Als ganz zentral sehe ich die regelmäßige Selbstreflexion an, sei es allein oder gemeinsam. Drei Fragenkreise erscheinen mir besonders wichtig: Wieviel „Ich“ braucht eine Beziehung und wie viel „Wir“? Welchen Raum gebe ich meinen Stärken, welchen Raum lasse ich den Stärken des Partners? (Diese Reflexion ist bei der häufigen Fixierung auf unsere Schwächen besonders herausfordernd und erfolgreich). Und: Bleibe ich im Alltag und im gemeinsamen Gespräch primär bei Problemen hängen oder suche ich nach Lösungen, wobei ich meinen Partner zu einem ähnlichen Verhalten motiviere?

 

Dann verweise ich auf die wunderbare Einrichtung der Zwiegespräche, zu denen Michael Lukas Moeller in seinem Bestseller „Die Wahrheit beginnt zu zweit“ (39) entscheidende Anstösse und inspirierendes Begleitmaterial angeboten hat. Ein Paar, das die Idee Moellers aufgriff, äußerte sich so: „In den letzten drei Monaten haben wir mehr voneinander erfahren als in den letzten zehn Ehejahren vorher“ (40). Worum es bei diesen Zwiegesprächen noch geht, hat wiederum Hellinger sehr schön als Ankunft und Verbleiben eines Paares in der Gegenwart beschrieben. Wenn sich zwei plötzlich als Fremde erfahren und nicht mehr weiter wissen, rät Hellinger: „Uns zurückziehen auf Einfaches, Verlässliches, Nahes, auf ein gemeinsames Tun, das uns in der Gegenwart hält, bis sich die früheren und fremden Personen in uns wieder zurückgezogen und uns freigegeben haben. Dann beginnen wir unser Zwiegespräch von vorn und erkennen uns, einer im anderen, wie wir jetzt sind“ (41).

 

Auf die Annahme von Therapie- und Beratungsangeboten habe ich bereits hingewiesen. Optimal wäre die Verbindung mit der Aufstellungsarbeit. Um sich eine Außenansicht der Paarbeziehung zuzulegen, bietet sich als Königsweg die Aufstellungsarbeit an, die besonders Bert Hellinger in das öffentliche Bewusstsein gebracht hat, und die mir persönlich tiefe Einsichten in die Bewegungen und Ordnungen des Lebens und der Liebe gebracht haben. Ich habe Aufstellungen selber jahrelang als diagnostische und therapeutische Methode benützt, mich laufend fortgebildet und manches Gute bewirkt. Diese Form hat für viele Klienten und für mich auch einen anderen Blick auf das, was einmal war, erzeugt – und somit zu einer klareren Orientierung im Hier und Heute geführt. Die Aufstellungsarbeit spielt uns Informationen über unsere Seele und die Seele des Partners zu, die sonst nirgends so deutlich zu gewinnen wären. Sie berühren uns wie sonst nur Weniges, lassen uns aufhorchen und bahnen neue Wege an (42).

 

Bilder der Liebe sind wichtiger als kluge Reden. In der Zeitschrift „Publik-Forum“ wurde vor einiger Zeit ein Paar interviewt, das von sich sagte: „Wir finden es hilfreich, wenn ein Paar einen gemeinsamen Mythos pflegt“. Und die Frau und der Mann meinten damit, sich über eine gemeinsame Geschichte, ein gemeinsames Bild oder Symbol miteinander verbunden zu wissen. „Für uns“, sagten sie, „ist es das Bild vom Kugelmenschen, wie es der griechische Philosoph Platon geprägt hat. Der Urmensch – so erzählt es der Mythos – war ganz und wurde von den Göttern zerteilt. Und seither laufen wir Menschen als diese halben Portionen durch die Welt und jeder sucht nach seiner verlorenen Hälfte. Mit diesem Bild spielen wir, es inspiriert uns immer wieder neu. Es soll die Paarfantasie anregen, die Hand führen beim gemeinsamen Weiterzeichnen der Lebenslinie, Gefahren abwehren, abwegige Gedanken widerlegen, seelische Hausapotheke für jeden Störfall sein“ (43). Kreative Nachdenklichkeit versucht auch Bert Hellinger mit einem Bildangebot zu erzeugen, das darstellen will, wie unterschiedlich Menschen mit der Liebe umgehen. Die einen wählen eine bequeme Liebe. Sie stehen am Ufer eines Flusses mit ihrem Standpunkt über die Liebe, und der Fluß der Liebe, oder der reißende Strom, fließt an ihnen vorbei. Sie werden nie zusammenkommen, wenn nicht beide in den Fluß springen. Andere sind zunächst ohne Grundsätze. Sie springen in den Strom und lernen schwimmen. Und sie werden vom Fluss getragen. Wieder andere… Mit diesem Bild vom Fluss und seinen Ufern kann man wunderbar spielen und seine Fantasie anregen lassen (44).

 

Unüberbietbar ist natürlich das Bild von der Paarbeziehung als eines Sakramentes, einer Form der Berührung mit Gott, ein Bild, das die Theologie anbietet, und das leider zu häufig auf das individuelle Aufgreifen, Ausmalen und Auslegen wartet.

 

Zum Schluß verweise ich auf die zahlreiche qualifizierte Literatur. Es gibt grundlegende Werke, die die Paarbeziehung in größeren Zusammenhängen sehen, aber auch ganz praktische Wegweiser. Manches an guter Literatur habe ich hier bereits auszugsweise zitiert.

