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Glaubenskrise – von der Kirchenleitung über mehrere Jahrhunderte verursacht:

Das Auseinanderfallen von Vernunft und Glaube

 

Weil die Kirche die Erkenntnisse der Naturwissenschaften über die kosmische Ordnung der Erde und der Gestirne im Weltall ebenso ablehnte und unterdrückte wie später die Erkenntnisse über die Entstehung der Erde und des Menschen, fiel für die Gläubigen immer mehr Glaube und Vernunft auseinander und gerieten in einen unseligen Gegensatz zueinander.

 

Beispiele:

O Die Erde ist im Vergleich zu den Sternen und zu manchen anderen Planeten eine sehr kleine Kugel

O Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Weltalls, sondern dreht sich um die Sonne, die sich um das Zentrum der Milchstraße dreht, von denen es ca. 100 Mrd. im Weltall gibt

O Es ist nicht auszuschließen, dass es auf Planeten, die sich um die anderen Sterne drehen, auch menschenähnliche Wesen mit Bewusstsein gibt

O Der „Himmel“ Gottes ist nicht „oben“, „hinter den Sternen“ im Weltall. Die ungeheuren Weiten des Weltalls sind zum größten Teil leer, dunkel und extrem kalt.

O Die Erde ist nicht vor wenigen Jahrtausenden von Gott direkt erschaffen worden, sondern ist aus dem Staub explodierter Riesensterne vor ca. 4,6 Mrd. Jahren entstanden.

O Menschen sind nicht vor wenigen Jahrtausenden unmittelbar nach der Entstehung der Erde von Gott direkt erschaffen worden, sondern haben sich vor ca. 3 Mill. Jahren aus dem Tierreich entwickelt, wobei die Vorfahren der heute lebenden Menschenaffen, die vor ca. 7 Mill Jahren gelebt haben, auch die Vorfahren der Menschen sind.

O Menschen und Tiere sind also nicht gleichzeitig direkt von Gott erschaffen worden. Es gab schon viele Hundert Millionen Jahre vor der Existenz der Menschen Tausende verschiedener Tierarten, die zum größten Teil ausgestorben sind. Und es gab zuvor die Vorläufer der Tiere, die Mikrolebewesen, die Einzeller und die ersten Urzellen vor ca. 3,7 Mrd. Jahren.

O Der Wert des Lebens von Menschen und Tieren lässt sich nicht mehr so eindeutig unterscheiden, seitdem die Existenz von Bewusstsein auch bei Schimpansen nachweisbar ist. (Manche afrikanische Völker waren erschrocken, als europäische Missionare zu ihrer eigenen Nahrung auch Schimpansen jagten, während sie selbst dies wegen der Menschen-Ähnlichkeit dieser Tiere nicht taten).

O Mit dem „Ende der Welt“ ist nicht in naher Zukunft und nicht in wenigen Jahrhunderten oder Jahrtausenden zu rechnen. Die Sonne kann vermutlich noch einige Milliarden Jahre Licht und Energie liefern. Eine Zerstörung der Erde durch die Menschen oder durch Naturkatastrophen wäre nicht das „Ende der Welt“ im religiösen Sinne und wäre nicht die im Glauben erhoffte „Vollendung der Welt“.

 

Diese Erkenntnisse stellten den christlichen Glauben, der sich auf die von der Kirche wortwörtlich verstandenen biblischen Schöpfungserzählungen stützte, radikal in Frage.

Da die Kirchenleitung nicht willens und in der Lage war, die biblischen Texte neu zu interpretieren, bzw. manche Aussagen dort als überholt zu betrachten, unterdrückte sie die Erkenntnisse der Wissenschaften und zwang die Gläubigen durch „Glaubensgehorsam“, durch Leseverbote („Index“) und Denkverbote („Glaubenszweifel sind Sünde“) und durch „Ketzerverfolgung“ (Folter und Tötung) an den überholten Glaubensvorstellungen festzuhalten.

 

Folgen:

O Aus dem kirchlichen Herrschafts- und Einflussbereich wird das wissenschaftliche Arbeiten und Publizieren vertrieben.

O Die naturwissenschaftlich informierten Kreise machen sich über das Christentum und die Kirche immer mehr lustig und verachten oder bekämpfen sie.

O Viele Gläubige bekommen Angst vor ihrem eigenen Denken, denn ihre Vernunft gerät in krassen Widerspruch zur den kirchlichen Lehraussagen. Die dadurch entstehenden Glaubenszweifel sind für manche sehr belastend und verwirrend.

