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Zur Bedeutung von Martin Luther heute:

Der damalige Fortschritt wird heute zum Rückschritt:

Am 03. Januar (2021) vor 500 Jahren wurde Martin Luther durch Papst Leo X. exkommuniziert.

Vor 500 Jahren war es ein gewaltiger Fortschritt, als Martin Luther in seiner Kritik an den damaligen Zuständen der katholischen Kirche sich auf die Texte der Bibel berief. Denn Organisation und Praxis der damaligen katholischen Kirche widersprachen fundamentalen Werten der Bibel.

Wenn sich die evangelischen Kirchen unserer Zeit zu sehr auf manche biblischen Aussagen berufen und zu wenig die Erkenntnisse der Humanwissenschaften in ihre Glaubensvorstellungen integrieren, erscheinen diese für viele Menschen unzeitgemäß und unglaubwürdig.

Wenn z.B. die evangelischen Kirchen in Deutschland in einem aktuellen Grundlagenpapier („Gestorben für uns“ von 2015) die Erlösungsbedüftigkeit des Menschen weiterhin auf Schuld und Sünde reduzieren und ebenso den Kreuzestod Jesu als Erlösungsgeschehen auf diese menschlichen Probleme verkürzen, weil bibeltheologische Aussagen dies so darstellen, dann entspricht dies nicht den Erfahrungen und dem Wissen vieler Menschen unserer Zeit.

Nun hat wohl Paulus den Kreuzestod Jesu aufgrund seiner eigenen Schuldprobleme wegen seiner früheren fanatischen Verfolgung der Christen so empfunden und interpretiert. Auch die Schuldgefühle des Petrus wegen seiner Verleugnung Jesu sind überliefert.

Aber wenn wir die Bandbreite der Leidenserfahrungen der Menschen bedenken, denen Jesus heilend und erlösend begegnet ist, dürfen wir dies nach meiner Überzeugung als Einladung verstehen, die Vielfalt der Erlösungsbedürftigkeit der Menschen unserer Zeit wahrzunehmen und zu bedenken, in welcher Weise Jesu Worte und Taten und auch sein Tod und seine Auferstehung den Menschen heute Erlösung schenkt.

Dafür sind nicht nur die in der Bibel überlieferten Worte und Taten Jesu hilfreich, sondern auch die Wahrnehmung der besonderen Formen der Erlösungsbedürftigkeit der Menschen heute.

Denn einerseits lehrt uns die moderne Psychologie, mit Schuldproblemen anders umzugehen als dies z.Z. Jesu üblich war, andererseits kannte man z.Z. Jesu noch nicht die Zwänge mancher heutiger Arbeitsprozesse oder die Auswirkungen mancher unserer Verhaltensweisen auf die Ökologie – um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Bibeltreue, die Luther zu einem großen Reformer des Glaubens werden ließ, kann in unserer Zeit zu ideologischer Engführung werden. Was wir brauchen, ist ein lebendiger und kritischer Dialog zwischen Glaube und Vernunft (Wissenschaft), zwischen Bibel und den „Zeichen der Zeit“.
Was wir brauchen ist ein zeitgemäßes Verständnis von der „Erlösungsbedürftigkeit“ des Menschen und wie wir uns dann Erlösung durch Jesus Christus vorstellen.

So notwendig es ist, dass unserer wissenschaftsgläubigen Zeit die Offenbarungen der Bibel über die göttliche Würde des Menschen und über die Einheit der Menschheit und den Wert der Schöpfung vorgehalten werden, so notwendig ist es andererseits, dass man die Zeitbedingtheit mancher biblischer Aussagen mit Hilfe der modernen Wissenschaften akzeptiert und die Möglichkeiten der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse einsetzt, um Lösungswege für die Befreiung von menschlichen Leiden aller Art zu beschreiten.

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

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