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Die zentralen Ziele einer zeitgemäßen Seelsorge
 abgeleitet vom Zentrum des christlichen Glaubens:
Aus der Wahrheit des Dreifaltigen Gottes

Link zum Teilen: http://hanglberger-manfred.de/neu-evangelisierung-dreifaltigkeit.htm

 

Eine zeitgemäße Seelsorge muss das Ohr am Wertempfinden und an den Wert-Erfahrungen der Menschen unserer Zeit haben und genauso auf die Worte und auf das Leben Jesu Christi hinhorchen.
Denn für Christen ist die biblische Tradition eine wesentliche Hilfe, um die unterschiedlichen Werterfahrungen unserer Zeit in rechter Weise einander zuordnen zu können. Denn erst in der rechten Rangordnung und Zuordnung können Werte ihre positive Wirkung entfalten. Jeder Wert kann negativ wirken, wenn ihm die rechte Zuordnung fehlt:

So kann z.B. Mitgefühl zur Bevormundung des anderen oder auch zur Selbstüberforderung führen, wenn sie nicht mit Achtung vor dem Leidenden und mit der Einsicht in die Grenzen der eigenen Kräfte verbunden ist.


Nun gibt es in der Kirche fundamentale Werte, die durch die Glaubenserkenntnis vom „Dreifaltigen Gott“ grundgelegt sind. Die zentralen Werte, die dadurch sichtbar werden, dürften unabhängig vom christlichen Glauben für viele Menschen, die nach einem wertorientierten Leben suchen, überzeugend sein. Dadurch bekommen sie auch eine zeitgemäße missionarische Dimension.


Die Glaubensaussagen, die für gläubige Christen diese Werte begründen, sind folgende:

 

1. Gott ist Person

 

2. Gott ist eine Gemeinschaft von Personen, die eine Einheit bilden und jeweils in ihrer Unterschiedlichkeit und Originalität erhalten bleiben.
Dies ist nur möglich in Liebe und Dialog.

 

3. Gott ist „Mensch geworden“, d.h. er ist in innigster Zuwendung verbunden auch mit der ganzen Schöpfung. 

 

Da der Mensch im christlichen Glauben als Gottes Ebenbild und als „Kind Gottes“ verstanden wird, gelten diese Aussagen auch für den Menschen. Er spiegelt also diese (göttlichen) Werte wider:

-          Person-sein

-          Gemeinschaftsbezogenheit

-          Schöpfungsverbundenheit

 

In der Seelsorge gilt es, dies nun zu verwirklichen. Daraus ergeben sich die drei wichtigsten Ziele für die Seelsorge:

 

1. Die Verwirklichung des Personseins:

 

Das Personsein verwirklicht sich einerseits nach innen in schöpferischer Selbstfindung und in der Entdeckung der Bedeutung von Freiheit und Mündigkeit und ihrer Entfaltung:

- Durch die Wahrnehmung der eigenen personalen Würde und absoluten Werthaftigkeit.

- Durch die Entdeckung der eigenen Originalität und Einzigartigkeit, die auch mit der Erfahrung tiefer Einsamkeit verbunden sein können.
Die Einzigartigkeit eines jeden Menschen bedeutet auch, sich zu unterscheiden von jedem anderen:
Wir haben oft unterschiedliche Erfahrungen, Meinungen, Empfindungen, Interessen und Wünsche. Dies kann für eine Gemeinschaft nicht nur Bereicherung bedeuten, sondern kann auch vielfältige Konflikte und Belastungen verursachen, die an die Gemeinschaftsfähigkeit (siehe nächsten Punkt 2.) besondere Anforderungen stellen.

- Durch die Entdeckung der inneren Vielfalt der Gefühle und Gedanken und deren Bedeutung, und ebenso durch die Entdeckung der eigenen Kreativität und Erkenntnisfähigkeit.

- Durch die Entdeckung der eigenen Freiheit und der vielfältigen Aspekte der Eigenverant­wortung.

- Sich als „Gottes-Kind“ verstehen. (Kinder dürfen erwachsen werden und Verantwortung übernehmen.)

 

Der Mensch als Person ist zur Mündigkeit und zur Eigenverantwortung in allen seinen Lebensbereichen berufen und soll dafür auch gefördert und unterstützt werden („Subsidiarität“):

Dafür ist notwendig:
Die Wahrnehmung und Achtsamkeit nach innen entwickeln:
Selbstwahrnehmung, Selbstannahme, sinnvoller Umgang mit eigenen Gefühlen und Stimmungen, Meditation, Zeit für Selbstfindung, Entwicklung einer gesunden Selbstliebe, den eigenen Platz finden in der Welt und in der Gemeinschaft, Entdeckung der eigenen Originalität und göttlichen Werthaftigkeit, Einübung von Freiheit und Verantwortung, …  

 

>> Seelsorge als Hilfe zur Selbstfindung, zu gesunder Selbstliebe und zu Selbstvertrauen

>> Seelsorge als Förderung und Unterstützung der Mündigkeit und Eigenverantwort­ung in seelischer, geistiger, religiöser, moralischer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht.