 

 

Alle reden von Qualität – Lebensqualität im Paar-Raum – Teil III

 

Qualitätsaspekte, die sich aus der Idee Gottes ergeben

 

Welche Tiefenerfahrungen machen nun Menschen mit ihrem Mann-, Frau- und Paar-Sein? Welche Aspekte berühren sie zuinnerst? Wie definieren sie eine gelungene „Beziehungslandschaft“? Welche „Sinn“-Bilder haben sie gefunden? Und auf welche genügend guten Sammelergebnisse und Einsichten können Fachleute verweisen? Ich beschränke mich auf sechs zentrale Aspekte: Was ist eine gut gelungene Beziehungslandschaft? Welche Aspekte prägen sie? Ich versuche einen kurzen Überblick.

 

- Ich verweise zunächst auf dem Identitätsaspekt: Zum Potential der Zweierbeziehung gehört ein Identitätserlebnis. Über das Du spürt man, wer man selber ist. Man erlebt seine Wirklichkeit, sein Dasein, seine Individualität, seine Geschlechtsidentität, man erlebt, dass man ein Mann ist, wenn und weil man eine Frau hat, und dass man eine Frau ist, wenn und weil man einen Mann hat, man erweitert seinen Horizont über Bekanntes hinaus, begreift mehr von sich, von seinem Körper, von seiner Seele, begreift, wer und was man ist, spürt die Verbundenheit mit sich selber. Jede Begegnung mit dem Du kann das Eigene fördern.

 

- Ich gehe einen Schritt weiter, und komme zum Sozialaspekt unseres Soseins. Mann- und Frau-Sein sind naturgegebene Potentiale, ansprechende und anspruchs-volle Förderprogramme und Sicherungen für soziales Leben, soziales Lernen, soziales Verhalten, für Kooperation und Solidarität. Am Anfang unseres Lebens ist die Liebe der Eltern für unsere weitere Entwicklung bestimmend, später ist es vor allem die Paarbeziehung. Menschsein heißt ja, miteinander sein. Wir sind ohne die Fürsorge anderer nicht lebensfähig. Nichts ist uns bekannter als die Zerstörung durch soziale Isolation. So hat die Schöpfung sinnvollerweise in das Leben Antriebe eingebaut, die Menschen aufeinander hinbewegen. Das Gegenüber bricht unsere Beziehungsfähigkeit auf und zeigt uns unsere Beziehungsbedürftigkeit. So ist es nun einmal. Damit gehören Mann-Sein und Frau-Sein zu den mächtigsten Antrieben unserer Sozialität und sind die großen göttlichen Vorgaben und Chancen für die Gestaltung einer humanen und mitmenschlichen Gesellschaft.

 

- Als Nächstes führe ich den Ganzheitsaspekt des Paar-Seins an. Menschen reden oft davon, dass sie nur halbe Menschen sind, sie propagieren das Bild von einer „besseren“ - weil fehlenden - „Hälfte“. Sie wissen intuitiv um ein Ganzheitserlebnis. So erweitert immer wieder der Mann sein Ich, indem er zusammen mit einer Frau ein Wir wird, und die Frau erweitert ihr Ich, indem sie zusammen mit einem Mann ein Wir wird. Der Mann wird zum ganzen Menschen durch die Frau und die Frau wird zum ganzen Menschen durch den Mann. Als zwei Verschiedene werden sie ein Ganzes. Sie werden ein Wir und ganz – körperlich, in der Seele, im Geist. Das Thema „Kugelmensch“ aus der Philosophie Platons klingt hier an. In ähnlicher Weise kann man auch den biblischen Schöpfungsmythos verstehen: Beide, Mann und Frau, sind das Bild vom ganzen Menschen. Nirgendwo anders können Gegensätze zugunsten des Gemeinsamen so stark in den Hintergrund treten als in der Intimität eines Paares. Nirgendwo sonst kann dualistisches, die Gegensätze betonendes Denken durch ein polares, einander bedingendes und ergänzendes Denken abgelöst werden.

 

- Gehen wir weiter zum „Schöpfer“-Aspekt der Zweierbeziehung. Jede Frau und jeder Mann verstehen sicher, warum ich „Schöpfer“ in Anführungszeichen setze. Aber trotz der übermenschlichen Größe des Geschehens ist die Weitergabe des Lebens der Höhepunkt und die höchste Auszeichnung von Mann- und Frau-Sein. Väter und Mütter sind die Grundlage für unser aller Leben. Aus ihrem Tun, aus der Zeugung neuen Lebens kommen Wertschätzung und Würde. Wer dieses Tun verstanden hat und ehrt, wird diese Größe ebenfalls zu erreichen versuchen. Zweisamkeit führt zum Kind und somit weit über die Zweisamkeit hinaus. Denn das „Schöpfer“-Erleben dient dem Fortleben, dient der Erhaltung der Art. Mann und Frau sind eingebunden in ein Gesamtkonzept der Schöpfung, sind Teil eines beide übergreifenden Vorgangs. Sie sind da für einen Zweck, der den Einzelnen und das Paar übersteigt, in den Dienst nimmt und fordert. Hier gibt es nun heute eine einschneidende Veränderung. Das „Schöpfer“-Erleben wird immer stärker von den anderen Erlebensweisen der Paarbeziehung abgekoppelt. Die Folgen für den Einzelnen, die Paare und die Gesellschaft sind noch kaum überschaubar.

 

- Ich komme zum Gesundheits- und Vitalitätsaspekt der Paarbeziehung. Mann-Sein und Frau-Sein gehören zu den großen Antriebsaggregaten des Lebens. Sie halten Menschen in Bewegung, können eine fade Nähe und bloße Geschwisterlichkeit verhindern und geben Impulse für Arbeit, Beruf, Freizeit usw. Sie sind aber auch dazu da, Antriebe, Impulse und Bewegungen aufzufangen und nicht ins Zerstörerische abgleiten zu lassen. Beziehungen geben Menschen ein Zuhause, holen uns aus der Grenzenlosigkeit und Unüberschaubarkeit des Lebens in einen überschaubaren Raum, in einen Raum der Entspannung und Erholung, der Kreativität und Glückserfahrung. Lebendige Beziehungen gestalten unsere Seelenlandschaft, dienen unserer Gesundheit und der Gesundheit und dem Wohlergehen der Gesellschaft.