O Manche Gläubige gewöhnen sich an, ihren Verstand bei Glaubensthemen grundsätzlich auszuschalten. Sie erfahren sich dann aber hilflos gegenüber den Fragen ihrer Kinder und Enkelkinder und merken, dass sie ihren Glauben nicht mehr vermitteln können und die folgende Generation ungläubig zu werden droht. Manche Eltern und Großeltern leiden sehr unter dieser Erfahrung.

O Der Verzicht auf eigenes kritisches Denken in Glaubensfragen führt zu geistiger Erstarrung in der Glaubensreflexion der Gläubigen und zu deren Unmündigkeit. Die Folge ist eine große Unsicherheit und bei vielen eine erschreckende Unwissenheit in Glaubensfragen.

O Auf der unbewussten Ebene entstehen durch die Ausklammerung der Vernunft langfristig Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle, aber auch Aggressionen, die sich gegen die kirchlichen Autoritäten richten können, aber auch umgelenkt werden können auf Mitmenschen des Alltags oder auf gesellschaftliche Gruppen.

O Wenn die Schöpfungstexte der Bibel wortwörtlich geglaubt werden, besteht die Gefahr, dass auch die überholten Texte des Alten Testamens, die Gott manchmal gewalttätig und grausam darstellen, bzw. in denen Gott grausames Verhalten von den Menschen fordert, wortwörtlich verstanden werden. Wenn Gott grausam ist, darf auch der Mensch grausam sein: Solch fundamentalistische Gläubigkeit neigt zur Unterstützung von diktatorischen Regierungssystemen, zu Intoleranz und zu extremer Strenge gegenüber Außenseitern, gegenüber Randgruppen der Gesellschaft und gegenüber Andersgläubigen. Von solchen fundamentalistisch Gläubigen wird Unterdrückung, Zwang und Gewaltanwendung stärker befürwortet als Dialog, Kompromiss und das Bemühen um Verständnis und ein friedliches Miteinander.

 

Die Erklärungen zu einem positiven Verständnis von naturwissenschaftlichem Weltbild und christlichem Glauben in den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzil (In „Gaudium et Spes“ 1965), in der Rede von Papst Johannes Paul II. 1979 im Kölner Dom und die Aussagen der Päpstlichen Akademie 1982 zur Evolution sind alle sehr allgemein. Eine differenzierte Darstellung des Verhältnisses der biblischen Aussagen und der entsprechenden kirchlichen Glaubenslehre zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit hat niemals stattgefunden.

Die dafür notwendigen Enzykliken fehlen –
ebenso die entsprechenden Änderungen der Gebetstexte.

Man stelle sich vor, die Kirche hätte zu Fragen der Psychologie und des naturwissenschaftlichen Weltbildes Glaubensaussagen und Gebete, die eine ähnliche Wertschätzung, Überzeugungskraft und Wirkung hätten wie ihre „Katholische Soziallehre“.

Leider sind aber in diesen Bereichen die Defizite beschämend.

 

Und man stelle sich vor, die Theologie von „Gaudium et spes“, von „Redemptor hominis“, von „Sollicitudo rei socialis“ und von „Laudato si“ würde die Spiritualität unserer Gottesdienste prägen – würde dann auch der Gottesdienstbesuch so drastisch schwinden??

Leider beten wir völlig anders (eher mittelalterlich) als eine zeitgemäße Glaubenslehre zu glauben lehrt. Wohl auch deshalb ist diese Glaubenslehre so wenig bekannt.

 

Diese neue Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus, die viele alte und über Jahrhunderte vergessene Schätze der katholischen Glaubenslehre zum Verständnis der Natur als Schöpfung Gottes wieder hebt und für unsere Zeit aktualisiert, könnte eine ähnlich wichtige und anerkannte Bedeutung über die Kirche hinaus bekommen wie die „Kath. Soziallehre“!

Um die Glaubensinhalte von „Laudato si“, die für viele traditionell gläubige Christen revolutionär klingen dürften, besser bekannt zu machen und um zu helfen, diese ins Glaubensbewusstsein aufzunehmen, habe ich wichtige in der Enzyklika enthaltenen theologische und spirituelle Aussagen in Gebete umformuliert, die für Gottesdienste verwendet werden könnten:

>>> Orationen (Gebete): formuliert aus den theologischen Aussagen von „Laudato si“

>>> Zur Enzyklika „Laudato si“

 

 

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

 

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