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Sich vor verletzenden Projektionen schützen

 

Was sind „Projektionen“?

 

Projektionen entstehen durch Erfahrungen, die starke Gefühle auslösen (Z.B. Trauer, Sehnsucht, Aggressionen, Schuldgefühle, …), die man aber nicht schafft auszudrücken, also „zur Welt kommen zu lassen“. Deshalb werden dann diese verdrängt, also unterdrückt, so dass die Mitmenschen nichts merken von diesen starken Gefühlen, die da in einem lebendig sind. Außerdem kann man unangenehme Gefühle durch Verdrängung selbst leichter vergessen, um nicht von ihnen belastet zu werden. Aber was man verdrängt, ist nicht weg aus der eigenen Seele, sondern liegt wie auf der Lauer, um „zur Welt zu kommen“. Da wir in der Kindheit durch starke Gefühle am stärksten überfordert werden, finden die meisten Verdrängungen in der Kindheit statt.

Wenn nun z.B. eine Mutter in der Kindheit durch ihre Mutter seelisch oder körperlich verletzt worden ist, kann sie später diese Verletzungen auf eine Tochter projizieren, so dass diese nun den Zorn, den Ärger und die Vorwürfe abbekommt, als wäre die Tochter die Oma, der diese Gefühlsreaktionen eigentlich gelten.

Das Problem ist, dass die Mutter nicht merkt, dass sie ihre Gefühle, die eigentlich ihrer eigenen Mutter gelten, umlenkt und an ihrer Tochter abreagiert. Leider merkt auch die Tochter meistens nicht, dass sie Opfer der Gefühlsumlenkung, also der Projektion der Mutter ist – und fühlt sich dann ihrerseits verletzt durch die Mutter oder bekommt Schuldgefühle, Minderwertigkeitsgefühle oder auch Zorn.

„Projektionen“ gibt es natürlich nicht nur in der Ehe und Familie, sondern auch in der Schule, in Vereinen und besonders am Arbeitsplatz, dort z.B. gegenüber Kollegen, Untergebenen und Vorgesetzten.

 

 

Projektionsverletzungen in der Öffentlichkeit:

 

Projektionen, denen man in der Öffentlichkeit ausgesetzt ist, erlebt man in der Form von Ungerechtigkeiten, unfairen Vorwürfen, Beleidigungen, Verleumdungen, Mobbing, usw.

Auf solche Konflikte reagiert man am besten mit fairen Streit- und Kritik-Methoden:

Faire Streitmethoden: >>>

Faire Kritikmethoden: >>>

Wichtig ist, nicht durch eigene Projektionen selbst in beleidigende, unangemessene und ungerechte Verhaltensweisen zu verfallen!

Dafür ist es notwendig, durch Gespräche mit Eltern und anderen Verwandten und mit guten Freunden sich eigene Projektionen bewusst zu machen und diese aufzulösen – z.B. durch „heilende Übungen“: >>>

Wenn Streit- und Kritik-Methoden nicht helfen, kann u.U. folgende Formulierung hilfreich sein:

„Da dein (beleidigendes, ungerechtes, verletzendes, …) Verhalten mir gegenüber im Verhältnis zu meinem Verhalten völlig überzogen erscheint, vermute ich, dass bei dir eine Projektion vorliegt, dass du selbst also ein Problem hast, das du auf mich projizierst. Wenn du zuvor dein Problem bearbeitest, können wir vielleicht konstruktiv das Problem lösen, das du mit mir hast.“

 

Wenn man das Opfer von Projektionen ist, die gleichzeitig von mehreren Seiten kommen, gegen die man sich nicht behaupten kann, und man keine Solidarpartner findet, kann es u.U. notwendig sein, das Konfliktfeld zu räumen und sich zurückzuziehen. Das kann im Extremfall z.B. bedeuten, die Schule oder den Arbeitsplatz zu wechseln.

Manche Verletzungen durch Projektionen haben einen rechtlich relevanten Charakter, so dass man einen Rechtanwalt einschalten sollte.

 

 

Schutz vor Projektionen der Eltern

 

Da wir die Eltern nicht nur als Gegenüber erleben, sondern sie in gewisser Weise auch in uns tragen, bringt eine Abkehr von ihnen und ein Kontaktabbruch keine Lösung, sondern kann die Probleme verschlimmern.