 

- Und schließlich komme ich zum schönsten Bild. Hier liegt die Stärke der Theologie, aber auch eine starke Herausforderung für die Theologie. Sie sagt: Im Paar-Sein wird die göttliche Wirklichkeit präsent. Karl Rahner hat einmal geschrieben, Gott wachse im Menschen, je positiver dessen Beziehung zu den Dingen sei, und umgekehrt (45). „Dinge“ meint in dieser Sprachwelt immer Schöpfung. In der Zweisamkeit wird göttliche Wirklichkeit präsent, bekommt Gott ein Gesicht, eine Stimme, wird er „begreifbar“. Gott hat dann nicht nur einen Namen, er ist Berührung, Leuchte, Wort, Duft, Geschmack. So wird das Menschliche zu einer tiefen Erfahrung des Göttlichen. Die göttliche Erfindung der Geschlechtlichkeit erweist sich somit als auf Gotteserfahrung hin ausgelegt. Und die menschliche Liebe wird darüber hinaus, wie es Bert Hellinger so schön ausgedrückt hat, zu einer Ahnung für etwas Kommendes. „Diese Liebe nimmt, was einmal sein wird, schon vorweg“ (46).

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Bedenkt und meditiert man unsere menschliche Grundausstattung als Frauen und Männer, kommt diese Ausstattung zum Erleben und hat man eine Vision von einer guten Endgestalt, dann steht man voll in der Schöpfung und voll in der guten Idee Gottes. Dann wird auch das Ja zu unserer Gestaltungsaufgabe leichter – trotz aller Fragen, offenen Stellen, trotz aller Probleme und Einwände, die aus der existentiellen Kommunikation mit den irdischen Wirklichkeiten entstehen. Man wird sich dann nicht mehr aus diesem „Spiel“ der Liebe und seiner Gestaltung ausklinken. Man wird nicht mehr darauf verzichten, der in der Schöpfung wohnenden Liebe zu begegnen und die Kunst des Liebens zu lernen, zu der auch die „Kunst, gut zu lesen“ gehört - damit Leben gelingt.

 

Eine Grunderkentnis therapeutischer Arbeit: Alle wünschen sich Qualität

 

Wie überall im Leben gibt es auch in der Paarbeziehung Planlosigkeit, Schlendrian, Lässigkeit, Fehlprogramme, Fehlverhalten, Unstimmigkeiten, Misstöne, Störfaktoren, Hindernisse, Dominanz des uns umgebenden „Marktes“, „Risiken und Nebenwirkungen“. Und es gibt im Ergebnis Kümmerversionen und Torsos. Auch wenn der Mensch von Haus aus „aufgrund mehrerer körpereigener Systeme in Richtung Kooperation und `Menschlichkeit´ ausgerichtetes Wesen“ (47) ist, sind doch viele Paarbeziehungen ebenso Leid erzeugend wie wohltuend, sind geeignet, uns krank zu machen, unsere Lebendigkeit zu lähmen,  ja uns manchmal fast umzubringen. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2010 sind ein Drittel der Langzeitehepaare „stabil unglücklich“ bzw. „unsicher und resigniert in der Beziehung“. Gerade im Paarraum wird ja das Entgegenstehende besonders schmerzlich empfunden. So wird ein Nachdenken unausweichlich. Wir brauchen heute ein genügend gutes Wissen über Störungen und Störanfälligkeiten. Gerade in diesem Beitrag möchte ich darauf hinweisen, dass Störungen überall dort entstehen, wo Qualitätselemente außer Acht gelassen werden. Über kurz oder lang kommt es dann zu Rückmeldungen in Form von unangenehmen Auffälligkeiten oder Krankheiten, und es kommt die „Abspeisung“ über Symptome. Nach einer asiatischen Weisheit entsteht Krankheit immer dann, wenn der Mensch seinen Lebensweg verloren hat. Denn „man erkrankt an der Logik“, sagt diese Weisheit. Auch Dietrich Bonhoeffer sah Krankheiten und Symptome als Hinweise auf mögliche Verletzungen von Grundwahrheiten, zu denen jedoch das Leben über die Mahnung der Symptome früher oder später wieder zurückfinden will und wird.

 

Motiviert durch zahlreiche Problem- und Krisensituationen in der Paarbeziehung kommen Menschen zur Beratung – weil eben die Qualität nicht stimmt. Ich fasse einige berufliche Erfahrungen zusammen, die natürlich nur einen subjektiven Ausschnitt aus einer Problemmenge darstellen. Welche Qualität wünschen sich Klientinnen und Klienten? Welche Schritte und Ergebnisse werden vorzüglich mit Qualität verbunden?

 

Qualität wünschen sich viele in einer Beziehung Lebende in der Form, dass sich etwas tut, dass wieder Leben in die Bude kommt, dass etwas Stagnierendes oder Festgefahrenes aufbricht. Ganz stark im Vordergrund meiner Erfahrungen steht eine Schieflage, die Joachim Bauer so beschreibt: „Problematisch wird es, … wenn sich das Schema ausbildet, dass sich regelmäßig nur einer der beiden Partner auf den anderen einstimmt, nicht aber umgekehrt. Wenn ich niemals die Erfahrung mache, dass der Partner (die Partnerin) Freude daran hat, sich auf meine Absichten, Stimmungen und Gefühle einzulassen, und wenn es stattdessen immer nur an mir ist, auf den Partner einzugehen, dann lässt die Freude an der Beziehung nach. Wird ständig nur von mir erwartet, mich zum Partner hin zu verändern, dann geht meine Identität verloren. Viele Liebende… haben sich an einen solchen Zustand derart gewöhnt, dass sie die Schieflage gar nicht mehr spüren“ (48). So gibt es oft auch keine Entwicklung auf das Große des Lebens hin, keinen gemeinsamen Geist, keine gemeinsame Vision. Qualität wäre für viele um Rat Suchende bereits die Tatsache, dass auch der Partner das Gespräch sucht, ein Buch in die Hand nimmt oder zur Therapie bzw. Beratung mitkommt. Das wäre bereits der Beginn einer neuen Bewegung.

