Link zum Teilen: https://hanglberger-manfred.de/eucharistiefeier-reform.htm
HOME
Überlegungen zur Einheit der Christen:
Eucharistiefeier und Abendmahlsfeier
Im Verständnis der Hl. Messe
bzw. des evangelischen Abendmahl müssten sich beide Konfessionen bekehren:
- In Richtung einer Feier des „Neuen Bundes“
- In Richtung einer Feier
der Inkarnation: Jesus sagt zu den Symbolen der Schöpfung: „Das ist mein
Leib“
Es besteht nach Aussage des
vatikanischen „Ökumene-Kardinals“ Kurt Koch derzeit die Gefahr, dass sich die
Evangelischen Kirchen und die Katholische Kirche wieder weiter auseinander
entwickeln könnten.
Deshalb habe ich im Folgenden einige Überlegungen zur Einheit der Christen
zusammengestellt:
Alle christlichen
Konfessionen müssen das heutige Wissen über die Ordnung der Natur und über
die Phänomene der menschlichen Psyche in Dialog mit ihrem Glauben bringen, um
ihre jeweilige Glaubenslehre zeitgemäß weiterzuentwickeln, sie gleichzeitig
der Botschaft Jesu anzunähern und damit auch die Gemeinsamkeit zwischen den
Konfessionen zu erweitern.
Nun öffnen sich für den naturwissenschaftlich und psychologisch
interessierten Gläubigen viele Hilfen für einen zeitgemäßen, lebendigen
Glauben.
Es sollte ein
Zwischenziel auf dem Weg zur Einheit der Konfessionen sein, mehr
Gemeinsamkeit in der Gebetssprache und in der Spiritualität zu erreichen.
1. „Gegenwärtigkeit“
oder „Erinnerung“
Sprechen wir in der Liturgie „mit“ Jesus, mit Maria, mit
den Heiligen, mit unseren Verstorbenen oder sprechen wir in
ehrerbietiger Erinnerung „über“ sie?
Bei ökumenischen Maiandachten habe ich beobachtet, dass die evangelischen
Pfarrer Maria in Gebeten nicht direkt ansprechen, sie also nicht als
gegenwärtig sehen, sondern sich ihrer als „Vorbild im Glauben“ erinnern, wie
man sich einer Person erinnert, die vor langer Zeit gelebt hat.
Ob bei Maria, bei den Heiligen allgemein, bei den verstorbenen Angehörigen
und beim Abendmahl, bzw. bei der Hl.Messe, was
Jesus betrifft:
Es ist das Problem des Glaubens an die Gegenwärtigkeit der Personen,
die vor uns gelebt haben.
2. Der
Zeitbegriff des modernen naturwissenschaftlichen Weltbildes kann ein
Hinweis sein auf die „Gegenwärtigkeit“ auch der geschichtlichen Vergangenheit
der Menschheit und auf die reale gegenwärtige Wirkkraft geschichtlicher
Personen. (Z.B. auch der Heiligen):
Alle Ereignisse auf der Erde und im gesamten Weltall bleiben als
Lichtreflexion im Weltall als „Wirk“-lichkeit erhalten.
Es gibt im Universum die Einheit von Raum und Zeit:
Bei Lichtgeschwindigkeit verschwindet die Ausdehnung des Raums und der Fluss
der Zeit:
Alles wird gegenwärtig und gleichzeitig.
Sind diesbezüglich manche evangelischen Glaubensvorstellungen und die
entsprechende Praxis dem alten physikalischen Weltbild des 19. Jahrh. verpflichtet: mit dem linearen konstanten
Zeitverständnis und mit dem statischen Raumverständnis und dem
linear-kausalen Naturgesetz-Verständnis?
Dadurch war es vermutlich gerade für gebildete Menschen ein Problem, im
linearen Nacheinander der Zeitereignisse eine Gegenwärtigkeit historisch
zurückliegender Personen sich vorzustellen?
Notwendig wäre eine gemeinsame Erklärung zum Verhältnis des
modernen naturwissenschaftlichen Weltbildes zum christlichen Glauben, in
dem auf das Zeitverständnis des modernen Weltbildes hingewiesen wird.
3. Notwendig
wäre auch eine gemeinsame Erklärung zum Verhältnis von moderner
Psychologie und christlichem Glauben:
- In der therapeutischen Arbeit weiß man um die psychische Gegenwart von
biographischen Ereignissen.
- Es gibt das therapeutische Herholen und Öffnen seelischer Energiequellen
aus der biographischen oder verwandtschaftlichen (generationsübergreifenden)
Vergangenheit.
- In der systemischen Familientherapie kennt man das Phänomen von
„Wiederholungsschicksalen“ und von einer unbewussten nachahmenden
Solidarität mit Vorfahren, durch die positive oder negative Energien von
Personen aus der Vergangenheit in der Gegenwart spürbar werden.
Auch hier: Die Wirkkraft bereits verstorbener Personen wird im Jetzt
gegenwärtig!