 

Ergänzend zum Ritus
„Das Leben von den Eltern annehmen und sich schützen“ (>>>)

können folgende Methoden hilfreich sein:

 

1.     Der erste Schritt ist, sich mit der Lebensgeschichte der Eltern zu beschäftigen, um zu erkennen, welche Verletzungen, Enttäuschungen oder Überforderungen die Eltern erlebt haben, die sie verdrängten, aber weiterhin in sich tragen und dann auf mich zu projizieren begannen.

2.     Dadurch kann man sich bewusst machen, dass die Verletzungen, die die Eltern einem zufügen, ein Problem der Eltern sind und man selbst nur die Projektionsfläche ist, an der die Eltern ihre seelischen Schmerzen „zur Welt kommen lassen“.
(
„Ich sehe, dass euer Verhalten mir gegenüber mit eurer Geschichte und euren Problemen zu tun hat“)
Dadurch erkennt man die Eltern als leidende und verletzte Personen und weniger sich selbst. D.h. die verletzenden Verhaltensweisen der Eltern verlieren erheblich von ihrer Wirkung auf mich.

3.  Schutzschild aufbauen:
Um ein Schutzschild aufzubauen ist entscheidend, in Erfahrung zu bringen, durch wen ein Elternteil verletzt worden ist und für wen man deshalb stellvertretend als Projektionsfläche für dieses Elternteil leidet. Manchmal ist das ein völlig offenes Thema, wie z.B. in folgender Familie:
Die Mutter klagte zwar über die Belastungen, die sie in ihrer Kindheit durch ihre eigene Mutter erlebt hatte, aber merkte nicht, wie sehr sie ihre Verletzungen später an ihrer eigenen Tochter abreagierte, als diese schon verheiratet war und eigene Kinder hatte.
Ob am Telefon oder bei Besuchen, die Tochter wurde immer mit sinnlosen und verletzenden Vorwürfen überhäuft.
Um sich zu schützen kann die Tochter ein Foto der Oma mit einem Kettchen zum Umhängen bereitlegen und beim Telefonieren mit ihrer Mutter diese Bild an ihrer Brust tragen. Zwischendurch sagt sie in Gedanken zu ihrer Oma:
„Oma, ich leide stellvertretend für dich unter den Vorwürfen meiner Mutter, die ja eigentlich dir gehören. Deshalb musst du mich jetzt schützen und die Vorwürfe meiner Mutter übernehmen!“
Bei einem Besuch bei der Mutter kann die Tochter das Bild der Oma unter ihrer Kleidung tragen und vor Betreten der Wohnung der Mutter die Oma in ähnlicher Weise um ihren Schutz bitten.
Die Tochter kann aber auch die Mutter über den Ritus mit dem Bild der Oma informieren und ihr sagen, warum sie das macht.
(Diese Schutzmechanismen sind übrigens auch wirkungsvoll, wenn jemand in einer Lebenspartnerschaft sehr unter den Projektionen des Partners bzw. der Partnerin leidet)

 

Es gibt Kinder, die schon im Kindesalter die Projektionen von Eltern durchschauen und konstruktiv mit dieser Erkenntnis umgehen, wie jener Junge einer alleinerziehenden Lehrerin, die Folgendes erzählte:

Als sie ihren Sohn kürzlich schimpfte, antwortete dieser: „Was schimpfst du mich denn, bloß weil du dich heute wieder mal selbst nicht leiden kannst.“

Eigentlich, so erzählte die Lehrerin weiter, wollte ich ihm wegen dieser frechen Bemerkung am liebsten eine Ohrfeige verpassen, aber ich merkte, dass er Recht hatte.

Leider schaffen es Kinder gewöhnlich nicht, die Projektionen ihrer Eltern zu durchschauen. Und für viele ist es auch noch im Erwachsenenalter eine anspruchsvolle Aufgabe, solche zu erkennen und sich davor zu schützen bzw. konstruktiv damit umzugehen.

 

Weitere wichtige Übungen,

die uns helfen, zu uns selbst zu finden und uns zu schützen:

 

- Der Dialog mit dem inneren Kind: >>>

- Die Eltern aus der sorgenden Elternrolle verabschieden: >>>

- Existenz-Meditation: >>>

- Leben von den Eltern annehmen und Schutz aufbauen: >>>

- Weiter therapeutische Übungen und Riten: >>>

 

Manfred Hanglberger (www.hanglberger-manfred.de)

 

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