 

Des Weiteren kann man leicht feststellen: Viele Paare haben ein Kommunikationsproblem. Sie reden nicht miteinander. Sie hören nicht aufeinander. Und sie können oft grundsätzlich nicht reden. Dies liegt aber nicht in erster Linie daran, dass es sich nach den Worten von Bert Hellinger bei der Zweierbeziehung um ein ausgesprochen intimes Geschehen handelt, das mehr der Verborgenheit, dem Gehemnis, der Nacht angehört und angehören muss, über das man nur schwer sprechen kann, ohne das Erlebte zu schmälern, zu beschädigen, zu vernichten (49). Viele sind einfach unfähig, gerade den intimen Erlebnisraum dezent zu beschreiben. Wir leben vielfach in einer Kultur, die über die Gehalte und die Atmosphäre eines gelungenen Paar-Raumes noch kaum sprechen kann. Viele haben keine Ausdrucksmittel, kein Deutsch für wesentliche Lebensinhalte, keine Sprache, keine Bilder, keine Vorstellungen für Ungegenständliches, für Zustände, in die wir eingetaucht sind, für Bezüge, in denen wir leben. Manche leiden aber auch daran, dass immer wieder ihre Dialogwünsche weggeküsst oder durch erdrückende Umarmungen und Beischlaf „kassiert“ werden. Qualität wäre für viele Hilfe Suchende schon erreicht, wenn man wieder miteinander reden könnte, über das Gemeinsame und das Unterschiedliche, über Werte und Praktiken, über Ordnungen der Liebe und des Lebens, über die Lebenspläne, über die Öffnung nach außen – wenn also ein Deutsch entwickelt würde, das es noch nicht gibt (50).

 

Qualität wird dort ebenfalls vermisst, wo das Intime verloren gegangen ist. Der Vollzug der Liebe findet nicht mehr statt. Es gibt kein intimes Erleben mehr. Der Vollzug der Liebe wird ausgesetzt, Körperlichkeit, Sinnlichkeit, Lust werden verleugnet, Verlangen und Gewähren finden nicht mehr statt, die Normalität der Paar-beziehung ist in Verruf gekommen. Man springt, um bei einem Bild von Bert Hellinger zu bleben, nicht mehr vom jeweiligen Ufer aus in den Fluss, lässt sich von ihm nicht mehr tragen und treiben und endet auch nicht im großen weiten Meer der Erfüllung.

 

Qualität ist auch dort angefragt, wo eine Engführung in den „Sex“ stattfindet, wo alle möglichen Spielarten von „Sex“ ausprobiert werden, wo der andere in seiner Ganzheit nicht mehr gesehen, gesucht und gefunden wird, wo der andere ohne Ansehen bleibt. Hellinger hat zu diesem Thema einmal klar und deutlich geschrieben: „Sex ist für die Seele ein Unwort, denn es fehlen ihm die Seele, die Tiefe, die volle Leidenschaft, das Erkennen des anderen und das Sich-selbst-im-anderen-Erkennen-und-Finden. Welche Kraft dagegen hat das alte und heutzutage verpönte Wort Wollust. In ihm spürt man die Bewegung, die Hitze, die Leidenschaft, den Knäuel, das Zupacken, das Umschlingen, das Vorwärtsdrängen, den Höhepunkt und die selige Entspannung“ (51). Peter Sloterdjk hat, wie bereits erwähnt, dem Paar-Raum große Qualität zuerkannt. Doch Qualität ruft auch nach Einlösung. Ein genitales Team zu bilden ist für den Philosophen zu wenig. Qualität besteht für ihn in einer Begegnung von Angesicht zu Angesicht, besteht in dem, was die Bibel „Erkennen“ nennt, was „sämtliche Schichten der körperlichen und kulturellen Struktur der beiden Personen umfasst“ (52).

 

Viele suchen Liebe nach der Verliebtheit. Sie haben erfahren, dass in der Verliebtheit oder in der stürmischen Liebe manches eigene Los verdunkelt oder zugedeckt wird, und dass oft die eigene Realität und die des Partners übersehen werden. In der wirklichen Liebe wird die Beziehung zu einem „Unternehmen“ von zwei Menschen, die ihre je eigene Geschichte haben, die in der Art interessant sind, wie sie sind, die mit beiden Beinen im Leben stehen und sich auch, aber nicht nur, mit beiden Beinen bewegen.

 

Manchmal ist das emotionale Band so eng, dass einem Partner die Luft zum Atmen ausgeht. Qualität wäre für viele, wenn die Frage gelöst wäre: Wie viel „Ich“ braucht eine Beziehung und wie viel „Wir“? Wenn jemand den Partner an sich zieht mit der Vorstellung „Ich kann ohne dich nicht leben“, dann ist dies ein nicht auszuhaltender Eingriff in den Lebensweg des Anderen. Ebenso schlimm ist es, wenn eine Paarbeziehung nach dem Motto gelebt wird: „Es geht auch ohne dich.“ Bert Hellinger führt dazu aus: “Man nennt das Selbstverwirklichung. Genauer gesagt ist es eine Ichverwirklichung. Sie trennt…“ (53). Qualität wäre hier ein gesunder Ausgleich der Bedürfnisse nach Verbundenheit und nach solider Eigenständigkeit.