 

2. Verwirklichung des Gemeinschaftsbezugs:

Er verwirklicht sich in Beziehungen des Vertrauens, der Wertschätzung, der Achtung, der Solidarität und der Liebe.
Der Mensch, der zur Gemeinschaft mit anderen Menschen berufen ist, soll in seiner Gemeinschaftsfähigkeit gefördert und unterstützt werden:
In Partnerschaft, Familie, persönlichen Freundschaften, Vereinen und Verbänden, in gesellschaftlichen, politischen und globalen Gruppen und Gemeinschaften:

Dafür ist notwendig:

Die Wahrnehmung und Achtsamkeit gegenüber den Mitmenschen nah und fern: Dialogfähigkeit (sich mitteilen können und zuhören können), konstruktive Streitkultur, Kritikfähigkeit, Kompromissfähigkeit, Vertrauensvorschuss, Verschwiegenheit, Achtung voreinander, Solidarität, Toleranz, Wahrnehmung einer fundamentalen geschöpflichen Gemeinsamkeit mit allen Menschen,  … , jeden Mitmenschen als „Kind Gottes“ sehen. 

 

>> Seelsorge als Förderung der Gemeinschaftsfähigkeit in den unterschiedlichen Gemeinschaftsdimensionen

>> Angebote und Einladung zu Gemeinschaften, in denen diese Werte gelebt und auch immer wieder thematisiert und gefeiert werden (Liturgie).

 

 

3. Schöpfungsverbundenheit und Schöpfungsverantwortung

Verantwortung erkennen und übernehmen für das eigenes Leben, für das gemeinschaftliche Leben und für die ökologische Gemeinschaft.

- Wahrnehmung der von Gott gegebenen Werthaftigkeit der Schöpfung,
- Wahrnehmung der eigenen Dazugehörigkeit zur Gemeinschaft der Natur
- Wahrnehmung der Vielfalt und Einheit aller Geschöpfe
- Wahrnehmung des Eigenwertes der außermenschlichen Geschöpfe
- Wahrnehmung der seelischen Kraftquellen der Natur
- Wahrnehmung der seelischen Bedeutung einer Freundschaft mit Tieren
- Wahrnehmung der Gefährdetheit des Menschen durch die Eigendynamik der Natur
- Wahrnehmung der Gefährdetheit der Natur durch den Menschen

 

Dafür sind notwendig:

Wahrnehmung und Achtsamkeit gegenüber der Außenwelt.

Förderung von nachhaltigem Denken und Entscheiden im Umgang mit Tieren und Pflanzen, mit den Naturelementen und den Naturschätzen.

Folgen der privaten und gesellschaftlichen Lebensstile bedenken; langfristiges, Generationen-übergreifendes Denken entwickeln, …

>> Seelsorge als Förderung der Verantwortungsbereitschaft und Verantwortungsfähig­keit - auch gegenüber der großen Gemeinschaft der Menschheit und der Schöpfung

 

 

Diese Seelsorge als Förderung
- umfassender Mündigkeit,
- umfassender Gemeinschaftsfähigkeit und
- umfassender Verantwortungsfähigkeit

ist vor allem möglich

- in der Sakramenten-Katechese und im Religionsunterricht

- in der Feier der Sakramente, vor allem in der Eucharistie-Feier

- in der Erwachsenenbildung

- in kirchlichen Verbänden und Pfarrei-Gruppen

- in kirchlichen Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen

- in Selbsthilfegruppen für Probleme aller Art

- in Seelsorgegesprächen

- in meditativen Angeboten

- in der Predigt.

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Dafür notwendig ist aber auch

>> eine Analyse aller entmündigenden (auch selbstentmündigenden) Strukturen, Verhaltensweisen, Gebete, Lehraussagen, usw. in der Kirche und in allen anderen menschlichen Gemeinschaften und Organisationen.

>> eine Analyse aller Dialogblockaden und Dialog-Verweigerungen und ihrer Ursachen in Kirche und Gesellschaft.

>> eine Analyse aller Schöpfungs- und Weltabwertungstendenzen in Kirche und Gesellschaft und andererseits auch eine Analyse der Überbewertung des Materiellen und des Körperlichen in unserer Zeit.

 

Christen glauben an das Wirken des Geistes Gottes schon vor und auch außerhalb der jüdischen und christlichen Religion.

Auch für die allgemeine Seelsorge gelten die Prinzipien, die in der Arbeiter-Seelsorge erkennt worden sind:
Nicht der Seelsorger bringt Christus und seine Botschaft in die Arbeitswelt, sondern er schaut, wo Christus schon da ist und in den Herzen und Handlungen der Menschen schon wirkt.

Der Seelsorger ist der aufmerksame Beobachter, Entdecker und Aufdecker des Wirkens des Heiligen Geistes, der dann zur Mitarbeit mit dem schon ansatzweise vorhandenen Wirken des Heiligen Geistes einlädt.

Das erfordert eine sehr demütige Haltung des Seelsorgers gegenüber den Entwicklungen der Gegenwart, gegenüber dem Wirken Gottes in der Welt und gegenüber den Menschen, die er zur Mitarbeit im „Reich Gottes“ einladen will.

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

)

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