4. Bundesgedanke
statt Sühnegedanke in den Einsetzungsworten und in der gesamten
Konzeption des Gottesdienstes:
Es ist exegetisch erwiesen: Der Bundesgedanke in den Wandlungsworten ist die
ältere und damit wohl ursprüngliche Theologie:
In den ältesten Texte bei Paulus und Markus ist nicht von Opferblut „zur
Vergebung der Sünden“ die Rede, sondern vom „Blut des Bundes“ bzw. bei Paulus
des „Neuen Bundes“.
Nun ist der „Neue Bund“ bei Jeremia 31,31 angekündigt:
„Das wird der (neue) Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem
Haus Israel schließe - Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein
und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein
Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander
sagen: Erkennt den Herrn! sondern sie alle, klein und groß, werden mich
erkennen.
Aufgrund dieses Textes, kann man die Feier des „Neuen Bundes“ in
der Hl. Messe bzw. in der evang. Abendmahlsfeier
als die Proklamation des menschlichen Gewissens verstehen
(„Ich lege meinen Geist in euer Inneres“)
und als die Proklamation der religiösen und moralischen Mündigkeit und
Verantwortung des Menschen feiern?
(„Keiner mehr wird den anderen belehren. Jeder wird Erkenntnis Gottes
besitzen“)!
Das „Bundesblut“ verbindet die Menschen mit Gott und die Menschen miteinander
als Gemeinschaft von mündigen und solidarischen Personen.
Die Einseitigkeit der Sühneformulierung (die exegetisch
nachweisbar später angefügt wurde) lässt den Menschen nur klein und
bedürftig erscheinen (Was er auch ist!). Die Ganzheitlichkeit des
Bundesgedankens (vollzogen durch den gegenwärtig wirkenden Geist Jesu im
„Blut des Bundes“) macht den Menschen groß und ruft ihn zur Verantwortung!
5. Deshalb
müssten die Gebete und Riten des Gottesdienstes vorrangig die Mündigkeit, die
Verantwortungsbereitschaft und die Sensibilisierung des Gewissens zum Inhalt
haben.
6. Notwendig
wäre, die Subsidiarität Gottes in der Beziehung der Lebenden und der
Verstorbenen ernst zu nehmen und zu entfalten:
è Beziehungskultur pflegen
zwischen Lebenden und Verstorbenen (keine Fürbitter-Rolle, sondern direkte Verbundenheit
mit einer gegenseitigen bleibenden Bedeutung füreinander)
è die Gegenwärtigkeit der
Verstorbenen bedeutet die Gegenwärtigkeit der Heiligen, Marias und natürlich
die Gegenwärtigkeit Jesu!
7. In
Brot und Wein ist die Schöpfung auf dem Altar nicht nur symbolisch
gegenwärtig, sondern repräsentiert gegenwärtig. Dazu sagt Jesus: “Das ist
mein Leib“: Seine Identifizierung mit der Schöpfung ist ein existentielles
Dazugehören und Einssein mit der Schöpfung.
è Wandlung als
Vergegenwärtigung des Inkarnationsgeschehens.
è Wandlung als Einladung an
uns Gläubige Jesu Worte mitzusprechen und so unsere tiefe Verbundenheit,
Zugehörigkeit und Verantwortung gegenüber dem Ganzen der Schöpfung zu
vollziehen.
Auch unser Geist und unsere Seele dürfen und sollen sich in der Schöpfung
inkarnieren.
Inkarnation als beständiges heilsgeschichtliches Geschehen durch Gott und
durch die Menschen, das in der Eucharistiefeier wahrgenommen, gefeiert und
vollzogen wird.
(Siehe: Säkularisierung und
Inkarnation >>>)
8.
Jesus zeigt: Gott ist „ seelische Nahrung“ für den Menschen!
Welt soll Nahrung sein für alle! Wir sollen Nahrung sein für einander und für
das Wohlergehen der Lebensgemeinschaft der Natur.
Wenn Gott seine Schöpfung beseelt und seelisch ernährt, ist es dann
angemessen zu beten:
„der du lebst und herrschst“?
Wird nicht die Formulierung „allmächtiger Gott“, die im ganzen Neuen
Testament nicht ein einziges Mal vorkommt, von den Gläubigen völlig missverstanden
und inzwischen von vielen kritischen Menschen abgelehnt.
(Ein typisches Beispiel von theologischer Insider-Sprache: Als Theologen
haben wir uns das richtige Verständnis zurechtgelegt und merken nicht, dass
das Verständnis und die Wirkung bei den Gläubigen eine ganz andere ist).
Die „Autonomie der irdischen Wirklichkeiten“ und die „Subsidiarität“ bei Gott
gegenüber den Menschen stehen in Widerspruch zu einem „herrschenden“ Gott und
zu einem „allmächtigen“ Gott, wie er durch die Gebete der Kath. Kirche von
den Gläubigen verstanden wird.
Entsprechend wäre es meines
Erachtens notwendig, die traditionellen Formen der Spiritualität mit
zeitgemäßen Formen einer „Schöpfungsspiritualität“ >>> zu ergänzen.
Gerade für die Ökumene ist es wichtig,
dass alle Konfessionen sich bekehren bzw. sich theologisch und spirituell
weiterentwickeln.
Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)
Link zum Teilen: https://hanglberger-manfred.de/eucharistiefeier-reform.htm
|