 

Immer häufiger kommen Klienten, die selbst oder deren Kinder an der Beziehung krank geworden sind. Gute Beziehungen gehören zu den notwendigen gesundheitsfördernden Lebensbedingungen und verhindern die Bildung von Symptomen. Symptome sind vielfach Langzeiteffekte aus defizitären und gestörten Beziehungen. Das nicht Erreichte, das nicht Gelebte, das Vertrödelte, das Ausgeschlossene meldet sich zu Wort. Es tritt auf in diversen Symptomatiken, in Süchten, Ersatzhandlungen, Verhaltensstörungen, Motivationsausfällen, chronischen Schmerzen, Burnout-Syndromen, Nervosität, Arbeitswut usw… So schlägt die Wirklichkeit, ihre missverstandene Logik und ihr verleugnetes Potential zurück. Zur Gesundung braucht man dann mehr als bildgebende Verfahren der Radiologie.

 

Manchmal sind die Kinder im Beziehungsbereich an die erste Stelle gerückt. Viele Paare geben - danach gefragt - auch mit einem schamhaften Lächeln zu, dass die Kinder den Vorrang vor dem Partner bekommen haben. Auch das schränkt das Paarleben ein. Die Spielräume werden enger. Und die Kinder werden belastet – vor allem Mamas Söhne und Papas Töchter.

 

Begegnungen werden auch aus dem Grund immer schwieriger, weil nicht nur wir Menschen heute differenzierter sind als früher, sondern auch, weil wir aus Herkunftssystemen kommen, die spezifische Strukturen und Muster gebildet haben. Gerald Hüther stellt fest: „So verfügt jede Familie, jede Sippe, jede menschliche Gemeinschaft über ein charakteristisches Spektrum an Signalen, Ausdrucksformen, Verhaltensweisen, Regeln und Vorschriften, über Einstellungen und Haltungen, Erfahrungen und Überlieferungen. Diese bestimmen die Intensität und die Art der Beziehungen“ (54). Der Einzelne gerät so zwangsläufig in Beziehungsschwierigkeiten. Diese „können in Extremfällen ein Zusammenleben mit allen anders sozialisierten Menschen unmöglich machen“ (55). Viele Paare schleppen auch Belastungen aus der Lebens- oder Familiengeschichte mit, nicht nur tief verankerte und schwer erschütterbare Vorstellungen, sondern auch massive Verstrickungen und Bindungen an familiäre Schicksale, an familiäre Dramen und Traumata, an Leid und Schuld der Vorfahren. Eine Mutter sagte z.B. im Blick auf ihren Mann, den Vater ihres Kindes, immer wieder: „Ich bin eine gebrochene Frau“. Das Kind kann dann nur schwer das Schicksal der Eltern in der Vergangenheit ruhen lassen und den Tanz des eigenen Lebens lernen. Ähnliches gilt bei persönlichen Missbrauchserfahrungen oder bei Missbrauch im System. Über Familien- bzw. Traumaaufstellungen erhalten Gottseidank Klienten inzwischen immer öfter neue Sichtweisen und steigern so die Qualität der Beziehung. Neue Qualität entsteht, wenn ein Nachkomme das Schicksal der Vorfahren in der Vergangenheit ruhen lässt, ohne es auf sich zu nehmen, ohne zu leiden, ohne zu beschuldigen oder zu entschuldigen

 

Eines der größten Probleme für das partnerschaftliche Erleben ist ein Leben in einem von der Außenwelt geprägten Modus. Dann sind Arbeit, Essen und Trinken, Hobbies, Spiel und Sport, Unterhaltung, Fernsehen usw. wichtiger geworden als partnerschaftliche Höhepunkte. Dann brauchen Männer keine Frauen und Frauen keine Männer mehr. Man braucht einen Liebhaber, einen Schwarm, ein Film-, Fernseh- oder Magazin-Idol – oder eine Köchin bzw. einen Chauffeur, eine Putzfrau oder einen Gärtner, eine Wirtschafterin oder einen Hausmeister. Sich in der Tiefe verpflichtet zu fühlen, gehört fast zur „Risiko-Kultur“. Völlig zu Recht diagnostiziert hier Peter Sloterdijk, dass wir uns heute nicht mehr auf das Große des Lebens hin entwickeln, vom Himmel der Metaphysik ganz zu schweigen. Es gäbe kaum mehr angestrebte Alternativen zu Konsum und Unterhaltung, diese furchtbaren Ersatzbildungen, die durch den Einbruch der Außenwelt noch verstärkt werden. Und wörtlich sagt er: „Wir machen unsere Seefahrten am Computer oder mit Hilfe von Büchern, die als Raumgleiter dienen“ (56). Sloterdijk mahnt eine grundsätzlich neue Atmosphäre des Zusammenlebens an – und diese muss man „produzieren“. Sie kann nicht mehr naiv vorausgesetzt werden. Mit solchen Hinweisen spricht der Philosoph vielen meiner Klientinnen und Klienten aus dem Herzen.

 

Viele Paare erfahren heute die Macht der Außenwelt als bedrohlich. Ihnen fehlen der nötige Schutz, die nötige Rücksichtnahme aufeinander, klare Grenzziehungen. Sie fühlen sich ausgeliefert und ängstigen sich immer mehr, weil sie spüren: Politik und Gesellschaft schützen die besondere Form der Ehe nicht mehr. Sie schützen vor allem auch die Schwachen nicht mehr. Und den Starken ist alles erlaubt. Soziale und gesellschaftliche Hygiene müssen daher dringendst neu definiert werden.

