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Die Verschiebung von seelischem Hunger

(Wie wir problematische menschliche Verhaltensweisen besser verstehen können)

 

Zwei seelische Grundbedürfnisse

 

Der Mensch will nicht nur genießen, er will wahrgenommen und wenn möglich sogar bewundert werden. Noch besser gefällt es ihm, beneidet zu werden. Denn er will etwas Besonderes sein.

 

Es geht hier um zwei seelische Grundbedürfnisse. Der Mensch braucht von klein an beides: Er möchte zu den Eltern und später zu menschlichen Gemeinschaften dazu gehören und dazu passen. Andererseits möchte er ein Original sein, ein einzigartiger besonderer Mensch. Es gehört zur seelischen Grundausstattung des Menschen, mit anderen verbunden sein zu können und das Gefühl der Zugehörigkeit zu genießen und sich andererseits von den anderen unterscheiden zu können und in der Individualität seines eigenen Wesens wahrgenommen werden zu wollen.

 

Bei einer gesunden Entwicklung in der Kindheit erlebt sich ein Mensch von liebevollen Eltern wahrgenommen. Als Säugling steht er in gewisser Weise im Mittelpunkt und die Eltern richten ihren Tagesablauf auf die Bedürfnisse des Kindes aus.
Das kleine Kind kann beiden Eltern gegenüber, wenn diese einen gesunden seelischen Spielraum besitzen, in der Trotzphase auch sein Anderssein und Anderswollen demonstrieren und ein Stück ausleben. Trotzdem wird es in seinem Zugehörigkeitsgefühl zu diesen Eltern nicht erschüttert.

Anders sieht es aus, wenn z.B. ein Säugling nach der Geburt einige Wochen allein gelassen wird, weil die Mutter wegen einer eigenen Krankheit für die Behandlung in eine andere Klinik sofort nach der Entbindung wieder zurückmuss.

 

Wem als Kind diese beiden fundamentalen Erfahrungen des Dazugehören-Dürfens und des Anderssein-Dürfens verwehrt blieben, der sucht ein Leben lang in einer fast gierigen Weise sowohl nach Anerkennung, nach Selbstfindung wie auch nach der Möglichkeit, in einer besonders auffallenden Art seine Originalität und damit sein Anderssein zu demonstrieren. Es gibt viele Ursachen, warum dieser wesentliche seelische Hunger eines Kindes nicht in gesunder und ausreichender Weise gestillt worden ist.

 

Die Verschiebung auf politische, materielle oder körperliche Ebene

 

Das Problem zeigt sich später, wenn dieses Kind als Jugendlicher oder Erwachsener Nachholbedürfnisse entwickelt. Das seelische Zukurzgekommensein in der Kindheit kann sich später in anderen Lebensbereichen ebenfalls wieder in einem Gefühl des Zukurzkommens äußern, z. B. in der Ehe, im Beruf, in der Freizeit. Während es sich im Bereich der persönlichen Beziehungen, wie z. B. in der Familie, als eine ständige Erwartungshaltung gegenüber den anderen Familienmitgliedern äußert, kann es in anderen Lebensbereichen auf die strukturelle, auf die materielle oder körperliche Ebene verschoben werden. 

 

Auf der gesellschaftlichen Ebene äußert sich dieser seelische Hunger
als Machtgier und Herrschsucht,
auf der materiellen Ebene als Habsucht, als Gier nach Luxus und wirtschaftlicher Angeberei,
auf der körperlichen Ebene als Esssucht und Alkoholsucht
oder aber als Schlankheits- und Schönheitswahn.

 

Manfred Hanglberger

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