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Manfred Hanglberger Pirkensee, den 14.12.1992 Pfarrer-Hopp-Str. 2 8414 Pirkensee
An Herrn Diözesanbischof Manfred Müller und an alle Domkapitulare des Domkapitels der Diözese Regensburg
Sehr geehrter Herr Bischof!
Herr Weihbischof Wilhelm Schraml hat mir mitgeteilt, daß er im Auftrag des Herrn Diözesanbischofs und im Auftrag des Domkapitels mit mir über den Taufritus, der in der Pfarrkuratie Pirkensee Verwendung findet, sprechen soll. Er führt diese Gespräche also auch in Ihrem Auftrag mit mir. Deshalb erlaube ich mir, mich mit meinem Anliegen persönlich an Sie zu wenden. Ich war als Theologiestudent sehr aktiv im Missionszirkel des Priesterseminars tätig und schrieb meine Diplomarbeit über ein Missionsthema. Entsprechend war mir später eine zeitgemäße extern und intern missionarisch orientierte Pastoral sehr wichtig. Als "Missionar" im eigenen Land versuchte ich die letzten Jahre immer intensiver, die missionarische Situation bei uns zu analysieren und die entscheidenden missionarischen Schwerpunkte zu finden; d.h. vor allem, die primären Leidenssituationen und Unheils-erfahrungen der Menschen in einer säkularisierten Welt wahrzunehmen und die Heilsantworten des Glaubens in einer zeitgemäßen und menschlich verständlichen Sprache zu verkünden; d.h. aber auch, die Defizite der üblichen Pastoral der Kirche gegenüber den Fragen und Problemen der Menschen heute wahrzunehmen und überwinden zu helfen. Als besonderen Schwachpunkt habe ich dabei immer stärker die liturgische Sprache der Kirche erkannt, die viele, für heutige Menschen unverständliche, und zum Teil auch überholte sprachliche und theologische Muster enthält und deshalb für nicht wenige Gläubige zu formelhaft, ja sogar lieblos erscheint. Nachdem ich vor Jahren einige Male vergebens versuchte, mit dem damaligen Generalvikar darüber Gespräche zu führen und gleichzeitig von wissenschaftlich kompetenter Seite mehrfach Bestätigung meiner Anliegen erhielt, habe ich es eigenverantwortlich gewagt, liturgische Texte zu verändern, zumal selbst Bischof Lehmann beim Priestertag in Regensburg nur eine spätere "kosmetische Änderung" angekündigt hatte. Als Grundlage für meine Neuformulierungen hatte ich eine Zusammenstellung der wichtigsten Wahrheiten des Glaubens, wie er aus den Hauptanliegen des II. Vaticanums und der darauf folgenden Enzykliken ersichtlich ist, erarbeitet. Natürlich weiß ich auch, daß die Konzilstexte nicht einheitlich sind, sondern einige Widersprüche und auch einige veraltete Muster enthalten. Ich stelle fest, daß viele Gläubige dankbar auf diese Gebete und Glaubensformulierungen reagieren und mir sagen, daß sie dadurch wieder einen tieferen und befreienderen Zugang zu Gott finden. Ich bin überzeugt, daß die Anliegen des Konzils zugunsten eines Heilsdialogs der Kirche mit der Welt von heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind und viele alte Defizite im Verhältnis der Kirche zu naturwissenschaftlichen und psychodynamischen Erkenntnissen, die berechtigterweise das Bewußtsein der Menschen heute prägen, noch nicht aufgearbeitet wurden und deshalb die Gläubigen mit vielen Fragen alleingelassen werden. Dies gilt besonders im spirituellen Bereich und im Beziehungsbereich. Ich bin gerne bereit, meine psychologischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die ich für eine zeitgemäße Pastoral für wichtig halte, zur Verfügung zu stellen, wenn dies gewünscht wird. Ich glaube, es ist dringend notwendig, auf die Glaubensnot der Menschen unserer säkularisierten Welt zeitgemäße Antworten aus der Kraft des Glaubens zu geben und nicht nur alte Formeln zu wiederholen. Ich bin überzeugt, daß wir in der Kirche veraltete, zeitbedingte Sprach- und Glaubensmuster überwinden und verabschieden müssen, entsprechend dem Auftrag des Papstes in der Einleitung der Enzyklika "Sollicitudo rei socialis": "Es ist Aufgabe der Kirche, ein zeitgemäßes Lehrgebäude zu errichten." Leider zieht der Papst selbst nicht die liturgischen Konsequenzen aus seinen neueren theologischen Formulierungen.