 

Und dann gibt es den Alltag, die ganz gewöhnliche Alltagsbewältigung. Liebe, die gelingt, ist menschlich, ganz nahe am Gewöhnlichen. „Gewöhnlich in unserem Leben ist“, sagt Bert Hellinger, „was sich vom Leben anderer Menschen kaum abhebt. Es bewegt sich im allgemeinen Rahmen… Manche schauen auf das Gewöhnliche herab, als stünden sie über ihm. Doch bald holt sie das Gewöhnliche wieder ein… Das sogenannte Ungewöhnliche erweist sich dem Gewöhnlichen gegenüber nur in der Vorstellung groß“. Es lohne sich, „näher hinzuschauen, was von uns mehr an Liebe verlangt und was die für den Fortgang des Lebens bedeutsameren Wirkungen und Folgen hat“ (57). Qualität des Alltags besteht in klaren Vereinbarungen ebenso wie in spontanem Zugreifen, in kontinuierlichen Zwiegesprächen ebenso wie in stummer Abstimmung aufeinander. Und das will gelernt sein.

 

Harte Themen im therapeutischen Alltag sind immer wieder das Überleben und die Angst vor dem Altwerden in einer erstarrten Beziehung, ein qualifizierter Ausstieg aus einer erschöpften Beziehung, wenn Inhalt und Form nicht mehr stimmen, und besonders der Tod eines der beiden Partner. Diese großen Themen der Beratung, auf die ich aber nicht näher eingehen kann, mögen den Kreis der Qualitätssuche schliessen.

 

Abschließend noch ein Wort zur therapeutischen Praxis: Hier ist es eine schöne Aufgabe, immer wieder Liebe als Geschenk zu erschließen und zu ermuntern, sie im Einklang mit etwas Größerem zu gestalten. Ebenso wichtig ist es aber auch, auf Liebe als Leistung und Gestaltungsaufgabe hinzuweisen. Dass hier etwas zu leisten ist, dass man sich das Kostbarste etwas kosten lassen muss, daran müssen sich viele erst gewöhnen. Oft spreche ich auch die Entwicklung eines Lebensplanes an, damit keine Kümmerversion von Liebe entsteht. Und dass Beziehung eingespielt werden muss, immer wieder an Veränderungen und Herausforderungen angepasst und - wenn nötig - zeitweise auch fachlich begleitet werden muss. Wer eigene Leistung und fachliche Hilfe ins Auge fasst, ist von Haus aus im Vorteil.

 

Ein attraktives Design

 

Ich bin nicht vom Fach. Ich achte die Weisheit des Ausspruchs „Gelernt ist gelernt“. Gelernte Designer wissen mehr. Ihr Können darf man ruhig abrufen, um den Aufbau und die Begleitung von Paarbeziehungen mit treffenden Inhalten und einem attraktiven Design zu versehen. Es gilt ja, Bestes zu propagieren. Gute Anthropologie, gute Philosophie, gute Theologie dürfen und müssen sich Gehör verschaffen.

Ich habe mir einige Balken zu unserem Thema überlegt, die man attraktiv gestalten könnte und müsste. Sie könnten sich um folgende Inhalte drehen: Jetzt ist das Zeitalter des Menschen – Der Mensch ist zurück – Die Wende zum Menschen ist eingeleitet – Aufwachen aus dem Dornröschenschlaf! – Wer sind wir von Haus aus? – Ich bin eine Person – Leben oder nur Überleben – So oder so – Verbunden oder allein – „Die Zweierbeziehung bleibt nach wie vor das zentrale Modell“ (Gerald Hüther, Neurobiologe) – Nach der Verliebtheit: „Ja, dann geht die Liebe erst an“ – Halbe Welt oder ganze Welt – Eingebunden und frei - Konkurrenzlos – Paarbeziehung: Ein zentrales Modell für Glück, Wohlbefinden und Gesundheit – Es geht! – Leistung lohnt sich – Einspielen und Weiterspielen – Qualität hat seinen Preis – Wer nichts tut, der riskiert alles – Wenn Liebe sich mit Wissen verbindet – Gute Mitspieler sind gefragt – Paar-Raum: Ein Raum für Gotteserfahrung – Gewinner ist die ganze Gesellschaft – Keine Macht den Umwelt-„Drogen“ – Keine Macht der „Altersarmut“ usw.

 

 

Zusammenfassung und Ausblick

Was die Zeit sagt und wozu die Zeit drängt

 

Die Zeit ist ein Geschöpf Gottes. Sie bringt immer wieder Neues an den Tag. In ihr geschehen Entwicklungen, die vor Kurzem noch unvorstellbar waren. Auf einige überraschende Entwicklungen, die mein hier dargestelltes Thema betreffen, möchte ich im Schlußteil hinweisen.

 

Eine wichtige Entwicklung der letzten Jahre ist in die Richtung gegangen, dass der Begriff Qualität bzw. Lebensqualität heute in vieler Munde ist. Es liegt eine tiefe Sehnsucht im Menschen, dass sein Leben gelingt, dass es Qualität besitzt, dass es Sinn, Wachstum, Wohlbefinden, Gesundheit, Heilung, Glück und Zufriedenheit hervorbringt. Wortverbindungen wie Qualitätsstandards, Qualitätsmanagement, Qualitätskontrolle, Qualitätssicherung sind für uns feste Begriffe geworden. Doch was ist Qualität genauer? So wie das Wort in der Alltagssprache verstanden wird, ist es ein Wertbegriff, eine Art Gütesiegel, ein Siegel dafür, dass etwas passt. Qualität ist demnach eine Wertaussage über eine Sache, über einen Vorgang, über ein Arbeitsergebnis und Ähnliches. Es sollen gewisse Erfordernisse für eine Aufgabe erfüllt werden. Die Funktionstüchtigkeit in einem System soll gewährleistet, die Störanfälligkeit auf ein Minimum reduziert werden. Qualitätselemente sind Sicherheit, Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit, aber auch Genusswerte, soziale Werte und Sinnerfüllung. Lebensqualität ist somit eine Wertaussage darüber, ob etwas dem menschlichen Leben dient, dem Wachstum, dem Wohlbefinden, der Gesundheit, dem Glück, ob etwas sinnvoll, angemessen, zweckmäßig und zielgerichtet ist, kurz und gut und noch einmal, ob etwas passt.

