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https://hanglberger-manfred.de/saekularisierung-inkarnation-html.htm
Glaube in ständigem kritischen
Dialog mit der Vernunft, d.h. mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen und
Entwicklungen in allen Lebensbereichen:
Welt-Erfahrung und
Glaubenserfahrung im Dialog.
Solche Glaubenserfahrung führt
zur Weltgestaltung:
„Inkarnation“
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Die „Transzendenz“, die
seelisch-geistige Welt, das „Jenseits“, die „Ewige Welt Gottes“
ist nicht außerhalb der realen Welt, sondern ist die „Seele“ der
realen Welt.
Sie umgreift und durchdringt alle Wirklichkeit.
Der Mensch
- kann sie durch spirituelle Erfahrungen wahrnehmen:
- kann sie erkennen durch die Entdeckung der Einzigartigkeit und absoluten
Werthaftigkeit
seiner Person-Würde und durch ein tiefes Dazugehörigkeitsgefühl
zur großen Gemeinschaft aller Geschöpfe,
- kann sie als ein umfassendes Wahrgenommen-werden und Geliebt-sein
erleben,
- kann sie als Quelle tiefer Lebensbejahung erfahren,
- kann sie als Kraftquelle zum Handeln spüren,
- kann sie als Werte-Erfahrung erleben, die ihm Orientierung für
sein Handeln und für seine Entscheidungen gibt.
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Der
Mensch kann solche spirituellen Erfahrungen in allen Lebensbereichen
machen:
Z.B.
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in der Berufs- und Wirtschaftswelt:
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Existenzsicherung und berufliche Entfaltung, Kampf für
Gerechtigkeit und Mitbestimmung, in der Sorge um den Schutz der
Natur, …
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in den verschiedenen Formen der Kultur:
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Musik, Kunst, Ästhetik, Theater, Brauchtum, …
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in der Politik:
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Soziale Gerechtigkeit, Sorge für Familien, Alte, Kranke,
Behinderte, Minderheiten, Menschenrechte, Schutz vor Bedrohungen vor
Kriminalität und äußeren Feinden, …
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in der Wissenschaft:
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Im Staunen über die Wunder der Natur, im Erkennen der Zusammenhänge
in der Natur, alles ist miteinander verbunden, Sorge um Schutz der
Wissenschaft vor wirtschaftlichem und politischem Missbrauch und
Manipulation von wissenschaftlichen Erkenntnissen,
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in der Religion:
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Gebet, Gottesdienste, Sakramente, Traditionen, Hl.Schriften,
spirituelle Übungen, in der Glaubensgemeinschaft, …
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unabhängig von diesen Bereichen:
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In der Erfahrung von Beziehungen der Liebe, des Vertrauens, der
Wertschätzung, in stillen Stunden des Alleinseins, im Nachdenken über die
zurückliegende Zeit, in der Naturbetrachtung, in der Körpererfahrung, im
persönlichen Gebet, in der Verbundenheit mit den Verstorbenen, …
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Spirituelle Erfahrungen
werden eher wahrgenommen und akzeptiert,
wenn die offizielle Religion verzichtet auf:
- Machtausübung,
- auf unangemessene finanzielle Vorteile,
- auf Gängelung und Bevormundung der Gläubigen
- auf Abwertung von „Ungläubigen“ und Andersgläubigen
- auf eine pauschale und ausgrenzende Verurteilung von sogenannten Sündern.
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Die
„Heilsgeschichte“ ist eine Inkarnation (Verkörperlichung)
von seelisch-geistigen Werten in die Welt hinein:
Der Mensch, der grundlegende Werte-Erfahrungen macht, nimmt sehr
deutlich den Widerspruch wahr zwischen seinen Werte-Erfahrungen und der
realen Welt.
Um die Spannung, die in diesem Gegensatz für ihn spürbar wird,
abzubauen, fühlt es die Verantwortung, für eine „bessere Welt“ sich zu
engagieren und die persönlich entdeckten Werte in den verschiedenen
Bereichen der Gesellschaft und der Welt zu verwirklichen:
Dadurch wird die seelisch-geistige Welt der Werte in die reale
Welt hinein „verkörperlicht“, also „inkarniert“.
Der Sinn des Christentums ist „Inkarnation“
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Diese Ziel-Vorstellungen sind in der Kirche in wichtigen Bereichen
nicht verwirklicht:
Z.B. in den Bereichen „Glaube und die Welt der Gefühle“,
„Gleichberechtigung zw. Mann und Frau“, „Evolution und biblische
Schöpfungstexte“, zeitgemäße Gebets- und Gottesdienst-Sprache, subsidiäre
Organisationsstrukturen, zeitgemäße Kritik- und Streit-Kultur.
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Auch das
Gebot der „Feindesliebe“ und die Erkenntnis der Bedeutung von Glaube und
Vernunft für einander
führt zum Dialog zwischen
-
Innenwelt und Außenwelt
-
Glaube und Vernunft
-
Kirche und Gesellschaft
-
zwischen Weltanschauungen, Konfessionen und
Religionen
Botschaft
des II. Vatikanisches Konzils:
Die Kirche respektiert
-
die
„Autonomie der irdischen Wirklichkeiten“ =>>>
-
einen gesellschaftlichen und politischen
Pluralismus
-
Religions- und Gewissensfreiheit =>>>
Der Dialog
zwischen Vernunft und Glaube ist ein wesentlicher Motor
-
eines ganzheitlichen gesellschaftlichen
Fortschritts,
-
einer ganzheitlichen Entwicklung der
menschlichen Person,
-
der religiös verstandenen „Heilsgeschichte“
Gottes mit der Menschheit.
Der
kritische Dialog ermöglicht die Entwicklung einer
zeitgemäßen Glaubenslehre für alle Lebensbereiche
und die Verwirklichung von Werten in
allen Bereichen des persönlichen Lebens
und der gesellschaftlichen Welt.
Dieser
Dialog ist bei der Kirchenleitung sehr defizitär: z.B.
- im Bereich „Glaube
und Psychologie“
(Welt der Gefühle und Gleichberechtigung von Mann und Frau)
Erste Ansätze in „Amoris Laetitia“ 239-240 153-157
- im Bereich
Gebetskultur und kirchliche Riten
- im Bereich
Autoritätsverständnis und Autoritätspraxis
- im Bereich Streit-
und Kritik-Kultur
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