Um das Problem eines "zeitgemäßen Lehrgebäudes" aufzugreifen, möchte ich nun einige Fragen an Sie richten und bitte Sie um Ihre persönliche Stellungnahme dazu; denn wenn in unserer Zeit Verantwortliche in Wirtschaft und Verwaltung in kostspieligen Spezialkursen sehr sorgfältig und subtil ihr Kommunikationsverhalten und ihre Sprache auf unbewußte entmündigende und abwertende Aussagen überprüfen müssen, dann sollte uns unser Sprechen über Gott und zu Gott wichtig genug sein, mindestens dieselbe Sorgfalt und Hellhörigkeit walten zu lassen, wie sie die "Kinder dieser Welt" für weltliche Interessen aufwenden.
Meine Fragen:
1. Sind Sie der Meinung, daß wir immer noch daran glauben müssen, daß der leibliche Tod grundsätzlich eine Folge der Sünde sei? Weil es im Konzilsdokument "Die Kirche in der Welt von heute" im Kapitel 18 heißt: "Außerdem lehrt der christliche Glaube, daß der leibliche Tod dem Menschen, hätte er nicht gesündigt, entzogen gewesen wäre, ..." und weil vor wenigen Wochen eine Religionslehrerin von der zuständigen vorgesetzten Stelle getadelt wurde, weil sie beim Thema "Sterben" dies den Kindern nicht vermittelt hatte.
2. Glauben Sie, daß die Geschichte über Abraham, der seinen Sohn Isaak opfern soll, uns sagen will, daß "Gott (vom Menschen) ausschließlich geliebt werden (will)"? (Aus: "Der Glaubensweg Abrahams", Folienbilder und Texte für den Religionsunterricht, herausgegeben vom Katholischen Schulkommissariat in Bayern, München, Februar 1992. Diese Unterrichtshilfen wurden inzwischen zu Tausenden an Religionslehrer verteilt)
3. Glauben Sie, daß Christus deshalb am Kreuz gestorben sei, damit er Gottes Zorn von uns abwende? Da es im Meßbuch der Katholischen Kirche, 2.Aufl.1988, S.1108 heißt: "Um des Leidens Christi willen wende die Geißel deines Zornes ab, die wir für unsere Sünden verdienen, ..."
4. Glauben Sie, daß ein neugeborenes Kind in der "Macht Satans" oder in der "Macht der Finsternis" sich befinde? Weil der Taufpriester in der Feier der Kindertaufe, S.58 Gott anfleht: "Entreiße <dieses Kind> jetzt und immer wieder der Macht des Satans"
5. Glauben Sie, daß eine Naturkatastrophe, die zur Sintflutgeschichte in der Bibel führte, als Strafgericht Gottes zu verstehen sei und daß ein so fürchterliches Unglück ein "Vorbild" für die Taufe sei? Da es im offiziellen Taufritus im ersten Formular der Taufwasserweihe heißt: "In den Wassern der Sintflut hast du unsere Taufe vorgebildet, da sie den alten Menschen vernichtet, um neues Leben zu wecken."
6. Glauben Sie, daß Gott selbst uns Menschen in Versuchung führt? weil es im VATER UNSER heißt: "... führe uns nicht in Versuchung" obwohl die Kath. Kirche in Spanien sprachlich falsch aber theologisch wohl richtiger übersetzt: "Laß uns nicht in Versuchung fallen"
7. Glauben Sie, daß Gott uns Menschen züchtigt? Weil wir im Gottesloblied Nr. 269, 2.Strophe singen sollen: "... gezüchtigt wurde ich vom Herrn..."
8. Glauben Sie, daß Gott seine Menschenkinder testet (wie es in vielen Prüfungsgeschichten der Bibel dargestellt wird), obwohl wir heute wissen, daß ein solches Verhalten eines menschlichen Vaters bei Kindern seelische Schäden verursachen kann.
9. Sind nicht manche Gebetstexte der Kirche schlimme Entstellungen des Wesens Gottes und wirken letztlich wie eine Gotteslästerung?
Verbunden mit der nochmaligen Bitte um die Beantwortung meiner Fragen wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventzeit und den Frieden, den der menschgewordene Gott in Betlehem der Welt geschenkt hat.
Mit freundlichen Grüßen Manfred
Hanglberger Gespräch mit Weihbischof Schraml >>> |
Auf dieses
Schreiben bekam ich weder vom Diözesanbischof noch von einem Domkapitular eine
Antwort. Nach fünf Wochen bat mich der Generalvikar, nach München zu Professor
Gerhard Ludwig Müller zu fahren und mit ihm meinen Taufritus zu besprechen.
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