 

Eine weitere Entwicklung der Zeit ist die tiefe Sehnsucht der Menschen, dass Liebe gelingt. Durch zahlreiche Erhebungen ist offenkundig: Inhaltlich wird von den meisten Menschen Lebensqualität immer noch so definiert, dass auf der Basis von Mann-Sein, Frau-Sein und Paarbindung Liebe gelingt, was immer auch individuell damit gemeint sein mag. Auch zahlreiche Fachwelten beschäftigen sich, genauer, beschäftigen sich immer mehr, wie qualifiziertes Leben im Zeichen der Liebe gelingen und was dafür getan werden kann. So gehört es nach dem Neurobiologen Gerald Hüther, den ich immer wieder gerne zitiere, zu den dringendsten Aufgaben unserer Zeit, Liebe in Erfahrung zu bringen, die in der jeweiligen Umwelt gemachten Erfahrungen zu sammeln, zu bündeln und zu prüfen und das entsprechende Wissen weiterzutragen (58). Nach Martin Buber entsteht Qualität in der Kunst eines Paares, „einander das Du zu offenbaren“ (59), aufeinander hin ein gutes Miteinander zu leben, aber auch der Individualität des anderen und seiner selbst genügend Raum zu geben. Peter Sloterdijk geht es darum, nach dem von ihm diagnostizierten Scheitern des Projektes Weltseele „kleinere Beseelungs-Inseln zu kultivieren“ (60), und mit dem „Ausgangspunkt“ Menschenpaar oder Dyade Inseln gelungenen Lebens zu schaffen (61). Der Meister einer geerdeten Spiritualität, Bert Hellinger, hat in seiner Arbeit und in seinen Büchern einen ungeheuren Schatz an Wissen und Einsichten zusammen und an Tausende herangetragen, um das Gelingen von Liebe zu fördern. Und die katholische Theologie, aus deren Welt ich komme, hat die Qualität der ehelichen Beziehung immer lehramtlich verteidigt und gepredigt, aber leider nicht immer praktisch gefördert.

 

Eine weitere Entwicklung ist ebenfalls erstaulich: Die Frage nach dem Menschen ist nicht mehr aufzuhalten. Vor allem die Naturwissenschaften wagen es inzwischen immer mehr, bei der Untersuchung der Entwicklung der vielfältigen Formen des Lebens, sich der kompliziertesten „Materie“, sich dem Menschen selbst zuzuwenden. Man spricht schon seit langem von der „anthropologischen Wende“, vom Heraufkommen des „anthropologischen Zeitalters“, vom Ende der Privilegierung und vorrangigen Konzentration auf Wirtschaft und Technik. Schließlich wird ja auch immer mehr offenkundig, worauf Letzteres hinausläuft. Die Frage nach dem Menschen ist heute neu gestellt. Sie ist nicht mehr auszubremsen und aufzuhalten. Auch im Reich des „Menschlichen“ werden die durch die Natur, die Evolution, die Schöpfung gegebenen Fakten in ihrer Substanz und in ihren Zusammenhängen studiert und bearbeitet. Alle bedeutsamen menschlichen Erfahrungen – und gerade die Erfahrungen in Grund- und Grenzsituationen – werden zur Sprache gebracht. Dazu gehört auch das höchste menschliche Ereignis, die Liebe. Und dazu gehört der Boden, auf dem sie gepflanzt ist, die Mühe, die zu ihrem Gedeihen nötig ist, und das Wissen um die Frucht, um eine angestrebte Endgestalt.

 

Und dann hat noch eine überraschende Kehrtwendung stattgefunden. Wir sind neuerdings immer mehr eingetaucht in die Frage, was das Leben eigentlich will, wenn es uns so aufstellt, wie wir aufgestellt sind, wenn es uns so ausstattet, wie wir ausgestattet sind, wenn es uns Gestaltungsaufgaben gibt und auf ein Ziel hin ausrichtet. Der Blick wendet sich dabei immer mehr ab von dem, was der einzelne Mensch will oder nicht will. Das Umfassendere wird thematisiert, die Erforschung dessen, was das Leben will - und welchen Raum es dem Wollen des Menschen gibt. Wir werden zurückrudern und uns zurücknehmen müssen. Ein bestimmtes menschliches Wollen hat in der Vergangenheit sicher Großes geleistet, es hat aber das Leben letztlich doch nicht bestimmbarer und verlässlicher gemacht. Die Erforschung dessen, was das Leben selbst will, soll die heutige Unbestimmbarkeit, die heutige Unsicherheit erträglicher machen und uns leichter leben helfen. Welche Kehrtwende, welche gereinigte, welche revolutionäre Sicht, welche Chance für einen Neuanfang! Welche Chance auch für eine „Theologie der Zeit“, für das, was die Zeit offenbart und was aufgegriffen werden will!

