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Fördert die Gehorsamspraxis in der Kirche den geistlichen Missbrauch?

 

Die Worte „Gehorsam“ und „gehorchen“ gegenüber Menschen kommen im Munde Jesu, so wie es uns die Evangelien überliefern, niemals vor.

Offensichtlich sind sie für Jesus keine Wertbegriffe; denn Jesus geht es konsequent um Mündigkeit, Liebe und Verantwortung.

 

Wenn „Gehorsam“ gegenüber Vorgesetzten in der Kirche inzwischen zu einem zentralen Wertbegriff geworden ist, aber im Gegensatz zur Botschaft Jesu steht, müsste dies geändert werden. Deshalb wäre es eine sehr wichtige Aufgabe der Kirche, Organisationsformen zu entwickeln, die die Werte der Botschaft Jesu zur Entfaltung bringen und die für das Funktionieren einer weltweiten Glaubensgemeinschaft wie der Katholischen Kirche hilfreich sind. Es wäre sehr wichtig, den Gehorsam gegenüber Gott klar zu unterscheiden von einem Gehorsam gegenüber Menschen.

Es darf nicht sein, dass die Autorität Gottes für Gehorsamsstrukturen in innerkirchlichen Hierarchien beansprucht wird.

 

Vorschläge dazu:

·      Es braucht eine Art kirchliches „Grundgesetz“, in dem die Werte der Botschaft Jesu allgemein verständlich formuliert sind und zu dem sich die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft offiziell bekennen. (Vgl. Amtseid von Beamten in einem freiheitlichen Rechtsstaat und Vereidigung der Minister und des Bundeskanzlers vor dem Bundespräsidenten in der BRD).

·      Die aktuellen Glaubensbekenntnisse der Kirche sind dazu ungeeignet, da sie theologisch zu abstrakt sind und die Inhalte der Botschaft Jesu nicht enthalten.

·      Weder das Gehorsamsversprechen der Priester gegenüber dem Bischof bei ihrer Weihe noch das Gehorsamsversprechen der Kardinäle gegenüber dem Papst sind christlich angemessene Riten; denn es geht nicht um den Gehorsam gegenüber Personen, sondern gegenüber Gott, der wesentlich in den Werten, die eine Gemeinschaft im Geiste Jesu geistig-seelisch miteinander verbinden, lebendig ist.

·      Es müsste vor allem für die Gemeinschaften des geweihten Lebens geklärt werden, dass sich das Gehorsamsversprechen in den evangelischen Räten auf Gott und nicht auf Menschen bezieht.

·      Eine Arbeitsgruppe von Bischöfen, Mitgliedern des ZdK und Professoren des NT, der Dogmatik und des Kirchenrechts erarbeiten einen Wertekanon, der sich aus den Evangelien ergibt. Diese Arbeitsgruppe sollte auch alle zwischenmenschlichen Gehorsamsstrukturen in der Kirche aufspüren und Änderungsvorschläge im Geiste der Frohbotschaft erarbeiten.

·      Es braucht unabhängige Instanzen, die Wertekonflikte von Laien gegenüber Personen der Hierarchie und von Personen von untergeordneten Ebenen gegenüber Personen von übergeordneten Ebenen in der Kirchenorganisation aufgrund von allgemein bekannten und anerkannten christlichen Werteordnungen klären.

·      Die Begründungen dieser Klärungsvorgänge müssen öffentlich und allgemein verständlich sein.

·      Der Vatikan soll gebeten werden, eine Enzyklika zum Verständnis christlicher Autorität und entsprechender kirchlicher Autoritätsstrukturen zu veröffentlichen.

·      Wenn die Kirche die in den Evangelien ersichtlichen Werte zum Autoritätsverständnis für unsere Zeit klar formulieren würde, könnten diese eine starke missionarische Kraft entfalten.

 

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

 

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