 

Meine Ausführungen in diesem Kapitel verstehe ich abschließend als Beitrag zur guten Nachricht, zur frohen Botschaft, dass Mann-Sein, Frau-Sein, Paar-Sein eine Idee Gottes und eine zentrale Grundlage der Liebe sind. Ich bin dabei von der Hoffnung getragen, dass mein Mühen dazu dient, das wunderbare Phänomen der Liebe in seinem Geschenkcharakter immer tiefer zu entdecken und es schöpferisch zu gestalten. Wir sind dazu in der Lage. Wir können es. Wir haben alle Möglichkeiten.

 

Anmerkungen

1 Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, siehe Internet unter Nietzsche-

   Aphorismen, www.textlog.de, 270

2 Kirchliche Verlautbarung, Quelle leider nicht mehr auffindbar

3 Hunter Beaumont, Auf die Seele schauen, München 2008, 80

4 Bert Hellinger in HellingerZeitschrift 01/2010, 4 – Versand durch Hellinger sciencia,

   Postfach 2120, D 83462 Berchtesgaden

5 Bert Hellinger, Gedanken unterwegs, München 2003, 150

6 Ebd. 150

7 Bert Hellinger, Liebesgeschichten, München 2006, 49 f.

8 Bert Hellinger, Die Liebe des Geistes, Hellinger Publications, Bischofswiesen 2008, 46

9 Johannes Neuhauser (Hrsg.), Wie Liebe gelingt, Heidelberg 1999, 197

10 Ebd. 197

11 Ebd. 197 f.

12 Bert Hellinger, Liebesgeschichten, München 2006, 16

13 Bert Hellinger, Liebe und Schicksal, München 2003, 242

14 Bert Hellinger, Liebesgeschichten, München 2006, 231

15 Ebd. 231

16 Bert Hellinger, Gedanken unterwegs, München 2003, 151

17 Martin Buber, Ich und Du, Heidelberg 1979, 57

     Siehe auch Internet, Materialdienst Evangelischer Arbeitskreis Kirche und Israel in

     Hessen und Nassau, Essay von Evelyne Goodman-Thau über „Martin Buber, Denker

     des Zwischenraumes“

18 Siehe: Peter Sloterdijk – Hans-Jürgen Heinrichs, Die Sonne und der Tod, Frankfurt am

     Main 2006, 136 ff.

19 Siehe: Pierre Teilhard de Chardin, Der Mensch im Kosmos, München 1959

20 Peter Sloterdijk – Hans-Jürgen Heinrichs, Die Sonne und der Tod, Frankfurt am

     Main 2006, 146

21 Gerald Hüther, Die Evolution der Liebe, Göttingen 2000, 7

22 Gerald Hüther, Die Freiheit ist ein Kind der Liebe, Freiburg im Breisgau 2012, 14

23 Ebd. 41

24 Ebd. 41

25 Ebd. 34

26 Ebd. 42 f.

27 Maik Hosang, Die Liebe ist ein Kind der Freiheit, Freiburg im Breisgau 2012, 13

28 Ebd. 13

29 Ebd. 14 f.

30 Ebd. 15

31 Ebd. 7

32 Siehe: Joachim Bauer, Warum ich fühle, was du fühlst, München 2006, 101

                                          Prinzip Menschlichkeit, Hamburg 2007, 34-37

33 Gerald Hüther, Die Freiheit ist ein Kind der Liebe, Freiburg im Breisgau 2012, 97

34 Ebd. 16, 38

35 Christ in der Gegenwart 6/2013, Freiburg im Breisgau, 67

36 Ebd. 67

37 Ebd. 67-68

38 Ich verweise besonders auf die Werke „Die Sonne und der Tod“ und „Weltfremdheit“

39 Michael Lukas Moeller, Die Wahrheit beginnt zu zweit, Hamburg 1997

40 Ebd. Klappentext

41Bert Hellinger, Gedanken unterwegs, München 2003, 162

42 Siehe u.a. Wilfried Nelles, Umarme dein Leben, Köln 2012, 122 ff. und 154 ff.

43 Publik-Forum 5/2008

44 Siehe Bert Hellinger, Die Quelle braucht nicht nach dem Weg zu fragen, Heidelberg

     2001, 118

45 Man lese dazu Karl Rahner, Glaube, der die Erde liebt, Das erste Gebot, Freiburg im

     Breisgau 1966, 83 ff.

46 Bert Hellinger, Gedanken unterwegs, München 2003, 151

47 Joachim Bauer, Prinzip Menschlichkeit, Hamburg 2007, 71

48 Joachim Bauer, Warum ich fühle, was du fühlst, München 2006, 101 f.

49 Bert Hellinger, Quelle nicht mehr auffindbar

50 Peter Sloterdijk – Hans-Jürgen Heinrichs, Die Sonne und der Tod, Frankfurt am

     Main, 2006, 141 ff.

 

51 Bert Hellinger, Glück, das bleibt, Stuttgart 2008, 26

52 Hans Rainer Duncker, zit. in Gerald Hüther, Die Freiheit ist ein Kind der Liebe,

     Freiburg im Breisgau 2012, 50

53 Bert Hellinger, Liebe und Schicksal, München 2003, 36

54 Gerald Hüther, Die Freiheit ist ein Kind der Liebe, Freiburg im Breisgau 2012, 77 f.

55 Ebd. 78

56 Peter Sloterdijk – Hans-Jürgen Heinrichs, Die Sonne und der Tod, Frankfurt am

     Main 2006, 239

57 Bert Hellinger, Innenreisen, München 2007, 28

58 Siehe Gerald Hüther, Die Freiheit ist ein Kind der Liebe, Freiburg im Breisgau 2012

59 Martin Buber, Ich und Du, Heidelberg 1979, 57

60 Peter Sloterdijk – Hans-Jürgen Heinrichs, Die Sonne und der Tod, Frankfurt am Main

     2006, 216

61 Ebd. 234

 

Zum Anfang des Artikels >>>